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Währungspolitik : China attackiert die Rolle des Dollar

Die Tage als Leitwährung gezählt? Dollar-Abrechnung in einer Bank in Heifei in China Bild: AFP

Unmittelbar vor seinem Staatsbesuch in Washington hat der chinesische Staats- und Parteichef Hu Jintao das internationale Währungssystem mit dem amerikanischen Dollar als Leitwährung als „Produkt der Vergangenheit“ bezeichnet. Eine Alternative nannte er allerdings nicht.

          Die Volksrepublik China hat ihre Einschätzung untermauert, dass das dollarzentrierte Weltwährungsregime überholt werden müsse. „Das derzeitige internationale Währungssystem ist ein Produkt der Vergangenheit“, sagte der chinesische Staats- und Parteichef Hu Jintao mit Blick auf die große Rolle des Dollar als Reservewährung und als Transaktionswährung im internationalen Handel.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Hus Einlassungen kommen direkt vor seinem an diesem Dienstag beginnenden Staatsbesuch in den Vereinigten Staaten. Er präsentierte indes keine Alternative zum Dollar als Leitwährung und erklärte, es werde ein ziemlich langer Prozess sein, den chinesischen Renminbi zur internationalen Währung zu machen. Die Zulassung der Nutzung des Renminbi im grenzüberschreitenden Handel und für Investitionen bezeichnete Hu als „Pilotprojekte“.

          Im Frühjahr 2009 hatte der chinesische Zentralbankgouverneur, Zhou Xiaochuan, international für Aufruhr gesorgt, als er eine synthetische Reservewährung als Alternative zum Dollar ins Gespräch gebracht hatte. Hu, der nur sehr selten ausländischen Medien Gespräche gewährt, antwortete auf schriftlich eingereichte Fragen der Zeitungen „Wall Street Journal“ und „Washington Post“.

          Selbstbewusste Kritik an der amerikanischen Finanzpolitik: Hu Jintao

          Indirekt äußerte Hu abermals Kritik an der expansiven Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Federal Reserve. „Die Geldpolitik der Vereinigten Staaten hat einen bedeutenden Einfluss auf die globale Liquidität und Kapitalflüsse, und deshalb sollte die Liquidität des amerikanischen Dollar auf einem vernünftigen und stabilen Niveau gehalten werden“, erklärte Hu. Die Volksrepublik gehört wie viele andere Entwicklungsländer und auch europäische Länder zu den Kritikern der Lockerung der Geldpolitik der Fed im November. Der Vorwurf steht im Raum, dass Amerika den Dollar schwäche, um Exportvorteile zu erlangen. Die Chinesen sind darüber hinaus daran interessiert, dass der Wert ihrer Währungsreserven im Wert von rund 2,8 Billionen Dollar, die sie größtenteils in Dollar halten, nicht schrumpft.

          Hu: Anstieg der Inflation moderat

          Im Mittelpunkt der Gespräche Hus in Amerika wird unter anderem der Wechselkursstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China stehen. Die Regierung in Washington dringt seit langem darauf, dass China den Renminbi schneller gegenüber dem Dollar aufwertet. Sie steht unter dem Druck vieler Abgeordneter und Senatoren im Kongress. Ein gewichtiges Argument der Amerikaner für eine schnellere Aufwertung des Renminbi, den Preisanstieg, wischte Hu vom Tisch. „Inflation kann kaum der wichtigste Faktor für die Wechselkurspolitik sein“, schrieb Hu.

          Amerikas Finanzminister Timothy Geithner hatte noch vergangene Woche erklärt, eine Aufwertung des Renminbi liege im Interesse Chinas, um die heimische Inflation zu dämpfen. Hu erklärte, der Anstieg des Preisniveaus in China sei im Ganzen moderat und kontrollierbar. Während die Vereinigten Staaten Chinas Wechselkurspolitik als einen Hauptgrund für internationale Handelsungleichgewichte sehen, nannte Hu als wichtigstes globales Ungleichgewicht den Unterschied zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

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