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Vor dem Weltfinanzgipfel : China schlägt eine neue Leitwährung vor

  • -Aktualisiert am

Chinas Notenbankchef Zhou Xiaochuan auf dem Volkskongress im März Bild: Reuters

Die chinesische Zentralbank spricht sich dafür aus, eine supranationale Reservewährung zu schaffen. Der Plan zielt darauf, den amerikanischen Dollar mittelfristig als Weltleitwährung abzulösen.

          Wenige Tage vor dem Weltfinanzgipfel in London hat die chinesische Zentralbank eine tiefgreifende Reform des internationalen Währungssystems gefordert. Sie zielt langfristig darauf, den amerikanischen Dollar als wichtigste Reservewährung der Welt durch eine neue supranationale Reservewährung abzulösen. Der chinesische Vorstoß hat großes Gewicht, weil China mit fast 2 Billionen Dollar das Land mit den größten Währungsreserven der Welt ist – und zudem mit einem Portefeuille von mehr als 700 Milliarden Dollar der größte Halter von amerikanischen Staatsanleihen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          An den Devisenmärkten spielte der Vorstoß laut Devisenhändlern aber keine größere Rolle; das Geschehen wurde vielmehr von den Plänen der amerikanischen Regierung zum Ankauf toxischer Wertpapiere geprägt. Von amerikanischer Seite gab es zu dem am Montag veröffentlichten Aufsatz des chinesischen Zentralbankgouverneurs Zhou Xiaochuan zunächst keine Stellungnahme. Schon Mitte März hatte sich der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao besorgt über die Wertbeständigkeit der chinesischen Dollar-Engagements gezeigt. Ein Sprecher von Präsident Barack Obama hatte daraufhin versichert, dass Anlagen in Dollar die sicherste Anlage der Welt seien.

          Rolle der Sonderziehungsrechte soll ausgebaut werden

          Beide Länder hängen aufgrund großer Waren- und Finanzströme stark voneinander ab, was bisweilen zu Spannungen führt: Um ihr Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren, sind die Vereinigten Staaten auf chinesisches Kapital angewiesen; China benötigt es wiederum für seinen Export auf den großen amerikanischen Markt. Offensichtlich um Verstimmungen vorzubeugen, bekräftigte die Vizegouverneurin der chinesischen Zentralbank am Montag, China bleibe bereit, amerikanische Staatsanleihen anzukaufen.

          In seiner Analyse führt Zhou die aktuelle Krise auf „Verwundbarkeiten“ des derzeitigen Weltwährungssystems zurück. Um die Waren- und Finanzmärkte robuster gegen Verwerfungen zu machen, solle eine internationale Reservewährung geschaffen werden, die von einzelnen nationalen Währungen unabhängig sei. Ohne dies ausdrücklich zu erwähnen, kritisierte Zhou damit die Rolle des amerikanischen Dollar, der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Weltleitwährung dient.

          Als ersten Schritt, um eine solche supranationale Reservewährung zu schaffen, fordert Zhou Xiaochuan, die Rolle der Sonderziehungsrechte (SZR) des Internationalen Währungsfonds (IWF) auszubauen. Die SZR sind eine Art Kreditlinie, die Staaten ziehen können, um sich Devisen zu verschaffen. Ursprünglich entsprach ein SZR 0,888671 Gramm Gold. Heutzutage wird der Wert des SZR aus einem Währungskorb berechnet, in dem sich Euro, Yen, Dollar und Pfund befinden. Derzeit entspricht ein SZR rund 1,50 Dollar. Nach den Vorstellungen der chinesischen Zentralbank sollen die SZR künftig nicht nur zwischen Regierungen und internationalen Einrichtungen benutzt werden, sondern auch als Zahlungsmittel im Welthandel und bei Finanzgeschäften.

          Neue Reservewährung soll vom IWF verwaltet werden

          Die neue Reservewährung soll laut Zhou vom Internationalen Währungsfonds (IWF) als einer unabhängigen und in der ganzen Welt respektierten Körperschaft verwaltet werden. Es sei daran zu denken, dass die Mitgliedstaaten Teile ihrer Devisenreserven dem IWF als SZR anvertrauten, schreibt der Notenbankchef. Auf diese Weise werde das Weltfinanzsystem weniger anfällig für Auswüchse wie die gegenwärtige Krise.

          Zunächst müsse man das System der SZR aber erweitern. Dazu gehöre zum Beispiel die Einführung von Vermögenswerten, die auf SZR lauten. Zhou begrüßte, dass der IWF die Ausgabe von entsprechenden Wertpapieren prüfe. Zwischen den Zeilen befürwortet Zhou, den chinesischen Yuan in den Währungskorb aufzunehmen. Unabhängig von diesen Plänen dürfte die chinesische Regierung auf dem Weltgipfel Anfang April fordern, die Rolle des IWF als Überwachungsinstanz nationaler – auch der amerikanischen – Politik zu stärken.

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