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Die Briten stimmen ab : Die Schlussoffensive der britischen Chefs

Big Ben hinter britischen Fahnen: Am Donnerstag schlägt eine große Stunde für das Vereinigte Königreich - so oder so. Bild: Reuters

Am Tag vor dem Volksentscheid auf der Insel bekundet eine Phalanx britischer Manager und Unternehmer ihre Unterstützung für die EU. Wird ihr Appell Wirkung zeigen? Ein Beispiel gibt es schon.

          Die Botschaft der Manager ist unmissverständlich: „Die Mitgliedschaft in der EU ist gut für die Wirtschaft und gut für britische Arbeitsplätze“, heißt es in einem offenen Brief, den insgesamt 1285 britische Manager und Unternehmer unterzeichnet haben.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Einen Tag vor dem mit Spannung erwarteten Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der EU zeigt die Wirtschaft damit noch einmal klar Flagge. Der Ausgang des Urnengangs steht auf Messers Schneide: Aktuellste Wählerumfragen deuten auf einen nur hauchdünnen Vorsprung der EU-Befürworter hin.

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          Unterstützt wird die Schlussoffensive der britischen Wirtschaft von 51 der 100 größten Börsenkonzerne auf der Insel, darunter Vorstands- und Verwaltungsratschefs von BAE Systems, Barclays, BP, Easyjet, Glaxo Smith Kline, HSBC, Rolls-Royce, Shell und Unilever. Unterschrieben haben aber auch viele mittelständische Unternehmer, darunter Milchbauern aus Devon und Whiskybrenner aus Schottland. Zusammen beschäftigen die pro-europäischen Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 1,7 Millionen Mitarbeiter.

          Auch die englischen Profifußballclubs haben diese Woche für die EU geworben: „Die Liga steht für Offenheit. Es wäre komplett unpassend, wenn wir eine dazu völlig andere Position vertreten würden“, sagte Liga-Boss Richard Scudamore im Radioprogramm der BBC. In der Premier League gibt es Befürchtungen, dass es für die englischen Vereine nach einem Austritt schwerer werden würde, Spieler aus dem europäischen Ausland zu verpflichten.

          Die wirtschaftlichen Vorteile der EU für Großbritannien waren im Wahlkampf das wichtigste Argument der Pro-Europäer. Vor allem Regierungschef David Cameron und sein Finanzminister George Osborne haben wieder und wieder auf die wirtschaftliche Bedeutung des europäischen Bundes verwiesen - und auf die ökonomischen Risiken eines „Brexit“. Die EU-Gegner haben dagegen versucht, diese Wahlkampftaktik als Angstkampagne („project fear“) zu diskreditieren.

          Die anderen EU-Staaten sind der mit Abstand wichtigste Handelspartner der Briten. Viele Manager fürchten im Falle des Austritts um den freien Zugang zu den kontinentaleuropäischen Märkten. Wird der Appell der Chefs Wirkung zeigen? Die Pro-Europäer in Großbritannien hoffen auf einen ähnlichen Effekt wie während des schottischen Unabhängigkeitsreferendums im Herbst 2014. Auch damals hatte - kurz vor dem Wahltermin - eine Phalanx von britischen Wirtschaftsführern die Schotten vor einem Votum für die Unabhängigkeit gewarnt. Am Ende stimmte eine Mehrheit für den politischen Status Quo.

          FAZ.NET-Umfrage

          Doch vor dem Brexit-Referendum gibt es auch Widerspruch aus den eigenen Reihen: Zur Minderheit der EU-Gegner in der britischen Wirtschaft zählt der Staubsaugerhersteller James Dyson. In einem Gastbeitrag für die Zeitung „The Times“ appellierte der Milliardär an diesem Mittwoch, das Referendum sei „die letzte Chance, um die Kontrolle über unsere Zukunft zurückzugewinnen.“ Früher war Dyson dagegen ein energischer Unterstützer der EU. Es wäre „selbstmörderisch“, wenn Großbritannien nicht der Europäischen Währungsunion beitrete, hat der Unternehmer vor sechzehn Jahren argumentiert.

          Auch in Deutschland blicken viele Manager mit Sorge auf das Referendum: Einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo zufolge fürchten 38 Prozent der Befragten aus dem verarbeitenden Gewerbe negative Auswirkungen durch einen Brexit für ihr eigenes Unternehmen. Besonders groß sind die Befürchtungen in der deutschen Auto- und Elektroindustrie. 61 Prozent der Manager sehen dagegen keine negativen Effekte durch einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens. Ein Prozent hielte den Brexit für vorteilhaft.

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