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Verkauf von Drogerieartikel : Rösler räumt Apothekern Regale aus

Zusatzverdienst: Der Bundesgesundheitsminister will „einer ausufernden Auslegung ihrer Apothekenüblichkeit Einhalt gebieten” Bild: dpa

Das Gesundheitsministerium will den Verkauf von Drogerieartikeln in Apotheken „auf das notwendige Maß“ beschränken. In der neuen Apothekenbetriebsordnung soll deshalb auch die Fläche begrenzt werden, auf der Kosmetika, Hygieneprodukte und Vitamine angeboten werden.

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          Die Bundesregierung erwägt, die Geschäftstätigkeit der Apotheker zu beschränken. Sie soll auf Produkte begrenzt werden, die der Gesundheit von Mensch und Tier "unmittelbar" dienen. Zu dem Zweck will das Bundesgesundheitsministerium in der neuen Apothekenbetriebsordnung nicht nur die Tätigkeit der Apotheker neu definieren. Es solle auch die Fläche begrenzt werden, auf der Kosmetika, Hygieneprodukte, Vitamine und andere Produkte aus dem "apothekenüblichen Ergänzungssortiment" angeboten werden. "Als angemessen erscheint ein Umfang von maximal 30 Prozent der Gesamtfläche."

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Im Gesundheitsministerium wird darauf verwiesen, dass dies nur ein Arbeitsentwurf sei, der nicht mit der Leitung abgestimmt sei. Das Papier wurde bereits mit Apothekerverbänden erörtert und erntete dabei neben Zustimmung Kritik.

          In der Textbegründung heißt es ausdrücklich, in der Apotheke ausgereichte Mittel, Gegenstände und Informationsträger seien "auf das notwendige Maß" einzuschränken, "um einer ausufernden Auslegung ihrer Apothekenüblichkeit Einhalt zu gebieten". Auch mache der Auftrag zur Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln eine Begrenzung des sonstigen Warensortiments notwendig.

          Apothekervereinigungen: „Unsinnig“

          Künftig dürften in Apotheken verkaufte Produkte nur noch "unmittelbar" (und nicht mehr wie heute mittelbar) der Gesundheit der Patienten dienen. Bei Dienstleistungen des Apothekers wie Ernährungsberatung, Vorsorge oder Labortests wird diese strenge Unterscheidung nicht gemacht. Sie sind sollen rechtens sein, wenn sie der Gesundheit des Patienten "mittelbar oder unmittelbar dienen".

          Nach Zahlen der Bundesvereinigung der Apothekervereinigungen (ABDA) beläuft sich der Umsatz der Apotheken mit Nebenprodukten auf 5 Prozent oder 2 Milliarden Euro ihres Jahresumsatzes. 2009 meldeten die 21.500 Apotheken einen Umsatz von knapp 40 Milliarden Euro. In guten "Lauflagen" wie Einkaufs- oder Reisezentren kann der Anteil des Ergänzungssortiments, das im Wettbewerb mit Drogeriemärkten steht, höher ausfallen und für den Geschäftsinhaber mehr als nur ein Zubrot darstellen.

          Entsprechend verhalten fallen die Reaktionen aus. "So richtig es ist, Mindeststandards für eine hochwertige Arzneimittelversorgung über Apotheken zu definieren, so unsinnig sind Regelungen, die ein Übermaß an Bürokratie erzeugen", heißt es bei der ABDA. "Die Sicherheit und Qualität der Versorgung wird nicht daran hängen, ob das Freiwahlsortiment 20, 30 oder 40 Prozent der Fläche umfasst." Häufig gebe es dafür bauliche Gründe.

          Die Beratung wird Pflicht

          Bauarbeiten dürften bei Umsetzung der Novelle der seit 1995 geltenden Betriebsordnung auf viele Pharmazeuten zukommen. Arbeitsplätze, an denen Rezepturen erstellt werden, müssen "raumhoch" abgetrennt sein, das Labor mindestens 12 Quadratmeter umfassen, wer selbst Rezepturen verfertigt, muss sich an der "guten Herstellungspraxis" der Pharmaindustrie messen lassen. Auch sollen dicht nebeneinander liegende Bedienplätze an der Apothekentheke der Vergangenheit angehören: "Daher soll die Vertraulichkeit der Beratung nunmehr grundsätzlich durch bauliche Maßnahmen sichergestellt werden."

          Mit der Novelle der Betriebsordnung wird den Apothekern zudem ein Qualitätsmanagement, das viele bereits haben, vorgeschrieben. Künftig soll es auch möglich sein, einmal verkaufte (ungeöffnete) Arzneimittel zurückzunehmen und - nach entsprechendem Hinweis - wieder abzugeben. Das gilt vor allem für Heime, in denen oft große Mengen teurer Arzneien verschrieben werden, dann aber oft nach dem Tod des Patienten nicht mehr gebraucht werden dürfen. Interessant für Patienten: Apothekern soll es leichter gemacht werden, Patienten ihre Arzneien nach Hause zu bringen. Auch wird die Beratung Pflicht: "Das pharmazeutische Personal muss eine Beratung aktiv bei jedem Abgabevorgang anbieten."

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