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Wachstum : Deutschland im Boom

  • -Aktualisiert am

Die deutsche Wirtschaft boomt – und selbst die Bundesregierung kann daran nichts ändern. Der Boom ist nicht nur der eigenen Leistung zu verdanken, sondern auch der Nullzinspolitik der Notenbanken. Die Zeche zahlt der Sparer.

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          Diese Koalition verteilt Rentengeschenke wie kaum eine andere vor ihr, fordert von den Tarifparteien hohe Lohnabschlüsse, beschneidet und verteuert die Zeitarbeit, führt einen hohen Mindestlohn ein, haut eine Mietpreisbremse in den Wohnungsmarkt und verteuert die Stromkosten. Doch weil es so viele Beschäftigte wie nie zuvor gibt, die fleißig Steuern und Abgaben in Rekordhöhe zahlen, darf obendrein der Finanzminister darauf hoffen, bald einen Haushalt ohne neue Schulden vorlegen zu können. Allen Belastungen zum Trotz ist die deutsche Volkswirtschaft eine kräftige Lokomotive der lahmen Konjunktur in der Eurozone. Wie passt das zusammen?

          Deutschland zehrt einerseits von den Reformen der Vergangenheit, für die Bundeskanzler Schröder (SPD) das Schlagwort Agenda 2010 prägte und die seine Nachfolgerin Merkel (CDU) den Euro-Krisenstaaten zur Nachahmung empfiehlt, während sie selbst etwa mit der Rente mit 63 die Rolle rückwärts übt. Bevor sich der Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) noch länger den Erfolg an die eigene Brust heftet, sollte er nach Frankreich blicken. Dort kann er studieren, wohin es führt, wenn man Reformen verspielt und die Arbeitskosten zu teuer werden. Der französische Arbeitsmarkt brach zusammen und mit ihm die Wirtschaft, das treibt Schulden und Defizite nach oben.

          Die paradiesischen Zustände hierzulande hat die deutsche Regierung nicht und die heimische Exportindustrie nicht nur der eigenen Leistung zu verdanken, sondern auch der Nullzinspolitik der Notenbanken. Wer das Geld fast geschenkt bekommt, kann gut Schulden machen, wissen nicht nur Finanzminister. An den teils außer Kraft gesetzten Kapitalmärkten ist die absurde Situation entstanden, dass heute in der Eurozone die Zinsen für Staatsschuldner niedriger sind als vor der Euro-Krise – obwohl die Staatsschulden höher sind als jemals zuvor. Weil dennoch Tristesse in den anderen Euroländern herrscht, denkt die Europäische Zentralbank sogar über negative Zinsen und anderes nach, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Zeche für solch eine Geldpolitik zahlt der Sparer. Profiteure sind neben Banken vor allem global investierende Vermögensbesitzer. Sie danken den Zentralbanken und gewinnen durch den Börsen- und Immobilienboom.

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