https://www.faz.net/-gqe-7uo2i

Volle Mehrwertsteuer : Steuerschreck beim Saunagang

Saunieren wird teurer Bild: Fricke, Helmut

Für Saunabesuche war bislang nur der ermäßigte Mehrwertsteuersatz fällig. Ab dem kommenden Jahr soll eigentlich der volle Satz gelten. Aber die Branche läuft dagegen Sturm.

          1 Min.

          Der Saunabesuch dürfte in vielen Fällen teurer werden. Statt 7 Prozent werden künftig 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Das haben Bund und Länder schon festgezurrt. Nach massiven Protesten aus der Branche gibt es nun Gespräche, den Termin für den Übergang zum Normalsteuersatz um ein halbes Jahr zu verschieben. Statt im Winter käme der Steuerschreck dann Mitte 2015.

          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Wie ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums auf Nachfrage bestätigte, haben Bund und Länder auf Arbeitsebene entschieden, ein Urteil des Bundesfinanzhofs zum ermäßigten Umsatzsteuersatz auf Saunen aus dem Jahr 2005 künftig allgemein anzuwenden. Damit werden nur noch Maßnahmen als Heilbäder ermäßigt besteuert, die ärztlich verordnet werden können.

          Der Bundesfinanzhof hatte die Praxis verworfen, wonach Saunabesuche grundsätzlich als Heilbäder ermäßigt zu besteuern sind. Nach den Vorgaben des europäischen Rechts müsse die Verabreichung eines Heilbades der Behandlung einer Krankheit oder einer anderen Gesundheitsstörung dienen, heißt es zur Begründung. Die Branche läuft Sturm gegen die absehbare Mehrbelastung. „16,3 Millionen Besucher öffentlicher Saunabäder würden bei Anwendung des Regelsteuersatzes mit einer Preiserhöhung von 12 Prozent belastet. Viele Besucher müssten dann das Saunabaden aufgeben oder größere Besuchsintervalle eingehen“, warnen die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen und der Deutscher Sauna-Bund. Die gesundheitspolitischen Besuchszwecke des Gesetzgebers würden konterkariert. Sie verweisen auf eine Befragung von Saunagängern, nach der 74,2 Prozent der Besucher damit einer Erkältung vorbeugen wollten und 13,6 Prozent auf Schmerzlinderung hofften.

          Bilderstrecke
          Vom Maulesel zum Hüftgelenk : Wofür gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz

          Da die Steuererhöhung viele Menschen treffen wird und entsprechend unpopulär ist, sind die Finanzministerien von Bund und Ländern unter Druck geraten. Nachdem eigentlich schon geklärt schien, dass die Änderung zum 1. Januar 2015 in Kraft treten wird, heißt es nun: „Ob eine Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt in Betracht kommt, wird zurzeit geprüft.“

          Die Bäderbetriebe warnen vor einer Vernichtung der halben Branche. „Etwa 50 Prozent der in Deutschland bestehenden 2150 öffentlichen Saunabäder gerieten in Existenznot.“ Ein Ausgleich der Steuererhöhung sei aufgrund der enorm hohen Energiekosten in den Bädern nicht möglich. Eine Weitergabe der Umsatzsteuererhöhung an die Besucher würde zu großen Kundenverlusten führen. Davon wären besonders 650 kleinere privatwirtschaftliche Saunabäder betroffen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Griechenland, Türkei, Italien : Mittelmeerländer kämpfen gegen Waldbrände

          Tausende Einsatzkräfte, evakuierte Dörfer und mindestens sechs Tote: Nach einer Hitzewelle sind die Großbrände rund ums Mittelmeer noch nicht alle unter Kontrolle. Auf Sizilien ist die Lage besonders ernst. Russland schickt der Türkei dringend benötigte Löschflugzeuge.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.