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Versicherungen : Private Krankenversicherungen werden teurer

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Die privaten Krankenversicherungen werden als Folge der gestiegenen Lebenserwartung teurer. Der Verband der privaten Krankenversicherung rechnet damit, daß sich die Beiträge zwischen 0,5 und 2,0 Prozent erhöhen werden.

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          Die privaten Krankenversicherungen werden als Folge der gestiegenen Lebenserwartung teurer. Der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) in Köln rechnet damit, daß sich - abhängig vom jeweiligen Tarif, dem erreichten Alter und auch differenziert nach einzelnen Anbietern - die im Neugeschäft zu fordernden Beiträge in der Regel zwischen 0,5 und 2,0 Prozent erhöhen werden. Die Beitragssteigerungen für bereits bestehende Krankenversicherungen dürften sich nach Vermutung des Verbandes zumeist zwischen 2 und 4 Prozent bewegen. Es könne jedoch, abhängig von bestimmten Umständen, auch zu stärkeren Erhöhungen kommen.

          Innerhalb von nur drei Jahren hat sich die Lebenserwartung neugeborener Jungen in Deutschland von 80,8 auf 83,0 Jahre und jene neugeborener Mädchen von 85,5 auf 86,8 Jahre erhöht. Das geht aus der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) speziell für private Krankenversicherer veröffentlichten neuen "Sterbetafel PKV 2004" hervor. Sie löst die "Sterbetafel PKV 2001" ab. Das neue Datenwerk ist für die privaten Krankenversicherer eine wichtige Richtgröße für die Sterbewahrscheinlichkeit. Deren Einfluß auf die Höhe der Beiträge ist allerdings weit geringer als der, der gewöhnlich von den allgemeinen Kostensteigerungen im Gesundheitswesen ausgeht.

          Wenn die privaten Krankenversicherer in ihrer Kalkulation von einer längeren Lebenserwartung als bislang ausgehen müssen, bedeutet das, daß deshalb die Beiträge steigen müssen. "Die Bafin geht davon aus, daß die neue Sterbetafel von den Krankenversicherungsunternehmen sowohl für den Bestand als auch für den Neuzugang unverzüglich eingeführt wird, sofern nicht Besonderheiten des Bestandes beziehungsweise von Teilbeständen noch vorsichtigere Annahmen erfordern", heißt es in der amtlichen Veröffentlichung der Aufsicht. Deshalb wird es im Neugeschäft wohl ziemlich rasch zu neu kalkulierten Tarifen kommen, vor allem, wenn auch andere Kalkulationsfaktoren eine Veränderung nahelegen. Beitragserhöhungen für bestehende Versicherungsverträge werden allerdings durch das gesetzlich geregelte Verfahren dafür gebremst. Zudem muß jeweils ein Treuhänder zustimmen, der darauf zu achten hat, daß die Belange der Versicherten ausreichend gewahrt sind. Das kann dazu führen, daß Beitragserhöhungen zeitlich gestreckt werden.

          Änderungen des Beitrags für einen Tarif sind nur möglich, wenn ein mindestens einmal jährlich vorzunehmender Vergleich der erforderlichen mit den kalkulierten Versicherungsleistungen eine Abweichung von mindestens fünf Prozent ergibt. Der Beitrag muß geändert werden, wenn die Abweichung mehr als zehn Prozent beträgt. Das heißt: Die Ergebnisse einer neuen Sterbetafel können erst dann kalkulatorisch berücksichtigt werden, wenn dies die Schadenentwicklung erlaubt. Zugleich wird daran deutlich, daß der Einfluß der gestiegenen Lebenserwartung auf die Höhe der Beiträge von anderen Einflußfaktoren überlagert wird.

          Größere Beitragsveränderungen könnte es geben, wenn in einem Tarif die Daten der "Sterbetafel PKV 2001" noch nicht oder noch nicht vollständig verarbeitet worden sind. Als die jetzt abgelöste Sterbetafel eingeführt wurde, war eine Übergangsfrist bis 2005 vorgesehen.

          Den Anstoß für die Ausarbeitung der neuen Sterbetafel hat der PKV-Verband gegeben. Denn es ist bekannt, daß die privat Krankenversicherten eine höhere Lebenserwartung aufweisen als der Durchschnitt der Bevölkerung und daß sich der Anstieg der Lebenserwartung fortgesetzt hat. Der PKV-Verband war der Auffassung, daß die in der "Sterbetafel PKV 2001" enthaltenen Sicherheiten nicht mehr ausreichend seien und die Ausarbeitung einer neuen Tafel notwendig sei.

          Wie die Bafin weiter mitteilte, hätten als Ausgangsdaten für die neue "Sterbetafel PKV 2004" die Todesfallstatistiken der PKV-Mitgliedsunternehmen der Jahre 1992 bis 2001 zur Verfügung gestanden. "Damit die neue Tafel auch in den kommenden Jahren hinreichend sichere Werte liefert, wurden die derzeit als ausreichend anzusehenden Werte um einen geeigneten Trendfaktor korrigiert", heißt es.

          "Die Bafin geht davon aus, daß die neue Sterbetafel unverzüglich eingeführt wird."

          Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

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