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Verwirrung um neuen Biokraftstoff : Einführung von E10 wird nicht gestoppt

  • Aktualisiert am

Zapfpistolen der Kraftstoffsorten Super und Super E10 Bild: dapd

Die Einführung des Biokraftstoffs E10 wird doch nicht gestoppt: Der Vertrieb laufe weiter, lediglich die Raffinerieproduktion werde angepasst, teilt der Mineralölwirtschaftsverband mit. Dessen Hauptgeschäftsführer hatte einen Stopp angekündigt, den Umweltminister Röttgen scharf kritisierte.

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          Die Einführung der neuen Benzinsorte E10 wird nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes nicht gestoppt. Es gebe keinen Rückzug, der Vertrieb laufe weiter, lediglich die Raffinerieproduktion werde angepasst, teilte der Verband am Donnerstag mit. Nach den massiven Absatzproblemen mit dem neuen Biosprit hatte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Klaus Picard, angekündigt, die Einführung zu stoppen. „Das System platzt sonst“, sagte er am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf Versorgungsengpässe bei anderen Benzinsorten, die wegen des Käuferstreiks bei E10 verstärkt getankt werden.

          Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will nun zeitnah alle Beteiligten zu einem „Benzin-Gipfel“ einladen. „Fakt ist, dass die Verbraucher völlig verunsichert sind“, sagte er am Donnerstag in Berlin. Brüderle verlangt Aufklärung. „Ich halte es daher für entscheidend, dass die Beteiligten, insbesondere die Automobil- und die Mineralölwirtschaft, die Atempause bei der Umstellung auf E10 nutzen, um bei den Verbrauchern für absolute Klarheit zu sorgen.“ Die Industrie müsse der Regierung ihre weiteren Schritte erläutern. Der genaue Termin für das Spitzentreffen steht noch nicht fest.

          Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat die Ankündigung eines vorläufigen Stopp der Einführung scharf kritisiert. „Das Durcheinander, das die Mineralölwirtschaft hier veranstaltet, ist nicht akzeptabel“, sagte Röttgen am Donnerstag in Berlin. „Es führt zu einer vollständigen Verunsicherung der Verbraucher.“ Die Mineralölindustrie sollte sich endlich eine vernünftige Strategie überlegen, „statt jeden Tag widersprüchliche und verwirrende Botschaften auszusenden“.

          Das Problem mit dem neuen Sprit E10 mit zehn Prozent Bio-Ethanol-Anteil spitzt sich seit einigen Tagen zu. Super soll nach den neuen Vorschriften nach und nach komplett von E 10 ersetzt werden. Und eigentlich könnten 90 Prozent aller Benziner auch E10 tanken, doch nur ein Bruchteil der Autofahrer macht es. Die meisten meiden das neue Produkt und nutzen die verbleibende Alternativen - das ist Super Plus mit 98 Oktan. Die Folge: Die Raffinerien und Tankstellen bleiben auf dem E10 sitzen, und das stärker begehrte Super Plus wird vielerorts knapp.

          Wissen die Menschen, ob ihre Autos E10 vertragen?

          Die Benzinbranche ist gesetzlich verpflichtet, das neue E10 unters Volk zu bringen. Es soll weniger klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) freisetzen. Bleibt E10 aber ein Ladenhüter, drohen der Branche Strafzahlungen. Wenn die Branche die Vorgaben der Politik nicht erfüllt, sind Strafzahlungen fällig. Bei jedem statt E10 verkauften Liter sind dies zwei Cent. Zahlen müssten das die Autofahrer - denn die Strafe würde auf den Preis aufgeschlagen.

          Bisher wurde E10 bei knapp der Hälfte der bundesweit 15.000 Tankstellen eingeführt - vor allem im Osten und Süden des Landes. Mit einem eindringlichen Appell an die Autofahrer hatte die Mineralölwirtschaft am Mittwoch zum Umstieg auf den neuen Bio-Supersprit E10 aufgerufen. Picard rief die Autofahrer auf, das neue Super-Benzin E10 mit einer Beimischung von zehn Prozent Ethanol zu tanken. Zudem sollen die Informationen an Tankstellen besser werden, damit Fahrer wissen, ob ihre Autos E10 vertragen. Nach neuen Berechnungen vertragen 93 Prozent der in Deutschland angemeldeten Autos E10, von den deutschen Fabrikaten sogar 99 Prozent.

          Für Landwirte ist die Kraftstoffbranche ein Geschäftsfeld

          Aus Sicht von Bauernpräsident Gerd Sonnleitner ist die Branche selber mit schuld daran, dass es so viele E10-Muffel gibt. Es sei kein Wunder, dass viele Autofahrer nicht wüssten, ob ihr Auto E10 verträgt, erklärten er und der Chef des Bundesverbands der deutschen Bioethanolwirtschaft, Norbert Schindler. „Der Verweis auf die nur im Internet verfügbare E10-Verträglichkeitsliste der Deutschen Automobil Treuhand DAT ist für die Verbraucherinformation völlig unzureichend.“ Die Liste müsse an jeder Tankstelle ausliegen, forderten die beiden.

          Schindler ist Vizepräsident im Bauernverband. Für Landwirte ist die Kraftstoffbranche ein Geschäftsfeld: Die zehn Prozent Ethanol in E10 werden etwa aus Weizen, Rüben oder Mais gewonnen. Auch dem herkömmlichen Super und Super Plus werden Bio-Ethanol beigemischt, jedoch nur fünf Prozent. Daher heißen die alten Spritsorten auch E5.

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