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Vorstandsbezüge : Abgerechnet wird im nächsten Jahr

Sparen? Ein bißchen. Telekom-Chef Ricke Bild: dpa

Nach der Kriegserklärung das Friedensangebot. Der Telekom-Vorstand will Gehaltsverzicht üben - wird aber gemessen an der Kursentwicklung noch immer gut bezahlt. Die Gehälter der Vorstände bleiben umstritten. Nach welchen Maßstäben soll entlohnt werden?

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          Einen Tag nach der Kriegserklärung kam der Versuch eines Friedensangebotes. Wenn es den Mitarbeitern ans Geld gehe, müsse auch der Vorstand Verzicht üben, zeigte sich der Vorstand der Deutsche Telekom AG einsichtig.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Am Vortag hatte er angekündigt, daß das Einkommen von insgesamt 45.000 Kundendienstmitarbeitern, Service-Technikern und Beschäftigen der Call-Center um dreißig bis fünfzig Prozent auf das "marktübliche Niveau" sinken müsse (F.A.Z. vom 25. und 26. Oktober). "Der Vorstand ist bereit, wieder ein Zeichen der Solidarität zu setzen", ließ sich Vorstandschef Kai-Uwe Ricke gestern in der "Bild"-Zeitung zitieren. Schon vor zwei Jahren hatte sich der Telekom-Vorstand das Maigehalt gestrichen als "persönlichen Beitrag" zum damaligen Beschäftigungspakt, in dessen Rahmen die Mitarbeiter einer Kürzung ihrer bezahlten Wochenarbeitszeit von 38 auf 35,5 Stunden und einer Nullrunde für 2004 zugestimmt hatten.

          Nicht dem Diktat der Straße beugen

          Ob das Management jetzt mit gutem Beispiel vorangehen oder, wie bereits 2004, den Ausgang der Verhandlungen über die neue Tarifstruktur abwarten wird, ließ Ricke offen. Auch über die Höhe des angekündigten Notopfers im Vorstand können die Mitarbeiter nur spekulieren.

          Michael Kramarsch, Geschäftsführer bei der Unternehmensberatung Towers Perrin, hält von solchen situationsbezogenen Gehaltsverzichten der Vorstände wie bei Telekom oder kürzlich bei Siemens gar nichts. "Man sollte sich nicht dem Diktat der Straße beugen. Wenn Vorstandsbezüge als ungerecht empfunden werden, liegt das an falscher Kommunikation oder an einer wenig sinnvollen Gehaltsregelung", sagt Kramarsch. Die ganze Diskussion über steigende Vorstandsbezüge bei gleichzeitigen Massenentlassungen und Gehaltskürzungen für Mitarbeiter sei schief. Die Grundvergütungen deutscher Vorstandsmitglieder stagnierten seit Jahren, die von Ricke bei 1,25 Millionen Euro.

          Mißerfolg wird im kommenden Jahr entlohnt

          Die Steigerung der Bezüge komme derzeit aus den Boni, die erfolgsabhängig und nach einem sehr ertragreichen Jahr 2005 in diesem Jahr besonders hoch ausgefallen seien. Diese Erfolgszahlungen aus dem Vorjahr fielen jetzt mit den aktuellen Mißerfolgen zusammen. Für den diesjährigen Erfolg oder Mißerfolg werde aber im kommenden Jahr entlohnt.

          Daß auch Managergehälter nach unten flexibel sind, hat das Beispiel Metro gezeigt. In der jüngst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz veröffentlichen Übersicht über die Vorstandbezüge der großen börsennotierten Gesellschaften fiel das Handelsunternehmen durch einen starken Rückgang der durchschnittlichen Vorstandsbezüge auf. Das lag daran, daß der Ertragszuwachs bei der Metro (Gewinn vor Zinsen und Steuern) niedriger ausgefallen war als 2004, der daraus sich errechnende Bonus also um einige hunderttausend Euro niedriger lag.

          Vergütung und vereinbarte Ziele angeben

          Da nach Kramarschs Meinung in Deutschland die Grundvergütungen im internationalen Vergleich sogar eher niedrig sind und die ergebnisabhängigen Boni relativ hoch, würden sich Erfolg und Mißerfolg relativ gut im Einkommen widerspiegeln. Er plädiert dafür, im Geschäftsbericht nicht nur die Vergütung anzugeben, sondern auch die mit dem Aufsichtsrat vereinbarten Ziele. Dann sei die Entwicklung der Bezüge objektiv nachvollziehbar.

          Keine Orientierung an amerikanischen Gehältern

          Gar nichts hält Kramarsch von dem Argument, deutsche Manager müßten sich an globalen Gehaltshöhen orientieren. "Einen globalen Arbeitsmarkt für Manager gibt es nicht. Kaum ein einziger amerikanischer Vorstandschef ist Deutscher, und auch hierzulande gibt es wenig Amerikaner als Vorstandsvorsitzende." Das Vergleichsumfeld für einen deutschen Manager sei der deutsche oder der europäische Markt, "und hier ist das Niveau der Barvergütungen durchaus vergleichbar."

          Kursentwicklung Platz 30, Vergütung Platz 9

          Der Vorstand der Deutschen Telekom ist davon überzeugt, daß seine Bezüge einer "marktgängigen Vergütung" entsprechen, wie es im Geschäftsbericht regelmäßig heißt. In der Rangliste der am besten bezahlten deutschen Manager lag das Führungspersonal im vorigen Jahr mit einem Durchschnittseinkommen von 1,753 Millionen Euro immerhin auf Platz 9 der dreißig Dax-Unternehmen. Den mit großem Abstand letzten Platz bekleidete hingegen die T-Aktie mit ihrer Kursentwicklung: Mit einem Minus von 15,4 Prozent schnitt sie so schlecht ab wie kein anderes Dax-Papier. Ricke konnte dennoch eine Barvergütung von knapp 2,6 Millionen Euro, davon knapp die Hälfte als Festgehalt, nach Hause tragen. Sollte sich der Telekom-Vorstand entschließen, auf eine vollständige Monatsvergütung zu verzichten, würden in Rickes Haushaltskasse also etwa 217.000 Euro fehlen. Vor zwei Jahren strich Ricke trotz des Verzichts auf das Maigehalt "nur" 60.000 Euro weniger ein als 2003, weil die variable Vergütung höher ausfielen.

          Der Siemens-Vorstand will seine vereinbarte Bezugserhöhung (30 Prozent nach drei Jahren) um ein Jahr verschieben. Wirklich gekürzt wird bei Vorstandsbezügen selten. Der Lufthansa-Vorstand hat sein Gehalt aufgrund der schlechten Lage nach den Terroranschlägen 2001 um 10 Prozent gekürzt. Andere Unternehmen beschränken sich auf die Kürzung von Zusatzleistungen wie den Fahrer.

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