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Wahlen in Burma : Die Generäle versilbern das Staatseigentum

Das Sozialprodukt je Kopf liegt in der Höhe dessen Afghanistans, mehr als ein Drittel der Burmesen leben unter der Armutsgrenze. Damit zählt das Land zu den ärmsten Ländern der Erde. Der Wiederaufbau der zerstörten Reisanbaukultur wird freilich Jahre dauern. Dabei war Burma einst nicht nur dank seiner Bodenschätze das reichste Land Südostasiens, sondern auch dessen Reiskammer.

China mit großem Einfluss

Nach der Wahl wird wohl der Weg für asiatische Investoren offener. Schon heute investieren westliche Konzerne über ihre asiatischen Tochtergesellschaften in Hongkong oder Singapur in Burma, die Koreaner haben sich selbst in den vergangenen Jahren stark engagiert. Dass indes Amerika oder Großbritannien ihre Sanktionen nach den Wahlen aufheben würden, glaubt derzeit keiner. Unter der Hand heißt es, dazu sei schon allein der Einfluss der Exilgruppen zu groß. „Auch sie hätten etwas zu verlieren, würde sich Burma deutlich ändern“, sagt ein Diplomat. Die wachsende Spaltung zwischen Asiaten, die für stärkere Engagements in Burma offen sind, und dem Westen wird aber zu weiteren Verschiebungen von Auslandsinvestoren führen.

Längst hat sich die Schutzmacht China auf die Wahl eingestellt: „Die Chinesen haben schon seit Monaten mit allen relevanten ethnischen Gruppen gesprochen. Sie haben sich darauf vorbereitet, dass diesen nach einer Wahl mehr Einfluss zukommen könnte“, sagt Lall. China hat gerade im Norden des Landes fast unbegrenzten Einfluss: Die Uhren hier gehen nach Peking-Zeit, die Minen oder Sägewerke liegen in Händen von Chinesen, in den Schulen wird auf Mandarin unterrichtet. Neben den Edelsteinen und Holz ist China vor allem an den Gasvorkommen vor Burmas Küste interessiert.

An Pflichten herantasten

Auf die will natürlich auch Burmas westlicher Nachbar, Indien, seine Hand legen. „Die Inder haben allerdings noch keine Burma-Strategie“, stellt Lall fest. Dabei lernen die Burmesen von südostasiatischen Ländern wie Singapur oder Indonesien, Chinesen und Inder gegeneinander auszuspielen. Junta-Chef Than Shwe ist es wichtig, Peking zu demonstrieren, dass die weitere Anbindung nicht automatisch geht, sondern ihren Preis hat. Auf seine Visite in Peking folgte umgehend der Besuch in Neu-Delhi.

Klar erscheint, dass das Militär auch nach der Wahl die Macht hat, das Land weiter auszubeuten. Das Parlament aber wird wohl versuchen, die Armut zu bekämpfen und sich allmählich an die Versorgungsverpflichtungen eines Staates heranzutasten. Dafür wird es notwendig sein, ein Steuersystem einzuführen; bislang zahlen Burmesen praktisch keine Abgaben. „Die Lernkurve wird sehr hoch sein müssen“, sagt Lall.

Hoffnung auf neue Regierung

Dabei werden die Städte Burmas von einer wachsenden Mittelschicht geprägt: Davon zeugen beispielsweise die internationalen Schulen, die in Rangun gegründet werden. Sie können bis zu 1000 Dollar monatlich kosten – was sich nur Eltern leisten können, die für burmesische Verhältnisse enorme Einkommen haben. Das Militär hatte schon vor einiger Zeit Genehmigungen zum Betrieb privater Schulen und Krankenhäuser ausgestellt.

Wie schwierig indes das Überleben für Geschäftsleute ist, zeigt das Beispiel der Fluggesellschaft Myanmar Airways. „Wenn wir erst eine neue Regierung und eine neue Politik haben, werden wir einen großen Zustrom an Touristen verzeichnen“, hofft Ye Jhan, einer der Chefs der Fluglinie. Bislang leide die größte Linie des Landes mit ihren nur zwei Maschinen unter „einem Mangel an Kapital und Unterstützung“. Mit nur rund 20 Millionen Dollar jährlich „halten wir gerade so unseren Kopf über dem Wasser“.

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