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Vor dem Klimagipfel : Coca-Cola, Shell und Eon für mehr Klimaschutz

Die Unternehmen fordern robuste Ziele für die Energie- und Klimapolitik. Bild: dpa

Welch eine ungewöhnliche Allianz: Vor dem Klimagipfel der EU erhöhen 57 Konzerne den Druck auf die Staats- und Regierungschefs, sich auf schärfere Klimaziele zu einigen. Darunter sind auch Coca Cola, Shell und Eon.

          Wenn das keine ungewöhnliche Koalition ist: Coca-Cola, Shell und Eon in einem Boot für den Klimaschutz. Vor dem EU-Klimagipfel an diesem Donnerstag wächst der Druck auch aus der Wirtschaft auf die EU-Staats- und Regierungschefs, sich auf schärfere Klimaziele zu einigen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          57 europäische Konzerne und Organisationen mit zusammen 4,5 Millionen Beschäftigen  appellierten am Mittwoch an den EU-Rat sich auf „robuste“ Ziele für die europäische Energie- und Klimapolitik bis 2030 zu einigen. Darunter sind Energiekonzerne wie Shell, EDF aus Frankreich, Eon  und der Branchenverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft BDEW, aber auch der Möbelgigant Ikea, der Brausekonzern Coca-Cola, der Elektronikanbieter Philips,  der Technologieriese GE, der Nudelproduzent Barilla oder der Pharmariese Glaxo-Smith-Kline.

          Die FAZ.NET vorliegende Erklärung nennt zwar keine konkreten Ziele. Sie verlangt aber eine Strategie für die Energieversorgungssicherheit, „die in Übereinstimmung mit den langfristigen Klimazielen Europas steht“ und die zur Verabschiedung eines Weltklimavertrages Ende nächsten Jahres in Paris führen könne. Ferner verlangen die Unternehmen „zügig Strukturreformen im europäischen Emissionshandel“.

          Die Energiewirtschaft will Planungssicherheit

          Übersetzt in Zahlen dürfte das etwa den Maximalforderungen entsprechen, mit denen beispielsweise die deutsche Regierung in die Gespräche geht: So soll der Kohlendioxidausstoß bis 2030 (gegenüber 1990) um 40 Prozent sinken, der Anteil erneuerbarer Energien auf 30 Prozent steigen, der Einsatz von Energien ebenfalls bis 2030 um 30 Prozent effizienter werden – zumindest in der EU. Wie sich das auf die einzelnen Staaten aufteilt, muss dann noch festgelegt werden.

          Auch der Emissionshandel, das marktwirtschaftliche Instrument zur Begrenzung der klimaschädlichen Gasemissionen, soll reformiert  werden. Durch Einführung einer „Reserve“ von zwei Milliarden Zertifikaten, was zwei Milliarden Tonnen CO2 entspricht, erhofft man Preissteigerungen an der Börse auszulösen und auf die Art Anreize für klimafreundliche Investitionen. Ob das gelingt, wird von Ökonomen wie Ottmar Edenhofer vom Weltklimarat aber bezweifelt. 

          Ferner sind in Brüssel weitere Einschränkungen der Emissionen für die Landwirtschaft und den Verkehrssektor, die nicht in den Emissionshandel einbezogen sind, im Gespräch. Geplant sind darüber hinaus neue Hilfen für Staaten denn der Übergang in eine möglichst kohlearme Energieerzeugung leichter gemacht werden soll, wie zum Beispiel Polen.

          Umweltgruppen verlangen seit langem eine Schärfung des europäischen Klimaziels, das bisher vorsieht, die Emissionen bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren. Deutschland plant bis dahin eine Minderung des CO2-Ausstoßes um 40 Prozent, bis 2030 sogar um 55 Prozent. Anders als die Energiewirtschaft, die Planungssicherheit verlangt und den Emissionshandel wiederbeleben will, fürchten andere Teile der Wirtschaft  neue Belastungen und Nachteile im internationalen Wettbewerb, wenn die europäischen Klimaziele und der Emissionshandel verschärft werden.

          Vertreter energieintensiver Industrien fehlen denn auch auf der Liste der 57 Konzerne und Verbände, die sich wegen verzögerter Anpassungen an den Klimawandel „tief besorgt“ äußern über die „Kosten, Risiken und Auswirkungen auf unsere Geschäftsfelder, Lieferketten, Beschaffungskosten und die Gesellschaft als ganzes“.

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