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Streit um Arbeitszeit : Verdi droht mit Poststreik ab 1. April

  • Aktualisiert am

Bei der Post droht ein heftiger Tarifkonflikt Bild: ddp

Im nächsten Monaten könnten Postfilialen geschlossen bleiben, Briefe nicht ausgetragen und Briefzentren blockiert werden: Die Gewerkschaft Verdi droht im Tarifkonflikt mit der Deutschen Post mit unbefristeten Streiks. Hauptstreitpunkt ist die Wochenarbeitszeit.

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          Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi droht der Deutschen Post im Streit um die Wochenarbeitszeit ab April mit Streik. Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis sagte am Donnerstag in Berlin: „Sollte der Arbeitgeber nicht beidrehen, wird ab 1. April gestreikt.“ Die Gewerkschaft fordert, dass der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen über 31. März hinaus verlängert wird. Sie wehrt sich dagegen, dass die Arbeitszeit für die noch 55.000 Beamten der Post von 38,5 auf 41 Stunden erhöht wird. Verdi fürchtet, dass dann auch die Arbeitszeit der 130.000 Tarifbeschäftigten verlängert wird. Die Post hielt sich bisher bedeckt. Sie sei zu „konstruktiven Gesprächen“ bereit und strebe eine „Lösung am Verhandlungstisch an“, sagte ein Sprecher in Bonn.

          „Unsere Mitglieder erwarten Sicherheit und Perspektive“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis in Berlin. Ende März läuft die Arbeitszeit-Regelung für die 55.000 Beamten bei der Deutschen Post aus. Ohne Anschlussregelung droht künftig eine 41-Stunden-Woche für die Beamten. Eine solche Erhöhung würde den Abbau von 5.000 Arbeitsplätzen nach sich ziehen, warnte Kocsis.

          Die Gewerkschaft fürchtet, dass die Wochenarbeitszeit für die 130.000 Tarifbeschäftigten angeglichen wird - nicht zuletzt, da Beamte und Tarifbeschäftigte eng verzahnt zusammenarbeiten. Dann wären nach Verdi-Berechnungen weitere 10.000 Stellen in Gefahr. Verschärft wird die Situation durch den Ende April auslaufenden Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen.

          „Arbeit ist genug da“

          Die Dienstleistungsgewerkschaft hat den Tarifvertrag zu Ende März aufgekündigt, um den Weg für Verhandlungen freizumachen. Geplant sind drei Gesprächstermine ab 18. März. „Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr als dass es eine Arbeitszeiterhöhung bei der Deutschen Post gibt“, sagte die stellvertretende Verdi-Chefin. Sie forderte die Arbeitgeber auf, wie versprochen in Not geratene Beschäftigte anderer Briefdienste einzustellen. „Arbeit ist genug da.“ Einige Großkunden seien zur Deutschen Post zurückgekehrt, die Geschäftsbilanz sei positiv ausgefallen.

          Bei einem Streik könnten von 1. April an unbefristet Filialen geschlossen bleiben, Briefe nicht ausgetragen und Briefzentren blockiert werden. Genaue Pläne gebe es noch nicht, sagte Kocsis. Die bundesweit abgehaltenen Betriebsversammlungen in dieser Woche hätten gezeigt, dass die Gewerkschafter bereit seien zu kämpfen.

          „Die Stimmung ist gut“

          „Die Stimmung ist gut“, sagte Kocsis. Die Lohnverhandlungen will Verdi zunächst von den Gesprächen über die Arbeitszeit trennen. Daher gibt es noch keine offizielle Lohnforderung der Gewerkschaft. Sprecher hatten Anfang der Woche erklärt, es gehe um sieben Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie unterschiedliche Zusatzpakete wie Einmalzahlungen für die einzelnen Unternehmensbereiche. Über die Höhe der Zusatzforderungen werde noch beraten.

          Post-Sprecher Dirk Klasen nannte die Streikdrohung der Gewerkschaft „nicht nachvollziehbar“. Es sei nicht notwendig, mit diesen Drohgebärden zu operieren, sagte er in Bonn. „Wir haben einen festen Verhandlungstermin in der kommenden Woche und setzen darauf - wie in den vergangenen Jahren auch - auf dem Verhandlungswege zu vernünftigen Lösungen zu kommen.“

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