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Vermögensverteilung : Wie die Rente Arm und Reich gleicher macht

Die Rente ändert die Vermögensverteilung. Bild: dpa

Deutschlands Vermögen ist besonders ungleich verteilt - so heißt es. Doch wer die Rente richtig mitrechnet, kommt zu ganz anderen Ergebnissen.

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          Nirgendwo in der Eurozone sind die Vermögen von Arm und Reich so ungleich verteilt wie in Deutschland: So hieß es am Mittwochmorgen in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Die Forscher hatten alle möglichen Vermögensarten herangezogen: Bankkonten, Wertpapiere, Gold und Schmuck, das eigene Häuschen, auch die private Rentenversicherung - die gesetzliche Rentenversicherung und die Pensionen aber fehlten in der Rechnung. Dabei macht sie die Vermögen der Deutschen viel gleicher.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit der Rente fehlt eine Menge. Denn die Rente macht viel Geld aus. Allein der Zuschuss aus dem Bundeshaushalt in die gesetzliche Rentenversicherung ist nach wie vor der größte Ausgabenposten im Bundeshaushalt. Im Jahr 2010 hatte das DIW schon mal ausgerechnet, was die Rente für die Kasse der einzelnen ausmacht - und das war einiges: Knapp 70.000 Euro waren die Renten- und Pensionsansprüche damals im Durchschnitt aller Deutschen wert. An anderem Vermögen hatten die Deutschen auch nur rund 90.000 Euro. Für viele ärmere Leute machen die Rentenansprüche sogar den Großteil des Vermögens aus.

          Doch die Rente fällt in vielen Vermögensbetrachtungen unter den Tisch. Denn erstens ist es schwierig, aus dem komplizierten Rentenversicherungskonto einen realistischen Gegenwert zu errechnen. Zweitens ist die Rente nicht in allen Vermögensvergleichen richtig aufgehoben. Schließlich sind Rentenanwartschaften nur aus der Sicht des Einzelnen Vermögen. Aus Sicht der Gesamtwirtschaft dagegen steht kein echtes Geld dahinter, sondern alle Rentenzahlungen müssen in Zukunft von den Beitragszahlern aufgebracht werden - das sind implizite Schulden. Vor einem Jahr zum Beispiel erhob die Europäische Zentralbank das Vermögen in unterschiedlichen Ländern - wer aber den Reichtum von Deutschen mit dem von Niederländern vergleicht, tut gut daran, das wegzurechnen, was sich die einzelnen Länder nur selbst schulden.

          Anders ist das, wenn die Vermögen einzelner Leute innerhalb eines Landes verglichen werden. In dieser Betrachtung werden die Renten von den einen gezahlt, und die anderen bekommen sie. Das ändert die Betrachtung der Vermögensverteilung.

          In der neuen DIW-Studie sind Immobilien und Wertpapiere berücksichtigt - klassische Instrumente, mit denen Unternehmer fürs Alter vorsorgen. Wer die Altersvorsorge von Angestellten und Beamten ebenfalls berücksichtigen möchte, der kommt um Renten und Pensionen nicht herum.

          Vermögensverteilung mit und ohne Rente - hier im Jahr 2007.

          Genau diese Effekte hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung mit Daten aus dem Jahr 2007 schon mal untersucht. Mit Markus Grabka war damals auch ein Autor der aktuellen Studie beteiligt. Die Ergebnisse waren eindeutig: Ohne Rente und Pensionen hatte es so ausgesehen, als habe ein Viertel der Deutschen überhaupt kein Vermögen. Mit Renten und Pensionen blieben kaum noch Habenichtse übrig.

          Das zentrale Ergebnis zeigt der beliebte „Gini-Koeffizient“, eine Zahl, die Ungleichzeit in einer Zahl zwischen 0 (völliger Gleichheit) und 1 (völlige Ungleichheit) ausdrückt. Dieser „Gini-Koeffizient“ stand ohne Renten- und Pensionsansprüche bei 0,8. Wurden die Ansprüche berücksichtigt, sank die Ungleichheit um 20 Prozent auf 0,64.

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