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Warnstreiks : Stillstand im Berliner Nahverkehr

  • Aktualisiert am

Die Busse bleiben stehen Bild: REUTERS

Ein kurzfristig angekündigter Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben hat den öffentlichen Verkehr in der Hauptstadt nahezu zum Erliegen gebracht. Hunderttausende Fahrgäste mussten auf Auto, Taxi oder Fahrrad umsteigen. Der Streik soll noch bis Samstagnachmittag dauern.

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          Im Berliner Nahverkehr geht nichts mehr: Seit Beginn eines Streiks in der Nacht zum Freitag stehen alle Straßen- und U-Bahnen sowie 90 Prozent der Busse still, wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mitteilten. Hunderttausende Fahrgäste mussten auf Auto, Taxi oder Fahrrad umsteigen. Das befürchtete Verkehrschaos im morgendlichen Berufsverkehr blieb aber aus. Die Gewerkschaft Ver.di schloss weitere kurzfristige Streiks im Tarifstreit mit der BVG nicht aus.

          Auch nach Ende des Warnstreiks am Samstagnachmittag (15.00 Uhr) werde es noch eineinhalb bis zwei Stunden dauern, bis wieder auf Normalfahrplan umgestellt sei, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. „Das ist sehr ärgerlich, und wir können auch den Ärger unserer Kunden verstehen.“ Weil auch das BVG-Callcenter bestreikt wird, könne das Unternehmen seine Kunden nicht informieren. Fahrplan- und Verbindungsauskünfte sind laut BVG nur über das Internet möglich. Wegen der hohen Zugriffszahlen müsse allerdings mit Verzögerungen bei der Abfrage gerechnet werden.

          Ausgenommen sind S-Bahnen und Regionalzüge

          Verdi-Sprecher Andreas Splanemann erklärte, den fast 40-stündigen Ausstand von Samstag auf Freitag vorzuziehen sei „die geringste Variante“ gewesen. „Es kann schon bald weitergehen.“ Die BVG-Beschäftigten hätten ihrem Ärger Luft machen müssen und seien auch zu einer Urabstimmung bereit. Eine spontane Verlängerung des Streiks über Samstagnachmittag hinaus werde es jedoch nicht geben.

          Streikende Mitarbeiter vor einem Betriebshof der BVG

          Ausgenommen von dem Warnstreik sind lediglich S-Bahnen und Regionalzüge. Die Berliner S-Bahn setzte alle verfügbaren Züge ein, wie Sprecher Ingo Priegnitz erklärte. Im Innenstadtbereich gebe es erheblich mehr Fahrgäste als sonst. Zum Flughafen Tegel wurde ein Busverbindung angeboten. Die Polizei berichtete zwar von einem erhöhten Verkehrsaufkommen. Ein Chaos auf den Straßen gebe es aber nicht. Die Telefonnummern der Berliner Taxi-Unternehmen waren am Vormittag fast ständig besetzt.

          Arbeitgeber nennen Streik überzogen

          Verdi betonte, bei Signalen von Arbeitgeberseite sei die Gewerkschaft sofort gesprächsbereit. Dort sei jedoch kein entsprechender Wille vorhanden. Die BVG habe wissen müssen, dass ihr Angebot im Tarifstreit „überhaupt keine Verhandlungsperspektive“ biete und die Beschäftigten zum Handeln bereit seien, sagte Splanemann. Die BVG hat sechs Prozent mehr Lohn für Busfahrer mit Neuverträgen angeboten. Die älteren Fahrer lägen bereits 20 Prozent über Tarif, hieß es.

          Verdi fordert zwölf Prozent mehr Gehalt für alle Beschäftigten von BVG und BT Berlin Transport. Der Kommunale Arbeitgeberverband kritisierte den Streik als völlig überzogen. Von einem Warnstreik, der üblicherweise wenige Stunden und auch nicht flächendeckend laufe, könne keine Rede mehr sein, sagte KAV-Geschäftsführerin Claudia Pfeiffer. „Nach der zweiten Runde (der Tarifverhandlungen) und nach einem Angebot der Arbeitgeberseite mit einer derartig massiven Streikmaßnahme zu kontern, ist völlig unverhältnismäßig“. Das Netz der BVG besteht aus neun U-Bahn-Linien, 150 Busverbindungen und 22 Straßenbahnlinien. Zusammen mit weiteren Partnern bedient das Verkehrsunternehmen einen Ballungsraum mit 3,4 Millionen Einwohnern in einem Einzugsgebiet von fast 1.000 Quadratkilometern. Busse und Bahnen der BVG werden nach Unternehmensangaben im Jahr von rund 900 Millionen Fahrgästen genutzt.

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