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Vor dem Amtseid : Welche Wirtschaftspolitik plant Trump?

Ein Plus von 3,6 Prozent im kommenden Jahr erwarten die Bank-Volkswirte, später könne es noch mehr werden. Sie bleiben nicht allein: Der Internationale Währungsfonds hat die Wachstumsprognose für die Vereinigten Staaten ebenfalls nach oben korrigiert, wenn auch deutlich zurückhaltend. Und die Weltbank nähert sich mit im günstigsten Fall 2,9 Prozent Wachstum für 2018 schon dem Trumpschen Versprechen.

Ein wichtiger Grund ist der Stimmungsumschwung in der amerikanischen Wirtschaft seit der Wahl. Nicht nur die Zuversicht der Konsumenten ist geradezu dramatisch gestiegen, auch die Inhaber von kleinen Unternehmen sind seit der Wahl viel optimistischer. Bei Konsumenten bedeutet gute Laune, dass sie kauffreudiger sind. Unternehmer neigen stärker zu Investitionen. Trump hat schon wirtschaftliche Erfolge, ohne in Amt und Würden zu sein.

Wachstumspotential liegt in drei Reformankündigen

Für sich genommen bergen vor allem drei von Trumps Reformankündigungen Wachstumspotential: die versprochene Steuerreform einschließlich der Rückführung amerikanischer Auslandsgewinne, die zugesagte Modernisierung der maroden Infrastruktur und eine durchgreifende Deregulierung der amerikanischen Volkswirtschaft, die auf Trumps Agenda ganz oben steht. Die Energiewirtschaft hofft, dass Trumps Chef-Entbürokratisierer Carl Icahn Umweltauflagen schleift. Unternehmer hoffen, von Obamacare befreit zu werden, das viele als bürokratisches Ungetüm wahrnehmen.

Die Deutsche-Bank-Ökonomen erwarten gerade von der Deregulierung starke Effekte. Die meisten Ökonomen über die politischen Lager hinweg loben ferner Trumps Ambition, die Unternehmensbesteuerung zu vereinfachen. Die steuerliche Entlastung der Individualvermögen findet Zustimmung, wenn auch einige die Notwendigkeit in Zweifel ziehen. Das Infrastrukturprogramm schließlich könnte die Produktivität der amerikanischen Volkswirtschaft stimulieren.

Doch haben Trumps Programme ein fundamentales Problem, das mit ihrem Timing und ihrer Wirkung zusammenhängt. Es gilt der Grundsatz, dass die Wirtschaft stimulierende Programme genau und höchstens dann braucht, wenn sie kriselt. Das tut sie, sagt Trump unaufhörlich entgegen der Empirie. Amerikas Wirtschaft blüht vielleicht nicht, aber sie bewegt sich nahe der Vollbeschäftigung mit einer Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent.

Kurzfristiger Stimulus könne sogar gefährlich sein

Das führt Janet Yellen zur brutalen Analyse, dass die Vereinigten Staaten aktuell schlicht keinen kurzfristigen Stimulus gebrauchen, er könnte sogar gefährlich sein, wie der Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Maurice Obstfeld, zeigt: Wenn Trumps Fiskalpolitik die Gesamtnachfrage bei Vollbeschäftigung befeuert, dann droht vor allem eins zu wachsen: die Inflation. Die Fed würde mit Leitzinssteigerungen die Preisentwicklung einzudämmen trachten mit der Folge, dass das Wachstum abgeschwächt, das Haushaltsdefizit aufgebläht und der Dollar aufgewertet würde. Damit hätte Trump bewirkt, was er verhindern wollte. Schwaches Wachstum, wachsende Staatschulden und die Lücke in der Leistungsbilanz würde weiter wachsen, weil Importe günstiger und Exporte teurer würden.

Das wäre der Moment, in dem Trumps Instinkte nach Protektionismus zum Schutze von Amerika schreien würden. Es wäre die Stunde der Trumpschen Strafzölle. Republikaner hatten vergeblich versucht, Trump eine Unternehmensteuersystematik schmackhaft zu machen, die Importe besteuert und Exporte von Steuern befreit, um den Freihandel zu retten. Es hat nicht geklappt. Die Trumpschen Strafzölle würden fast zwangsläufig gekontert. Die Folge wäre ein Handelskrieg, den alle Beteiligten auf der Welt verlören.

Das Riskanteste an Trump sei nicht seine Wirtschaftspolitik, sagt der Ökonom Justin Wolfers. Das Riskanteste sei sein Temperament.

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