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Vor dem Krisengipfel : Die Welt giert nach Öl

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Der Irak will künftig mehr Öl fördern Bild: dpa

Kurz vor Beginn des Öl-Krisengipfels im saudiarabischen Dschidda setzen die Verbraucherländer die Opec-Staaten unter Druck. Wirtschaftsminister Michael Glos fordert die erdölexportierenden Länder auf, ihre Fördermenge zu erhöhen: „Wir brauchen schnell mehr Öl auf dem Weltmarkt, um die Preisspirale an den Zapfsäulen endlich zu stoppen.“

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          Kurz vor Beginn des Öl-Krisengipfels im saudiarabischen Dschidda an diesem Sonntag setzen die Verbraucherländer die Opec-Staaten unter Druck. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) forderte die erdölexportierenden Länder auf, ihre Fördermenge zu erhöhen. „Wir brauchen schnell mehr Öl auf dem Weltmarkt, um die Preisspirale an den Zapfsäulen endlich zu stoppen. Dafür werde ich in Dschidda kämpfen“, sagte Glos.

          Die Preisentwicklung belastet zu Beginn der Feriensaison die Autofahrer, die nach Einschätzung von Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise mit einem Benzinpreis von über 1,60 Euro je Liter rechnen müssen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor Konsequenzen für die ganze Welt. Die Preise für Rohstoffe, speziell für Energie und Nahrung, hätten inzwischen ein Niveau erreicht, auf dem sie zur Gefahr für die Stabilität der Weltwirtschaft würden, sagte der Vizechef des IWF, John Lipsky.

          Saudi-Arabien fördert nahe an der Kapazitätsgrenze

          Besonders dramatisch ist der hohe Ölpreis für arme Länder, die auch überproportional darunter leiden, dass Nahrungsmittel teurer geworden sind. Deren Preise hatten sich zuletzt parallel zum Ölpreis entwickelt. Arme Länder wie Pakistan haben um Zahlungsaufschub für ihre Ölrechnungen gebeten. Marokko hat von Saudi-Arabien und den Vereinten Arabischen Emiraten einen 800-Millionen-Dollar-Kredit bekommen, um Öl und Nahrungsmittel zu bezahlen. China kürzte die staatlichen Subventionen für Benzin, so dass die Preise um bis zu 25 Prozent stiegen. Das Land kann es sich nicht länger leisten, den Treibstoff für seine Bevölkerung künstlich zu verbilligen. Ähnliche Schwierigkeiten teilen die meisten Aufsteigerländer.

          Obwohl Saudi-Arabien angekündigt hat, seine Tagesproduktion auszuweiten, kam es zu keiner Entspannung. Das Land galt lange als der einzige Ölexporteur der Welt, der noch über mobilisierbare Reservekapazitäten verfügt, um schnell mehr Öl zu liefern. Doch das Land fördert inzwischen nahe an der Kapazitätsgrenze.

          Irak kündigt Ausbau der Ölförderung an

          Die Ankündigung des Iraks, seine Förderkapazitäten stark auszuweiten, wirkt nur mittelfristig. „Wir haben die Nachfrage, wir haben die Reserven, und wir haben jetzt auch das Geld, die Ölförderung mittelfristig um vier Millionen Barrel pro Tag zu erhöhen“, sagte der führende Ölberater des Ministerpräsidenten, Thamer al-Ghadban, dem Magazin „Der Spiegel“. Zur Zeit fördert das Land 2,5 Millionen Barrel am Tag.

          Die Verteuerung des Öls ist nicht nur Folge der Preispolitik der Opec-Länder und der kräftig gestiegenen Nachfrage durch China und Indien, sie reflektiert auch die zunehmenden Schwierigkeiten, Öl günstig zu erschließen. Laut IWF kostet die Erschließung und Entwicklung neuer Felder zehn Dollar je Fass (159 Liter); im Jahr 2000 war der Preis halb so hoch.

          Ölgesellschaften in der ganzen Welt, die von den hohen Preisen profitieren, investieren in die Exploration. Aber es springt dabei weniger heraus als früher. Die neuen Vorkommen sind kleiner, in schwer erreichbaren Regionen oder tief unten im Meer.

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