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Vereinigte Staaten : Der Washingtoner Club der Millionäre

Vermögend: John Kerry, Jay Rockefeller, Darrell Issa und Nancy Pelosi (im Uhrzeigersinn von links oben) Bild: DAPD, Manuel Balce Ceneta

Im amerikanischen Kongress und Senat ist jeder Zweite Millionär. Ein Vermögen hilft für eine Karriere in der Politik. Der Republikaner Issa führt die Liste an.

          Darrell Issa, republikanischer Abgeordneter aus Kalifornien, hat im Washingtoner Kongress einen Sonderstatus. Nicht nur, weil er den Ausschuss für Aufsicht und Regierungsreform im Repräsentantenhaus leitet. Issa ist mit einem Vermögen von geschätzten 448 Millionen Dollar auch der reichste amerikanische Volksvertreter. Sein Vermögen hat er natürlich nicht in den Sitzungssälen des Kapitols gemacht. Vor seiner politischen Karriere führte er eine Firma, die Auto-Alarmanlagen herstellt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Issa ist beileibe nicht der einzige Millionär im Kongress. Nach einer jüngst veröffentlichten Studie des überparteilichen Center for Responsive Politics waren im vergangenen Jahr fast die Hälfte - 47 Prozent - der 534 Kongressmitglieder Millionäre. Auf der Rangliste der Privatvermögen im Senat lag die Mitte bei 2,6 Millionen Dollar. Die Hälfte der Senatoren war also ärmer, die andere Hälfte reicher. Im Repräsentantenhaus lag die Mitte der Vermögensskala bei 757.000 Dollar. "Wenige Amerikaner genießen die gleichen finanziellen Polster wie die Mitglieder des Kongresses - geschweige denn den gleichen Zugang zu gewinnbringenden marktbewegenden Informationen", sagt Sheila Krumholz, Exekutivdirektorin des Center for Responsive Politics, das öffentlich verfügbare Daten auswertet. Sie spielt an auf die jüngsten Berichte über den verbreiteten Insiderhandel von Abgeordneten und Senatoren. Kongressmitglieder nutzen Exklusiv-Informationen aus geheimen Sitzungen schon mal für ihre Wertpapiergeschäfte.

          Gesetze zählen nicht

          Es gibt mehrere wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Kongressmitglieder mit ihren Anlagen in der Regel besser abschneiden als professionelle Investoren. An der Wall Street gehen Leute ins Gefängnis, wenn ihnen Insiderhandel nachgewiesen wird. Kurioserweise gelten diese Gesetze aber nicht für Kongressmitglieder. Nach einem kritischen Fernsehbericht zu dem Thema wurde kürzlich ein Gesetzesvorschlag wiederbelebt, der Insiderhandel im Kongress verbieten würde.

          448 Millionen: Darrell Issa, Republikaner und reichster Kongressmann Bilderstrecke

          In einem Fall hatte der Vorsitzende des Finanzdienstleisterausschusses im Repräsentantenhaus, der Republikaner Spencer Bachus, vor der Eskalation der Finanzkrise im Jahr 2008 rechtzeitig gegen den Aktienmarkt gewettet. Zuvor hatte er "apokalyptische Unterrichtungen" von Notenbank-Chef Ben Bernanke und dem damaligen Finanzminister Henry Paulson erhalten.

          Zwei Frauen unter den ersten zehn

          Bachus ist mit einem geschätzten Vermögen von 785.000 Dollar aber erst auf dem Weg in den Millionärsclub. John Kerry aus Massachusetts gehört als reichster Senator schon lange dazu. Ohnehin der Spross einer vermögenden Familie, ist Kerry in zweiter Ehe mit Teresa Heinz verheiratet, der Witwe des Senators John Heinz. Heinz gehörte zur gleichnamigen Ketchup-Dynastie aus Pittsburgh. Kerrys durchschnittliches Vermögen wird auf 232 Millionen Dollar geschätzt. Ebenfalls zu den reicheren Senatoren gehört mit einem Vermögen von 99 Millionen Dollar der Demokrat Jay Rockefeller, der den Bundesstaat West Virginia vertritt und Nachkomme des berühmten Industriellen John D. Rockefeller ist.

          Unter den zehn reichsten Kongressmitgliedern von 2010 sind zwei Frauen. Die vermögendste Dame ist mit 327 Millionen Dollar Jane Harman, mittlerweile ausgeschiedene Abgeordnete aus Kalifornien und Witwe von Sidney Harman, einem Gründer des Audio-Unternehmens Harman/Kardon. Auf sie folgt mit 101 Millionen Dollar die Oppositionsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi. Ihr Vermögen stammt aus einem Immobilien-Portfolio um San Francisco, das ihr und ihrem Gatten, dem Geschäftsmann Paul Pelosi, gehört.

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