https://www.faz.net/-gqe-8p4zl

Verschiebung : Streiks treffen immer mehr Privatpersonen

  • Aktualisiert am

Lufthansa-Reisende müssen auf Feldbetten im Terminal übernachten. Das Bild stammt vom Streik aus dem vergangenen Herbst. Bild: dpa

Haben Sie das Gefühl, dass heutzutage viel mehr gestreikt wird als früher? Diese neue Studie zeigt, was hinter dem Gefühl steckt.

          1 Min.

          Der Schwerpunkt der Arbeitskämpfe in Deutschland verschiebt sich immer mehr vom produzierenden Gewerbe auf den Dienstleistungsbereich. Dabei sind zunehmend Dritte - etwa Flugreisende, Bank- und Einzelhandelskunden, Brief- oder Paketempfänger - von Streiks betroffen. Das zeigt eine neue Studie.

          Dem arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) zufolge ist die Zahl der Arbeitskämpfe in Branchen, die die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vertritt, in den vergangenen Jahren kräftig angestiegen. Auf Mitgliederverluste, eine rückläufige Tarifbindung und Konkurrenzgewerkschaften antworte Verdi „mit einer expansiven Tarifpolitik“, heißt es in der IW-Studie, aus der die Nachrichtenagentur dpa zitiert.  

          Zwischen 2008 und 2014 sei die Zahl von Arbeitskämpfen je Jahr im Durchschnitt auf 151 angestiegen. Zwischen 2004 und 2007 waren es dagegen nur 70 Ausstände. Das Jahr 2012 sei mit 188 bewilligten Streiks durch den Bundesvorstand das kampfreichste Jahr gewesen.

          Konkurrenz durch andere Gewerkschaften

          Inzwischen nutze Verdi die Konflikte auch als Mitgliederwerbung – „und das durchaus mit Erfolg“, erklärte der Autor der IW-Studie, Hagen Lesch. In den Jahren nach Gründung 2001 habe die Gewerkschaft rund 600.000 Mitglieder verloren. Die Tarifabschlüsse seien damals mager gewesen und Verdi bekam Konkurrenz durch andere Gewerkschaften wie in der Luftfahrbranche (Ufo, Cockpit). Dieses Bild habe sich inzwischen geändert. Der Mitgliederschwund sei abgebremst und die Tariflöhne hätten sich der allgemeinen Lohnentwicklung angenähert.

          Verdi war vor gut 15 Jahren durch den Zusammenschluss von fünf Einzelgewerkschaften entstanden. Mit heute gut 2 Millionen Mitgliedern ist sie nach der IG Metall die zweitgrößte deutsche Gewerkschaft.

          Ziel von Verdi sei es, eine weitere Abspaltung von Berufsgruppen zu verhindern. Dabei sind die Konflikte in den Verdi-Tarifbereichen keineswegs einheitlich. Im Einzelhandel und bei der Telekom gehe es eher konfliktreich, im privaten Bankgewerbe dagegen konfliktarm zu. Bei der Deutschen Post ist die Verhandlungsdauer laut IW mit 2,2 Monaten am niedrigsten, im Einzelhandel mit 7 Monaten am höchsten.

          Das Hauptproblem einer Multibranchengewerkschaft liegt nach Ansicht der Autoren der Studie vor allem darin, sich nicht in endlosen Kleinkonflikten wie beim Versandhändler Amazon zu verlieren. Solche „Häuserkämpfe“ erforderten viel Personal und Geld. Da hiervon einzelne Fachbereich unterschiedlich betroffen seien, könnte langfristig der Zusammenhalt der Gewerkschaft gefährdet werden.

          Weitere Themen

          Corona-Experte Fauci soll entlassen werden Video-Seite öffnen

          US-Republikaner fordern : Corona-Experte Fauci soll entlassen werden

          Mehrere republikanische US-Abgeordnete verlangen, dass der Corona-Experte Anthony Fauci entlassen wird. Fauci hatte die Corona-Politik des früheren Präsidenten Donald Trump immer wieder kritisiert. Joe Biden hat ihn zu seinem obersten medizinischen Berater gemacht.

          Auf die Öffnung folgt der Streik

          Konflikt im Einzelhandel : Auf die Öffnung folgt der Streik

          Die Innenstädte sind längst nicht wieder so gefüllt, wie vor der Corona-Krise. Im Kampf um höheren Lohn fordert die Gewerkschaft ihre Mitglieder trotzdem dazu auf, die Arbeit nieder zu legen. Warum kommt dieser Schritt ausgerechnet jetzt?

          Topmeldungen

          Baden-Württemberg, Ulm: Ein Coronapatient kommt im Krankentransportwagen am Bundeswehrkrankenhauses an. (Archivbild)

          Inzidenzwert fällt auf 11,6 : Zahl der Neuinfektionen sinkt stark

          Das RKI hat seit dem Vortag 1330 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus registriert, vor einer Woche waren es noch 3187. Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt stetig weiter. Experten fordern unterdessen die Schaffung von Strukturen zur Behandlung von hundertausenden Post-Covid-Patienten.
          Guten Tag! Joe Biden und Wladimir Putin geben sich in Genf die Hand.

          Gipfel mit Biden und Putin : Monologe zum Dialog

          Joe Biden und Wladimir Putin finden einige freundliche Worte füreinander. Inhaltlich aber gibt es in Genf keine Annäherung. Jetzt sollen Arbeitsgruppen weitersehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.