https://www.faz.net/-gqe-7lcsu

Verdacht auf Marktmanipulationen : Bafin-Ermittlungen betreffen bis zu 150 Deutsche-Bank-Mitarbeiter

Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: AP

Nach dem Verdacht der Marktmanipulation in amerikanischen Niederlassungen weitet die Finanzaufsicht Bafin ihre Prüfungen in der Zinsaffäre aus. Nach F.A.Z.-Informationen sind bis zu 150 Mitarbeiter der Deutschen Bank betroffen.

          3 Min.

          Die Affären in der Deutschen Bank ziehen immer weitere Kreise. Nach Informationen der F.A.Z. hat die Finanzaufsicht Bafin die Ermittlungen in der Zinsaffäre deutlich ausgeweitet. Davon sollen bis zu 150 Mitarbeiter betroffen sein, deren Dokumente durchleuchtet oder die als Zeugen vernommen werden. Damit liegt die Zahl dreimal so hoch, wie bislang angenommen wurde.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Mittwoch war zudem bekannt geworden, dass mehrere Devisenhändler in New York und anderen amerikanischen Niederlassungen von der Deutschen Bank beurlaubt wurden. Nach einer internen Untersuchung stünden sie im Verdacht, die Referenzkurse von Währungen manipuliert zu haben, verlautete aus Finanzkreisen. Die Deutsche Bank wollte auf Anfrage weder die Maßnahmen gegen Devisenhändler noch die Ermittlungen in der Zinsaffäre kommentieren.

          Seit Sommer ermitteln die Aufsichtsbehörden gegen mehrere Banken wegen des Verdachts der Manipulation am Devisenmarkt, an dem täglich Währungen im Wert von rund 5 Billionen Dollar umgesetzt werden. Dazu zählen die Deutsche Bank, JP Morgan, Barclays oder Citigroup. Bislang sollen in diesem Zusammenhang mindestens 13 Händler beurlaubt oder entlassen worden sein. Bezüglich der Deutschen Bank blieb die genaue Zahl unklar. Einer der New Yorker Händler soll mit argentinischen Peso gehandelt haben. Die Deutsche Bank bestätigte, dass sie Informationsanfragen von Aufsichtsbehörden erhalten habe, die Handelsaktivitäten im Devisenmarkt untersuchten. Die Bank kündigte in begründeten Fällen disziplinarische Maßnahmen gegen einzelne Mitarbeiter an. Sollten die Vorwürfe um Devisenmanipulationen ähnliche Kreise ziehen wie die Zinsaffäre, dürfte der Ko-Vorstandsvorsitzende Anshu Jain, der als ehemaliger Investmentbanking-Chef sowohl für den Zins- als auch für den Devisenhandel zuständig war, noch stärker unter Druck geraten.

          Finanzaufsicht mit der Aufarbeitung der Zinsaffäre unzufrieden

          Wegen der Manipulation von Referenzzinsen verhängte die EU-Kommission im Dezember gegen die Deutsche Bank eine Strafe von 725 Millionen Euro. Weitere Strafen sind deshalb in Großbritannien und den Vereinigten Staaten zu erwarten. Derzeit durchleuchten im Auftrag der Bafin Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young die Deutsche Bank auf Hinweise zu den Zinsmanipulationen. Im Vordergrund der Prüfungen stehen Emails, Tonbandmitschnitte von Telefonaten und andere Dokumente. In Finanzkreisen wird von einem enormen Datenmaterial gesprochen, dessen Prüfung sich noch bis Spätsommer hinziehen könne.

          Die Sonderprüfung läuft schon seit Sommer 2012, und sie betrifft mittlerweile nicht nur die für Zinsprodukte zuständige Handelsabteilung. Auch andere Bereiche aus dem Handel wie etwa Devisen oder Anleihen werden offenbar einbezogen, weil sie von den Referenzzinsen abhängen. Zudem untersucht die Aufsicht auch die Aufarbeitung der Zinsaffäre in der Bank. Das erklärt den inzwischen größeren Mitarbeiterkreis, der von den Untersuchungen betroffen ist. Es ist nicht auszuschließen, dass die Sonderprüfung die Bank noch das ganze Jahr hindurch beschäftigen kann. Denn an die Prüfung der Dokumente schließt sich die Auswertung an. Zum Schluss werden Mitarbeiter befragt. Dieser Kreis dürfte wohl kaum 150 Personen umfassen. Im Herbst war bekannt geworden, dass die Deutsche Bank in einer internen Untersuchung zur Zinsaffäre 50 Mitarbeiter befragt. Darunter befinden sich nicht nur Beschuldigte, sondern auch Zeugen.

          Mit der Aufarbeitung der Zinsaffäre in der Deutschen Bank ist die Bafin unzufrieden, wie sie dem Vorstand und Aufsichtsrat im vergangenen August mitgeteilt hat. Deshalb muss sich neben den Ko-Vorstandsvorsitzenden Jain und Jürgen Fitschen auch der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner gegenüber der Aufsicht rechtfertigen. In deren Visier sind zwei Mitglieder des erweiterten Vorstands GEC geraten: Chefjurist Richard Walker und Asien-Chef Alan Cloete. Walker hatte eine interne Prüfung geleitet, auf die sich die Bank noch immer beruft. Sie wird aber von der Bafin wegen möglicher Interessenskonflikte kritisch gesehen. Cloete war früher als Chef des Devisen- und Geldhandels Vorgesetzter von Händlern, denen Fehlverhalten nachgewiesen worden ist. Cloete berichtete damals an Jain. Am 28. Januar, einen Tag vor Bekanntgabe der Ergebnisse 2013, trifft sich der Aufsichtsrat. Die Zinsaffäre wird dann auch ein Thema sein. Doch personelle Konsequenzen sind unwahrscheinlich. Zuvor dürfte der Abschluss der Bafin-Prüfungen abgewartet werden.

          Weitere Themen

          Flixbus übernimmt „Greyhound“ Video-Seite öffnen

          Bekannte US-Fernbuslinie : Flixbus übernimmt „Greyhound“

          Flixmobility hat das US-amerikanische Busunternehmen Greyhound übernommen. Die GmbH mit Sitz in München teilte am Donnerstag mit, dass sie die Firma mit den ikonischen blau-silbernen Bussen für 46 Millionen Dollar von der britischen FirstGroup gekauft habe.

          Topmeldungen

          Paul Ziemiak, Tilman Kuban und Hendrik Wüst beim „Deutschlandtag“ der Jungen Union am 16. Oktober in Münster

          Imagewandel der Jungen Union : Konservative in Sneakern

          Die Junge Union ist auf der Suche nach einer neuen Außendarstellung. Manche ihrer Mitglieder wollen die Rhetorik abrüsten und den Kleidungsstil ändern. Aber wofür stehen die Jungkonservativen?
          Joshua Kimmich wollte sich bislang noch nicht impfen lassen.

          Corona-Impfung im Profifußball : Kimmich und der Preis der Freiheit

          Joshua Kimmich wollte sich bisher nicht gegen Corona impfen lassen. Für Kritik daran gibt es gute Gründe. Und der Imageschaden für Kimmich wird deutlich größer sein als jeder mögliche Impfschaden, der ihm droht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.