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Vereinigte Staaten : Ihre Staatsschuld rechnen die Amerikaner lieber klein

Im Mai 2011 stand die Schuldenuhr in New York bei 14,5 Billionen Dollar, heute zeigt sie 16,7 Billionen Dollar an. In Washington beziffert man die Schuld jedoch nur mit 11,9 Billionen Dollar. Wie kann das sein? Bild: dpa

Die Vereinigten Staaten stellen ihr Wirtschaftswachstum gern größer dar. Nur beim Schuldenstand mögen es die Amerikaner niedrig. Die Statistik hilft dabei.

          4 Min.

          Autos und Steaks, Bauchumfänge und Bauernhöfe im mittleren Westen - viele Amerikaner mögen es gern etwas größer. Dieses Prinzip gilt auch, wenn es um die Wirtschaftsstatistik geht. In der Beobachtung der vierteljährlichen Wachstumsraten etwa setzen die Amerikaner im Gegensatz zu den Europäern auf annualisierte Daten: Dabei wird die Veränderung des Bruttoinlandsprodukts im Vergleich zum Vorquartal auf ein Jahr hochgerechnet. Die Statistiker tun so, als ob das aktuelle Wachstumstempo ein Jahr lang andauern würde. Im transatlantischen Vergleich wirkt das amerikanische Wirtschaftswachstum damit immer ein wenig kräftiger - auch wenn die Wirtschaft eigentlich gar nicht mehr wächst.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Im vierten Quartal 2012 etwa legte das reale Bruttoinlandsprodukt in den Vereinigten Staaten um ungefähr 0,025 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Eurostat, das Statistikamt der Europäischen Union, weist dies als Stagnation aus, als schwarze Null. Das Statistikbüro des amerikanischen Wirtschaftsministeriums aber beziffert das Wachstum am Jahresschluss in der annualisierten Rechnung mit 0,1 Prozent. Deutlicher werden die Rechenunterschiede, wenn die Wachstumsraten größer sind. Im dritten Quartal 2012 wuchs die Wirtschaftsleistung in der EU (nach europäischer Rechenweise) um 0,1 Prozent und in den Vereinigten Staaten um 0,8 Prozent. Rechnet man die Zahlen auf amerikanische Art auf ein Jahr hoch, legten das europäische BIP um rund 0,4 Prozent und die amerikanische Wirtschaft um 3,1 Prozent zu. Solange die Wirtschaft wächst, sieht Amerikas Wirtschaft so immer besser aus als die der Europäischen Union.

          Eine innerstaatliche Umbuchung

          Den statistischen Hang zur Größe legt die amerikanische Regierung freilich ab, wenn es um die Staatsschuld geht. Die nationale Schuldenuhr in New York weist die Schuld derzeit mit rund 16,75 Billionen Dollar aus. In Washington wird die Schuld von den Demokraten aber bevorzugt mit 11,9 Billionen Dollar beziffert. Woher kommt der Unterschied? Auf 11,895 Billionen Dollar belief sich zuletzt die sogenannte von der Öffentlichkeit gehaltene Schuld. Das ist die Schuld, die die Bundesregierung am Kapitalmarkt aufgenommen hat und mit der sie bei privaten Haushalten, Unternehmen, anderen Regierungen und auch bei der Notenbank Federal Reserve in der Kreide steht. Die größere Summe von 16,75 Billionen Dollar, die gesamte ausstehende öffentliche Schuld, umfasst zusätzlich 4,86 Billionen Dollar, die das Finanzministerium sich bei staatlichen Treuhandfonds geliehen hat. Der Löwenanteil davon entfällt auf die Treuhandfonds der Rentenversicherung Social Security, der Krankenversicherung Medicare für Rentner und auf andere Fonds zur Abdeckung von Pensionszahlungen für Bundesangestellte.

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