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Devisen : Warum der Euro nach Macrons Sieg emporschnellt

Neuer Hoffnungsträger: Emmanuel Macron kann sich nun gute Chancen ausrechnen darauf, der nächste französische Präsident zu werden. Bild: AP

Wirtschaftsvertreter sind erleichtert: Denn nun ist wahrscheinlicher, dass Emmanuel Macron der nächste französische Präsident wird. Aus mehreren Gründen.

          Der noch amtierende französische Präsident Francois Hollande strebte einmal danach, Frankreichs Staatsfinanzen auch mit einem Spitzensteuersatz von 75 Prozent zu sanieren. Das kam nicht nur unter den gut verdienenden Franzosen in der freien Wirtschaft schlecht an. Ein aufstrebender Minister kommentierte dies einmal mit den Worten: „Das ist ja wie Kuba nur ohne Sonne.“

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Dieser Minister blieb nicht allzu lange im Amt, sagte sich vom ziemlich erfolglosen und glücklosen Staatschef los - und hat nun gute Chancen, selbst in den Élysée-Palast einzuziehen. Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen hat der 39 Jahre junge Emmanuel Macron zumindest schon einmal gewonnen. Beinahe 24 Prozent der Wähler stimmten für ihn, etwas weniger als 22 Prozent für Marine Le Pen, die Vorsitzende des Front National. Der Abstand zwischen beiden ist also auf den ersten Blick nicht sonderlich groß und wer weiß, was bis zur Stichwahl in zwei Wochen noch geschieht.

          Gleichwohl ist unter Fachleuten aus der Wirtschaft der Optimismus merklich gestiegen, dass mit Macron ein wirtschaftsfreundlicher Globalisierungsbefürworter künftig die zweitgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Währungsunion regieren wird. Die Anleger an den Finanzmärkten haben das zum Beispiel schon einmal ausgedrückt durch einen leicht gestiegenen Euro-Kurs; der Außenwert der Gemeinschaftswährung kletterte vorübergehend auf mehr als 1,09 Dollar. An den Optionsmärkten, auf denen sich Anleger gegen Kursschwankungen absichern, ist die Reaktion deutlich sichtbar. Der französische Aktienindex Cac 40 stieg um mehr als 4 Prozent, der Dax legte um ungefähr 3 Prozent zu und erreichte ein Rekordhoch, der Eurostoxx 50 und der italienische FTSE-Mib-Index kletterten jeweils um etwas weniger als 4 Prozent nach oben.

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          „Wenn diese Sicht richtig ist, sollte Emmanuel Macron der nächste Präsident Frankreichs werden“, kommentierte Jordan Rochester vom japanischen Finanzhaus Nomura die Wahl gegenüber dem Finanzdienst Bloomberg: „Und das sollte wiederum positiv für die französische Wirtschaft sein und für die wirtschaftliche Stabilität in Europa insgesamt.“

          „Kein Horror-Ergebnis“

          Die Fachleute des auf politische Ereignisse spezialisierten Analysehauses Eurasia Group bemessen infolge des Wahlausgangs die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Macron gewinnt, nun auf 60 Prozent, nachdem sie seine Siegchancen zuletzt sogar noch reduziert hatten. Sie führen für die neue Einschätzung mehrere Gründe an: Die hohe Wahlbeteiligung und das schlussendlich doch eher enttäuschende Abschneiden der Front-National-Chefin sind zwei davon.

          Denn trotz der für Macron guten Umfragewerte zweifelten sie zuvor zum Beispiel daran, wie groß der Rückhalt für den Kandidaten Macron in der Bevölkerung wirklich ist. Sie verwiesen darauf, dass dessen Bewegung „En Marche!“ noch ziemlich jung ist und Macron eben nicht wie Le Pen oder Fillon über einen etablierten Parteiapparat verfügt, der für ihn Wahlkampf macht.

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