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Vor Wahl in Indien : Modi möchte Indiens Ministerpräsident werden

Hoffnungsträger: Narendra Modi Bild: REUTERS

Ab Montag wählen die Inder - das Land steht vor einer Richtungswahl. Der charismatische Narendra Modi gilt als Favorit. Manager verehren ihn. Doch ist in seinem Bundesland Gujarat längst nicht alles Gold, was glänzt.

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          Der Indien-Statthalter des Dax-Konzerns war begeistert. „Nach der Feier hat mir Modi einen Zettel mit seiner privaten Telefonnummer zugeschoben“, sagt der Mann, der ungenannt bleiben möchte. „Ich solle ihn anrufen, sobald etwas klemmen würde, jemand Bestechungsgelder verlange. Er werde dann persönlich eingreifen.“

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das kann Narendra Modi möglicherweise bald von höchster Warte aus: Denn der amtierende Ministerpräsident des Bundesstaates Gujarat möchte Indiens nächster Ministerpräsident werden. Vom 7. April bis 12. Mai wählen gut 800 Millionen Inder ihr Parlament und damit die nächste Regierung. Alle Vorhersagen deuten auf einen Machtwechsel und den Gewinn der konservativen Hindus der Bharatiya Janata Party. Modi ist ihr Spitzenkandidat.

          So sammelt er Punkte: Er handelt schnell, geriert sich als Guru, der aus kleinen Verhältnissen stammt, agiert aber entschieden. Die Börse eilt in der Hoffnung auf seinen Wahlsieg von Rekord zu Rekord. Der Milliardär Anil Ambani nennt Modi „den Führer der Führer, den König der Könige“. Wer ahnt, wie es in Indien zugeht, versteht, warum Narendra Modi zum Liebling der Manager wurde. „The good M“, den „guten Herrn M.“, nannte Ratan Tata den Kandidaten. Tata genießt auf der ganzen Welt Ansehen als vorbildlicher Manager. Er hatte die fertige Fabrik für das Kleinstauto Tata Nano im Bundesstaat Westbengalen schließen lassen müssen, weil die Proteste dagegen überbordeten. Modi bot ihm per SMS ein freies Grundstück in Gujarat an. Tata griff zu. Er ließ für mehr als 200 Millionen Dollar neu bauen.

          Das Problem des Landes liegt ganz oben

          Modi scheint zu liefern, wonach die größte Demokratie der Erde sich sehnt: Führungsstärke. Nichts wäre für das Land besser. In den vergangenen Jahren hat die Regierung versagt, der Subkontinent seine Versprechen gebrochen. Lange Zeit als „zweites China“ gehandelt, hat Indien seinen Glanz verloren. Von „Shining India“, der genialen Werbekampagne zur Jahrtausendwende, ist nicht mehr als eine Worthülse geblieben.

          Die Weltbank stufte Indien auf ihrem Index der Länder, in denen man am einfachsten seinem Geschäft nachgehen kann, immer weiter zurück: 2005 lagen die Inder auf Rang 116, im Jahr 2012 auf Rang 131, im vergangenen Jahr nur noch auf Platz 134. Um eine Lagerhalle zu bauen, sind 35 Genehmigungen einzuholen, im Durchschnitt dauert das 168 Tage. Je höher die Bürokratiedichte ist, umso wahrscheinlicher müssen auch Bestechungsgelder fließen.

          Es hakt überall. Die Infrastruktur ist weitgehend verrottet und vollkommen überlastet. Die Korruption wuchert. Das Parlament hat sich in den vergangen Jahren selber blockiert, Gesetzesvorhaben blieben einfach liegen. Selbst Unternehmen, die schon Jahrzehnte in Indien sind, beginnen zu klagen: „Wir haben unser Haus für zwei Jahre eingemottet“, sagt ein deutscher Manager mit Blick auf die Wirren. Und der amerikanische Rohstoffpapst Jim Rogers warnt: „Ich würde in Indien nicht investieren, bevor es sich nicht öffnet.“

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