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Vereinigte Staaten : Bernanke hält an expansiver Geldpolitik fest

Weiter so: Notenbankchef Ben Bernanke Bild: dpa

Es war die erste reguläre Pressekonferenz der amerikanischen Zentralbank: Ben Bernanke gab bekannt, die Federal Reserve werde den Leitzins auf niedrigem Niveau halten. Der im November beschlossene Ankauf von amerikanischen Staatsanleihen für 600 Milliarden Dollar soll beendet werden.

          Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve wird bis zum Juni den Ankauf von Staatsanleihen über 600 Milliarden Dollar beenden. Sie will aber trotz der steigenden Inflation auch danach an der expansiven Geldpolitik festhalten. Der Vorsitzende der Fed, Ben Bernanke, sagte am Mittwoch vor Journalisten, die Federal Reserve werde nach Juni das Volumen der angekauften Wertpapiere konstant halten. „Das Ausmaß der geldpolitischen Lockerung sollte damit konstant bleiben“, sagte Bernanke. Es war die erste reguläre Pressekonferenz, die die Fed in ihrer 97 Jahre alten Geschichte gegeben hatte. Künftig will Bernanke sich vier Mal im Jahr den Fragen von Journalisten stellen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Federal Reserve bestätigte ihre Einschätzung, dass sie den Leitzins für ausgedehnte Zeit auf dem sehr niedrigen Niveau von 0 bis 0,25 Prozent halten werde. „Es wird ein paar Treffen dauern, bis wir handeln werden“, präzisierte Bernanke die Formulierung „ausgedehnte Zeit“. Die Entscheidung für eine straffere Geldpolitik hängt nach seinen Worten von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung und der Inflationslage ab.

          Kein Wille zum Entgegenkommen

          Die sich erst zögerlich abzeichnende Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik hatte den Dollar zuletzt an den Devisenmärkten abrutschen lassen. „Wir glauben, dass ein starker und stabiler Dollar im Interesse der Vereinigten Staaten und der Weltwirtschaft ist“, sagte Bernanke zu der Kritik aus Schwellenländern an der expansiven Geldpolitik der Fed. Er ließ keinen Willen erkennen, der Kritik entgegenzukommen. Die Zentralbank könne den Dollar am besten stützen, indem sie die Inflation niedrig halte und mit ihrer Politik die wirtschaftliche Erholung stütze. Er bezeichnete den Abbau des amerikanischen Haushaltsdefizits auf mittlere Frist als die derzeit wichtigste wirtschaftspolitische Aufgabe.

          Obwohl die amerikanische Inflationsrate zuletzt 2,7 Prozent erreicht hatte, hält die Zentralbank den Inflationstrend gedämpft und die langfristigen Inflationserwartungen weiter für stabil. Rund drei Viertel des Preisanstiegs gründeten in den steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreisen. Die Europäische Zentralbank hatte bei ähnlich hoher Inflation in diesem Monat die Zinswende eingeleitet.

          Anstieg der Ölpreise als „doppelter Schlag“

          Bernanke bekräftigte, die Zentralbank beobachte die Entwicklung der Inflationserwartungen aufmerksam und stehe bereit, gegebenenfalls zu handeln. Sie fürchtet wie jede Zentralbank, dass sich über steigende Löhne dauerhafter Preisdruck entwickeln könne. Diese Gefahr aber sieht der Offenmarktausschuss bislang nicht. Die Mitglieder des Ausschuss hoben ihre Inflationsprognosen für 2011 zwar spürbar auf 2,1 bis 2,8 Prozent an, schon für das kommende Jahr aber erwarten sie, dass die Teuerungsrate sich auf 1,2 bis 2 Prozent abschwächen wird. Damit würde die inoffizielle, langfristig angestrebte Obergrenze der Teuerung von 1,7 bis 2 Prozent nur in diesem Jahr überschritten. Basis dieser Prognosen ist der Preisindex für die persönlichen Ausgaben der Verbraucher. In der Kernrate ohne die besonders schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel, die den Preistrend besser beschreibt, soll die Teuerung nach der Prognose in beiden Jahren zwischen 1,3 und 1,8 Prozent liegen.

          Bernanke bezeichnete den Anstieg der Ölpreise als „doppelten Schlag“. Damit werde nicht nur die Kaufkraft der Verbraucher gemindert, sondern auch die wirtschaftliche Erholung gedämpft. Er gab sich zuversichtlich, dass diese Belastung nur vorrübergehend sei. Die wirtschaftliche Erholung verlaufe mit moderatem Tempo, erklärte die Fed. Die Arbeitslosigkeit bleibe aber hoch. Der Wachstumsausblick des Offenmarktausschusses liegt für 2011 zwischen 3,1 und 3,3 Prozent und für die Folgejahre im Durchschnitt bei knapp 4 Prozent. Die Arbeitslosenquote, derzeit 8,8 Prozent, soll 2012 bei nur wenig niedriger als 8 Prozent liegen. Ein stärker als erwarteter Auftragseingang für dauerhafte Güter bestätigte die andauernde Erholung der Wirtschaft.

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