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Von „All-Nighter“ bis „Vollzeitvater“ : Unwörter, die Karriere machen

Sieben Wörter, die wir schon viel zu oft gelesen haben.

          2 Min.

          All-Nighter

          Darf sich derjenige anheften, der die Nacht durchgearbeitet hat, um den entscheidenden Vertragsentwurf oder die entscheidende Präsentation vorzubereiten, die Millionen in die Kasse des Arbeitgebers spült. Anerkannter Titel in Investmentbanking-, Anwalts- und Unternehmensberaterkreisen. Inzwischen etwas in Verruf, nachdem All-Nighter den nächsten Morgen nicht mehr erlebten.

          Glucke

          Judith Lembke
          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Frau, die ihren Job an den Nagel gehängt hat, damit ihre Kinder nicht der Folter der Fremdbetreuung ausgesetzt werden. Verabscheut Fertiggläschen, lässt sich jedes Jahr wieder zur Elternsprecherin wählen und fährt ihre Kinder auch noch mit 16 zum Klavierunterricht. Rächt sich für die Lästereien von Rabenmüttern mit selbstgebackenen Apfelkleie-Dinkelkeksen.

          Herdprämie

          Rot-grünes Synonym für Betreuungsgeld, bei dem Eltern Geld dafür bekommen, dass sie ihr Kind in keine staatliche Betreuungseinrichtung geben. Ungefähr so sinnvoll, als würde man Fahrradfahrern dafür Geld geben, dass sie keine Autobahnen benutzen. Erfindung der schwarz-gelben Koalition.

          Latte-macchiato-Mutter

          Großstädterin mit Kleinkind, 1000-Euro-Kinderwagen und Röhrenjeans, die ihre Elternzeit mit ihren Freundinnen (auch mit Kleinkind, teurem Kinderwagen - mit Kaffeehalter - und knallengen Hosen) milchkaffeetrinkend in angesagten Cafés verbringt. Wird negativ von denen verwendet, die es ablehnen, dass junge Mütter ihre Zeit nicht produktiv nutzen und auf Kosten des Staates und ihres (meist gutverdienenden) Mannes ein vermeintlich schönes Leben führen.

          Rabenmutter

          Sitzt nicht in Cafés, sondern acht Wochen nach der Entbindung wieder am Schreibtisch. Das Kind ist in der Zeit entweder bei einer Kinderfrau oder in der Krippe, auf jeden Fall „fremdbetreut“. Später wird sie das Laternenbasteln im Kindergarten wegen einer Dienstreise verpassen und zum Elternabend den Vater - oder noch schlimmer: das Au-pair - schicken. Für bastelnden Kindergarten-Mamis das Feindbild Nummer eins.

          Nine-to-five-Job

          Inbegriff der beruflichen Langeweile, zumindest in der Ideologie der Unternehmensberater, Werbefuzzis und anderer selbsternannter Leistungsträger. Nur wer 14 Stunden arbeitet und sich abends im Büro von Pizzabotenpizza ernährt, macht etwas Sinnvolles aus seinem Leben. Wer drei Stunden Zeit für seine Nachkommen reserviert, kann gleich aufs Amt gehen und den Ärmelschoner-Pulli anziehen.

          Vollzeitvater

          Wesen, das meist Vollbart trägt, weil es selten Kunden oder Kollegen begegnet, die es für sein Aussehen schelten könnten. Kennt anders als seine Frau alle Strophen von „Zehn kleine Indianer“ und weiß, um wie viel Uhr man im kinderfreundlichen Café einen Sitzplatz findet. Dreht das klassische Geschlechtermodell um: Nun ist er es, der sich beschwert, warum in Teilzeit keine Karriere möglich ist.

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