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Verseuchtes Futter : Bauern sind schwer belastet vom Dioxin-Skandal

  • -Aktualisiert am

Die durch das Futter mit Dioxin belasteten Hühner müssen von den Landwirten getötet und entsorgt werden Bild: REUTERS

Schäden von bis zu 30.000 Euro je Woche entstehen Bauern durch Umsatzeinbußen wegen geschlossener Höfe und „Freiproben“. Versicherer und Seuchenkassen zahlen nicht. Ob die Hersteller von Futtermittel das tun, ist unklar.

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          Der Skandal um dioxinhaltiges Futtermittel hat für die mehr als tausend betroffenen Landwirte schwerwiegende Auswirkungen. Weil ihre Höfe gesperrt wurden, leiden sie unter Umsatz- und Gewinneinbußen. Sie dürfen ihre Produkte nicht mehr verkaufen; zum Teil müssen Eier vernichtet und Tiere getötet werden. Hinzu kommen die Kosten für Proben auf Dioxin von mehreren Hundert Euro je Probe. Alle gesperrten Betriebe müssen sich "freiproben". Das heißt, sie müssen nachweisen, dass ihre Produkte den zulässigen Höchstgehalt für Dioxin nicht überschreiten. Im Zweifelsfall muss auch belastetes Futter entsorgt werden, ebenso Eier mit einem zu hohen Dioxingehalt oder getötete Tiere.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Der Deutsche Bauernverband beziffert den Schaden für einen gesperrten Betrieb auf 20.000 bis 30.000 Euro in der Woche. Der Verband will dafür sorgen, dass die Landwirte nicht auf diesen Kosten sitzen bleiben. Sie sollen sich mit ihren Schadensersatzforderungen direkt an ihren Futterlieferanten wenden, sagte Helmut Born, Generalsekretär des Verbands am Donnerstag. Eine Sprecherin des Bauernverbands verwies auf die Betriebshaftpflichtversicherung der Mischfutterbetriebe. Wolfgang Krüger, Referatsleiter Agrarrecht beim Bauernverband, rät den Landwirten, Beweise zu sichern und Schäden zu dokumentieren. Es werde sich zeigen, ob die Futtermittelwirtschaft zu einer außergerichtlichen Einigung bereit sei. Sonst müsse der Klageweg beschritten werden. Die Kreisverbände der Bauern würden nun stellvertretend für die betroffenen Landwirte mit den Verbänden der Futtermittelindustrie Gespräche führen, sagte Krüger.

          Futter nicht in Versicherungsschutz enthalten

          Einen speziellen Versicherungsschutz für Landwirte, die von dem verseuchten Dioxin betroffen sind, gibt es nicht. Die drei großen deutschen Tierversicherer R+V, Uelzener und LVM bieten ihren Kunden zwar Ertragsschadenpolicen an. Diese decken auch Schäden, die aus Betriebsunterbrechungen entstehen. Sie greifen aber nur in zuvor bestimmten Fällen: bei Tierseuchen, ansteckenden Tierkrankheiten oder allgemeinen Unfallrisiken, die beispielsweise durch den Ausfall von Heizungen in den Ställen verursacht werden können. "Abzüglich eines Selbstbehalts werden Höfe in solchen Fällen entschädigt, wenn sie den Betrieb vorübergehend einstellen müssen", erläuterte Theo Hölscher, Vorstandschef der Uelzener Versicherung, die ihren Schutz in einem Konsortium mit der VGH Hannover und den Sparkassenversicherern anbietet. Verunreinigte Futtermittel sind nicht in den Versicherungsschutz eingeschlossen. "Solche Fälle hat es bislang nicht gegeben. Wir prüfen aber, ob wir sie künftig mit in den Schutz einbeziehen", sagte eine Sprecherin des Marktführers R+V.

          Bauernverbandsgeschäftsführer Born sagte, die Futterproduzenten könnten ihre Ansprüche wiederum bei dem Fettproduzenten am Anfang der Futtermittelkette geltend machen. Dieses Unternehmen, die Harles und Jentzsch GmbH, wehrte sich am Donnerstag gegen Gerüchte, es stehe kurz vor der Insolvenz. Eine Insolvenz würde es den Futtermittelbetrieben und ihren Versicherungen deutlich erschweren, Ansprüche geltend zu machen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Niedersachsen forderte darüber hinaus einen Haftungsfonds, in den die gesamte Futtermittelbranche einzahlen soll.

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