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Verkehr : China nährt Hoffnungen auf eine zweite Transrapidstrecke

  • Aktualisiert am

Amerika interessiert sich kaum für den Transrapid Bild: picture-alliance / dpa

Die 90 Millionen Dollar, die der amerikanische Kongreß für die Planung zweier Transrapid-Strecken, bewilligt hat, deutet nur auf Interesse hier und da. Doch die Chancen für den Bau einer zweiten Transrapid-Strecke in China sind gestiegen.

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          Die Chancen für den Bau einer zweiten Transrapid-Strecke in China sind gestiegen. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) teilte am Freitag in Berlin mit, daß sich die Regierung in Peking entschieden habe, Verhandlungen über eine 180 Kilometer lange Verbindung zwischen den Metropolen Schanghai und Hanghzou aufzunehmen. Dies würde eine Verlängerung der weltweit ersten Transrapid-Strecke zwischen dem Zentrum Schanghais und dem Flughafen bedeuten.

          Dagegen ist die Wahrscheinlichkeit, daß eine Magnetschwebebahn bald auch in den Vereinigten Staaten verkehrt, trotz der jüngsten Bewilligung von 90 Millionen Dollar für die Planung zweier Strecken gering. In der zuständigen Behörde, der Federal Railroad Administration, gilt die Verwirklichung eines solchen Projekts dem Vernehmen nach als sehr unwahrscheinlich. Das Geld vom Kongreß deute zwar darauf hin, daß hier und da noch Interesse an einer Magnetschwebebahn bestehe, es reiche aber bei weitem nicht aus, um auf absehbare Zeit mit dem Bau einer Trasse zu beginnen, heißt es in Washington. Die bewilligten Mittel sind Teil eines vom Kongreß Ende Juli verabschiedeten Gesetzes zur Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur. Die sogenannte „Highway Bill“ hat ein Volumen von 286,5 Milliarden Dollar und ist auf sechs Jahre angelegt. In einer früheren Version des Gesetzes waren einmal für die Planung möglicher Magnetschwebebahnen von Transrapid mehr als 2 Milliarden Dollar vorgesehen. Vertreter von Transrapid International, die sich um die Vertretung des Konsortiums in den Vereinigten Staaten kümmern, hatten eine Summe von mindestens 1 Milliarde Dollar genannt, um mit dem Bau einer Strecke beginnen zu können. Wie zu hören ist, hat mindestens ein Vertreter von Transrapid International aus Enttäuschung über die geringen Aussichten auf eine erfolgreiche Umsetzung eines Projekts dasUnternehmen verlassen.

          Bei Las Vegas und „östlich des Mississippi“

          Dem Gesetz zufolge sind die 90 Millionen Dollar je zur Hälfte für die Planung einer 56 Kilometer langen Strecke von Las Vegas nach Primm im Bundesstaat Nevada und für eine weitere Strecke „östlich des Mississippi“ vorgesehen. Um dieses Geld wollen sich Planer von Hochgeschwindigkeitszügen zwischen Baltimore und Washington D.C., Atlanta (Bundesstaat Georgia) und Chattanooga (Tennessee) sowie zwischen dem Flughafen und der Innenstadt von Pittsburgh (Pennsylvania) bewerben. Es ist vorgesehen, daß in den Jahren 2006 und 2007 jeweils 15 Millionen Dollar und in den beiden darauffolgenden Jahren jeweils 30 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt werden. Diese Summen sind freilich nicht geeignet, um dem Bau einer dieser Strecken auch nur nahe zu kommen. Fachleute sagen zudem, daß der Bau einer so kurzen Transrapid-Strecke wie zwischen Las Vegas und Primm keinen Sinn ergebe. Ursprüngliche Pläne, Las Vegas mit Los Angeles zu verbinden, sind bisher am Widerstand Kaliforniens gescheitert. Im bevölkerungsreichsten Bundesstaat befürchtet man, eine solche Strecke würde von Kaliforniern vor allem genutzt, um viel Geld in den Kasinos und Nachtclubs von Las Vegas auszugeben.

          Peter Wiegelmann, der Sprecher von Transrapid International, der Gesellschaft der Transrapid-Partner Thyssen-Krupp und Siemens, bezeichnete die Bereitstellung von Mitteln durch den amerikanischen Kongreß als „wichtige Weichenstellung“. Nachdem bereits vor Jahren erste Machbarkeitsstudien günstig ausgefallen seien, gehe es nun um konkrete Planungen, beispielsweise für Betrieb und Investitionskosten. „Die nächste Stufe ist erreicht“, sagte Wiegelmann. „Mit 90 Millionen Dollar können zwei Strecken vollständig durchgeplant werden.“ Die Amerikaner hätten bis heute schon 80 Millionen Dollar für die Magnetbahntechnik aufgewendet. „Wir fangen also nicht bei Null an.“

          In Deutschland geht unterdessen die Planung für die Transrapid-Trasse vom Münchner Hauptbahnhof zum Münchner Flughafen voran. Die Mittel, die der Staat für die Magnetbahntechnik freigibt, bewegen sich in ähnlicher Größenordnung wie in Amerika. Erst kürzlich unterzeichnete die Bundesregierung mit Siemens und Thyssen-Krupp einen Vertrag zur Weiterentwicklung der Technik im Volumen von 113 Millionen Euro. Dennoch ist auch die Realisierung der süddeutschen Referenzstrecke, die mindestens 1,6 Milliarden Euro kosten soll, nach wie vor ungewiß.

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