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Verkehr : China entwickelt eigenen Transrapid

Das Original: Transrapid in Schanghai Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Siemens hatte die Vorhaben der Chinesen lange nicht ernst genommen, doch jetzt ist es soweit. China baut eine eigene Magnetschwebebahn. Im Juli starten in Schanghai die ersten Tests - in der Stadt, in der auch der deutsche Transrapid fährt.

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          China hat eine eigene Magnetschwebebahn entwickelt, die langfristig dem deutschen Transrapid Konkurrenz machen könnte. Im Juli soll der Testbetrieb der Bahn, die 500 Stundenkilometer Geschwindigkeit erreichen soll, auf einer rund 1,5 Kilometer langen Versuchsstrecke der Tongji Universität in Schanghai beginnen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die Entwicklung im Rahmen des staatlich geförderten Hochtechnologieprogramms ist nach Angaben der Chengdu Aircraft Industrial Group (CAC) vom Mittwoch schon „im fortgeschrittenen Stadium“. Es seien aber „keine deutsche Technologie“ oder deutsche Blaupausen verwandt worden, beteuerte Chefingenieur Zheng Qihui nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur. „Alles ist chinesisch.“

          Prinzip der Magnetfahrtechnik ist ungeschützt

          Die Transrapid-Hersteller Siemens und Thyssen-Krupp zeigten sich von dem Projekt wenig überrascht. Schon seit zwei Jahren hätten chinesische Medien über die Entwicklung einer Magnetbahn im eigenen Land berichtet. Von einem „Technologieklau“ wollte das Transrapid-Konsortium am Mittwoch nicht sprechen. „Wir wissen zur Zeit nicht, ob deutsche Schutzrechte verletzt worden sind“, sagte ein Sprecher des Konsortiums auf Anfrage.

          Transrapid-Haltestelle in Schanghai

          Er wolle nicht spekulieren, ob ein Verstoß geprüft werde. „Auf jeden Fall beobachtet die deutsche Seite das Projekt.“ Ähnlich äußerte sich eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums. China sei Mitglied der Welthandelsorganisation WTO und deshalb verpflichtet, sich an die Patentschutzregeln zu halten. Noch sei ungewiß, ob Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei seinem Besuch in China in der kommenden Woche das Thema Transrapid ansprechen werde.

          Der Transrapid-Sprecher erläuterte, das Prinzip der Magnetfahrtechnik sei nicht geschützt, sondern nur die Technologie im Transrapid. Das Konsortium sieht weiterhin gute Chancen, für den Bau einer zweiten Strecke in China zum Zug zu kommen. „Es wäre fahrlässig, das Projekt der Chinesen nicht ernstzunehmen“, ist im Siemens-Konzern zu hören. „Wir bleiben aber gelassen, ohne überheblich zu sein.“

          Deutsche Hersteller sehen noch keine Konkurrenz

          Die Industrie verweist auf ihren Entwicklungsvorsprung und ihre lange Erfahrung mit dem Transrapid sowie darauf, daß die 30 Kilometer lange Strecke in Schanghai vom Stadtteil Pudong zum Flughafen inzwischen seit drei Jahren mit großer Zuverlässigkeit betrieben werde. Fast sechs Millionen Passagiere seien bisher damit gefahren.

          „Wettbewerb schadet nicht“, heißt es zudem bei Siemens. Im Markt für Hochgeschwindigkeitszüge setze sich der Konzern seit langem gegen Konkurrenten durch. In der Branche wird außerdem damit gerechnet, daß es mindestens noch ein Jahrzehnt dauert, ehe China eine dem Transrapid vergleichbare Magnetschwebebahn zur Serienreife bringt.

          Für die erhoffte Verlängerung der Strecke in Schanghai bis zur 180 Kilometer entfernten Stadt Hangzhou sehen die deutschen Hersteller das einheimische Projekt daher nicht als Konkurrenz an. Sie rechnen trotz bisheriger Verzögerungen weiterhin damit, daß diese zweite Strecke in China bis zur Weltausstellung 2010 fertiggestellt werden soll.

          Chinas Zug wiegt weniger

          „Daß die Chinesen so schnell eine eigene Konkurrenzbahn bauen können, ist utopisch“, ist in den Unternehmen zu hören. Auf der relativ kurzen Teststrecke kann der Prototyp nach Berichten aus China nicht schneller als 100 Stundenkilometer fahren.

          Dennoch weisen die Unternehmen auf die große Bedeutung einer kommerziell genutzten Strecke in Deutschland hin. „Die Chinesen haben Betriebserfahrung, wir Deutschen bisher nur eine Teststrecke“, sagte der Sprecher des Transrapid-Konsortiums. Die Münchner Trasse vom Hauptbahnhof zum Flughafen, für die das Planverfahren läuft, müsse deshalb rasch gebaut werden. Die Signale aus der Politik - abgesehen von Widerständen in der Stadt München - stimmen die Unternehmen zuversichtlich.

          Die chinesische Magnetbahn unter dem Projektnamen „CM1 Dolphin“ benutzt nach Angaben ihres Chefingenieurs Technologie der Luftfahrtindustrie. Der Zug sei viel leichter als der deutsche Transrapid, berichtete Zheng Qihui.

          Airbus will sich ins Unvermeidliche fügen

          Der europäische Flugzeughersteller Airbus steht in der Kritik, weil er von 2008 an sein Erfolgsmodell A 320 auch in China fertigen lassen will. „Früher oder später bauen die Chinesen das Flugzeug ohnehin nach“, heißt es in Kreisen von Airbus. „Da können wir wenigstens versuchen, ein paar Jahre in einer Kooperation mit einem chinesischen Partner Geld zu verdienen.“

          Eine formelle Entscheidung über die Montage im Reich der Mitte steht noch aus. Derzeit inspizieren Vertreter von Airbus Standorte; außerdem beharren die Europäer in einem Gemeinschaftsunternehmen mit einem chinesischen Partner auf der Mehrheit , um die Kontrolle über das Projekt zu behalten.

          Die Gefahr eines wichtigen Technologietransfers erscheint etwas überzogen, denn es handelt sich nicht um ein sehr modernes Flugzeug: Der A 320 stammt aus den achtziger Jahren und soll zwischen 2010 und 2015 einem deutlich sparsameren Modell weichen.

          Zudem haben die Briten, bei Airbus traditionell für die Herstellung von Flügeln zuständig, die Produktion der Flügel für den A 320 bereits nach China ausgelagert . Flügel stellen das technisch anspruchsvollste Flugzeugteil dar. Die Montage entspricht dagegen nur rund fünf Prozent der Wertschöpfung.

          Die Amerikaner sind dennoch vorsichtiger: Washington untersagt dem Airbus-Konkurrenten Boeing eine Montage in China; allerdings beschäftigt auch Boeing chinesische Zulieferer. China gilt als der größte Wachstumsmarkt für Flugzeuge in der Welt. (gb.)

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