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Wahl in Großbritannien : Theresa Maybe

Premierministerin Theresa May besucht mit ihrem Ehemann Philip während einer Wahlveranstaltung den Smithfield Markt. Bild: dpa

Der britische Parlamentswahl wird für die Premierministerin überraschend zur Zitterpartie. Fünf Szenarien, wie die Abstimmung ausgehen könnte und was das bedeutet: für Großbritannien, für Deutschland und für die EU.

          Ob es Theresa May wohl bereut, dass sie Mitte April zur allgemeinen Verblüffung vorzeitige Neuwahlen in Großbritannien anberaumt hat? Noch vor wenigen Wochen schien das ein cleverer Schachzug gewesen zu sein. Demoskopen und die meisten anderen Beobachter auf der Insel prophezeiten der Premierministerin und ihren konservativen Tories einen satten Zuwachs an Abgeordneten im Londoner Unterhaus - auf Kosten der sozialdemokratischen Labour Party, die am Abgrund zu stehen schien.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch kurz bevor am Donnerstag auf der Insel gewählt wird, ist das Rennen um den Regierungssitz in der Londoner Downing Street unerwartet spannend geworden. Mays Labour-Herausforderer Jeremy Corbyn, ein strammer Altlinker, der die Eisenbahnen und die Post verstaatlichen will, hat in den vergangenen Wochen in Umfragen stark aufgeholt. Die Premierministerin schwächelt dagegen. May ist weiterhin die Favoritin. Aber was noch vor kurzem als Ding der Unmöglichkeit galt, kann nun nicht mehr kategorisch ausgeschlossen werden: ein Regierungswechsel.

          Weniger Polizisten

          Anfang Mai hatten manche Wahlprognosen der konservativen May noch einen Vorsprung von 24 Prozentpunkten gegenüber Corbyn vorausgesagt. Die letzten fünf Umfragen seit Ende vergangener Woche zeigen im Schnitt dagegen nur noch einen Abstand von 5 Prozentpunkten. Wegen des strikten Mehrheitswahlrechts auf der Insel ist die Aussagekraft solcher prozentualer Prognosen zwar beschränkt und die Demoskopen haben in den vergangenen Jahren in Großbritannien mehrfach danebengelegen. Doch das Finale dieses vermeintlichen Langweiler-Wahlkampfs ist spannender, als es May lieb sein kann.

          Der jüngste schockierende Terroranschlag am Samstag in London macht den Wahlausgang noch unkalkulierbarer: Die Bluttat könnte May schaden, denn bevor sie im vergangenen Juli für den zurückgetretenen David Cameron als Premierministerin nachrückte, war sie in dessen Kabinett sechs Jahre lang Innenministerin.

          Nun sieht sich May mit dem Vorwurf konfrontiert, unter ihrer Führung sei der Kampf gegen den Terror seit dem Jahr 2010 nur schleppend vorangekommen. Schlimmer noch: Ihr wird vorgehalten, viele Tausend Stellen in der Polizei gestrichen zu haben. Andererseits ist der mit dem Habitus eines freundlichen Großvaters ausgestattete Sozialist Corbyn bisher auch nicht als knallharter Vorkämpfer für die innere Sicherheit aufgefallen.

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          Es geht um Milliarden

          Aus Sicht Deutschlands und der anderen europäischen Nachbarn der Briten ist die Wahl im Königreich extrem wichtig: Denn Großbritannien macht sich daran, die EU zu verlassen. Und ob May die Parlamentswahlen nun mit großem Vorsprung oder nur schmaler Mehrheit gewinnt oder vielleicht sogar verliert, das könnte erheblichen Einfluss auf den Verlauf der schwierigen Brexit-Verhandlungen zwischen London und Brüssel haben.

          Es geht um Milliardensummen im EU-Haushalt und die künftigen Wirtschaftsbeziehungen zu einem Land, das einer der wichtigsten deutschen Handelspartner ist. Was also wird der Wahlausgang für den Brexit bedeuten? Fünf  Szenarien sind denkbar:

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