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Versorger : Eon steigt in die sibirische Erdgasförderung ein

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nach der BASF kommt nun endlich auch der Eon-Konzern mit dem geplanten Einstieg in die Erdgasförderung in Rußland voran. Mit dem russischen Gasproduzenten Gasprom hat Eon einen Rahmenvertrag unterzeichnet.

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          Nach der BASF kommt nun endlich auch der Eon-Konzern mit dem geplanten Einstieg in die Erdgasförderung in Rußland voran. Mit dem russischen Gasproduzenten Gasprom wurde am Dienstag ein Rahmenvertrag über den Tausch von Beteiligungen unterzeichnet, gab der Düsseldorfer Energiekonzern am Donnerstag bekannt.

          Demnach wird sich Eon mit 25 Prozent minus einer Aktie am sibirischen Erdgasfeld Yushno Russkoje beteiligen. Im Gegenzug erhält Gasprom Beteiligungen von jeweils 50 Prozent minus einer Aktie an den dem ungarischen Öl- und Gaskonzern Mol abgekauften Erdgasgesellschaften, die in Ungarn ein ähnliches Gewicht haben wie Ruhrgas in Deutschland. Außerdem wird Gasprom mit 25 Prozent plus einer Aktie am ebenfalls im Land bedeutenden regionalen Strom- und Gasversorger Eon Hungaria beteiligt. Gasprom wird einen nichtbezifferten finanziellen Wertausgleich erhalten und von Fall zu Fall eine Investitionspartnerschaft angeboten bekommen, wenn Eon in Europa neue Erdgaskraftwerke baut.

          Einigung im „Ghana-Deal“

          In den zurückliegenden Wochen erzielten die Spitzen beider Konzerne - Wulf Bernotat und Burckhard Bergmann sowie Alexej Miller und dessen Vize Alexander Medvedev - eine wegen der gelegentlichen Treffen bei Weltmeisterschaftsspielen "Ghana-Deal" genannte Verständigung in sämtlichen bislang strittigen Fragen. Nach Angaben von Eon soll das Abkommen nach der Klärung noch offener Detailfragen im Vertragswerk bis zum Jahresende abgeschlossen werden.

          Eon erhält Zugang zu einem der größten Erdgasfelder der Welt
          Eon erhält Zugang zu einem der größten Erdgasfelder der Welt : Bild: picture-alliance/ dpa

          Fast auf den Tag vor zwei Jahren war im Juli 2004 in St. Petersburg eine Absichtserklärung über eine breitangelegte Zusammenarbeit vereinbart worden. Damals konzentrierte sich das Gasprominteresse auf den Bau einer Erdgaspipeline von Rußland durch die Ostsee nach Deutschland. Dagegen suchte Eon mit der 2004 noch jungen Tochtergesellschaft Ruhrgas zuvorderst Zugang zur russischen Erdgasförderung. Nachdem sich die Verhandlungspartner im ersten Jahr nicht näherten, holte Gasprom die BASF ins Boot. Im April 2005 wurde mit dem Ludwigshafener Chemiekonzern eine Absichtserklärung zu einer ähnlich breiten Partnerschaft unterschrieben.

          Eines der größten Erdgasfelder der Welt

          Konkret war bislang nur der Bau der Nordeuropäischen Gaspipeline NEGP. Über diesen in der ersten Baustufe 2,5 Milliarden Euro teuren Transportweg soll von 2010 eine Menge nach Westeuropa fließen, die knapp einem Drittel des deutschen Erdgasverbrauchs entspricht.

          An der NEGP-Gesellschaft, deren Aufsichtsratsvorsitzender Altkanzler Gerhard Schröder ist, sind Gasprom mit 51 Prozent, Eon und BASF mit jeweils 20 Prozent sowie die niederländische Gasunie mit neun Prozent beteiligt.

          Das aus deutscher Sicht begehrteste Projekt ist Yushno Russkoje in Westsibirien. Mit Reserven von mehr als 700 Milliarden Kubikmetern zählt es zu den größten Erdgasfeldern der Welt. Nach Angaben eines Eon-Sprechers ist die Aufnahme der Förderung Ende 2007 beziehungsweise Anfang 2008 geplant. Das dann über einen längeren Zeitraum vorgesehene Fördervolumen von jährlich 25 Milliarden Kubikmetern soll 2010 erreicht werden. Diese Menge entspricht dem Verbrauch von mehr als 10 Millionen Haushalten.

          Eon erreicht Zielquote beim Gas

          Erklärtes Ziel im Eon-Konzern ist es, rund 15 Prozent des Gaseinkaufs der Tochtergesellschaft Ruhrgas aus eigenen Vorkommen zu decken. Unter Berücksichtigung der Beteiligung an Yushno Russkoje werde diese Quote nun erreicht, erklärt das Unternehmen. Bisher machen die Engagements in der britischen und norwegischen Nordsee nur rund fünf Prozent aus. Auch wenn die Vermarktung des russischen Gases im vollen Umfang bei Gasprom bleiben wird, bezeichnet Eon das eigene Engagement und das von BASF an der NEGP und dem neuen Feld als einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Versorgungssicherheit am europäischen Erdgasmarkt.

          Über zwei Jahre kamen die Verhandlungen zwischen Gasprom und Eon wegen zum Teil unterschiedlicher Auffassungen zu den Beteiligungszielen und -werten nicht voran. Eon ist nicht bereit, der Gasprom Zugang zur Obergesellschaft und zu darunter angesiedelten Spartenführungsgesellschaften zu gewähren.

          Gasprom dagegen beharrt darauf, daß man westliche Unternehmen nur dann in die russische Erdgasförderung einbinden will, wenn der Gasproduzent im Gegenzug Zugang zu den westlichen Vertriebsmärkten erhält. Das führte dann zwischenzeitlich zu einer Verständigung auf Beteiligungen in Ungarn. Zuletzt mußten große Unterschiede in der Bewertung des Gasfeldes und der ungarischen Energiegesellschaften überbrückt werden.

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