https://www.faz.net/-gqe-13eci

Verbrauch der Deutschen : Täglich 25 Badewannen Wasser je Person

  • Aktualisiert am

Kostbares Gut: Wassertransport in Indien Bild: dpa

Der deutsche Wasserverbrauch liegt im europäischen Vergleich im oberen Drittel. Das hat der WWF in einer neuen Studie berechnet. Ein hoher Anteil geht für importierte Waren drauf, die aus Ländern kommen, in denen ohnehin Wassermangel herrscht.

          2 Min.

          Das Wassersparen hat nicht viel gebracht. Zwischen 1991 und 2007 sank zwar der Konsum je Kopf von 144 auf 124 Liter. Doch eine neue Studie der Umweltstiftung WWF hat den Deutschen jetzt vorgerechnet, dass sie viel größere Verschwender sind. Danach benötigt jeder Deutsche in Wahrheit täglich 5288 Liter Wasser, was in etwa dem Volumen von 25 Badewannen entspricht. Darin ist indes nicht nur der direkte Verbrauch für Waschen, Trinken, Kochen und für Rasensprenger enthalten, sondern auch das in Lebensmitteln oder in Industriegütern enthaltene „virtuelle Wasser“, das in der Produktion im In- und Ausland benötigt wurde oder auf dem Acker verdunstete.

          Nach dem Konzept des virtuellen Wassers wird der sogenannte Wasser-Fußabdruck berechnet, der die sozialen und ökologischen Folgen des Konsums misst. Gemessen an diesem Fußabdruck gehören die Deutschen zusammen mit Amerikanern und Japanern zu den größten Wassernutzern. Der globale Durchschnitt beträgt 3400 Liter täglich.

          Um etwa ein Kilogramm Rindfleisch zu erzeugen, benötigt man gemäß der Studie 15 500 Liter an virtuellem Wasser. Denn es dauere drei Jahre, bis ein Rind schlachtreif sei und daher müsse auch die Flüssigkeit für die Futtermittel einbezogen werden. Etwa die Hälfte des Wasserbedarfs wird als ausländisches Produkt importiert. Damit führt die Bundesrepublik, obwohl sie in einer wasserreichen Region der Erde liegt, jedes Jahr 79 Milliarden Kubikmeter Wasser ein, was in etwa dem Eineinhalbfachen der Wassermenge des Bodensees entspricht.

          Der größte Wasserverbraucher ist die Landwirtschaft

          Der größte Wasserverbraucher ist mit 73 Prozent die Landwirtschaft, während auf Industrieprodukte 22 und auf die Haushalte lediglich 3 Prozent entfallen. In der Landwirtschaft wird mehr virtuelles Wasser eingeführt als von heimischen Bauern verbraucht oder verschmutzt wird oder auf dem Acker verdunstet. Das meiste Wasser führt Deutschland über Agrargüter aus Brasilien ein, außerdem aus der Elfenbeinküste und aus Frankreich. Doch Deutschland zapft indirekt auch Wasserressourcen europäischer Staaten an, die regelmäßig mit Dürre und Trockenheit zu kämpfen haben - wie zum Beispiel die Türkei und Spanien. Allein für den Konsum von Kaffee und Kakao in Deutschland werden jedes Jahr 20 Kubikkilometer virtuelles Wasser importiert. Als besonders „durstige Güter“ gelten außerdem Rind- und Schweinefleisch, Oliven und Ölpalme sowie Baumwolle.

          „Verbraucher müssen darüber nachdenken, welche Produkte sie in welchen Mengen wann kaufen“, sagte die WWF-Wasserexpertin Dorothea August. Der WWF hofft, dass auf diese Weise Produktion mit hohem Wasserverbrauch - genau wie solche mit Kinderarbeit - sich in Zukunft nicht mehr rentiert. Dazu könnten die Verbraucher beitragen, beispielsweise indem sie weniger Fleisch konsumierten und ihren Warenkorb mit Produkten der Saison und Region füllten. Derzeit werde an einem Etikett gearbeitet, das beim Einkaufen deutlich machen soll, wie viel Wasser in der Produktion etwa von Lebensmitteln, T-Shirts und Gegenständen verbraucht wurde.

          Von der Bundesregierung verlangt der WWF, dass sie die Entwicklungszusammenarbeit nutzt, um Anreize für eine maßvolle und legale Bewässerung zu setzen. Es gehe nicht darum, die Produktion einzustellen, sondern sie effektiver zu gestalten. In Indien sei es beispielsweise geglückt, durch bessere Anbautechniken bei der
          Baumwollproduktion 30 bis 40 Prozent des Wasserverbrauchs einzusparen. Außerdem sollten innerhalb Europas Agrar-Subventionen nur ausgezahlt werden, wenn ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasserressourcen nachweisbar sei.

          Unternehmen sollten Regionen mit effizienter Wassernutzung bei der Rohstoffproduktion vorziehen. Große Supermärkte würden sich nicht generell gegen Wasserschutzmaßnahmen sperren, denn mögliche Versorgungsengpässe durch Wassermangel stellten auch für sie ein Risiko dar. Das Problem seien aber die hohen Kosten, die bei einer Analyse des Wasserverbrauchs anfallen würden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Robert Habeck und Annalena Baerbock sprechen die Sprache der grünen Neumitglieder.

          Eintrittswelle : Die neuen Grünen

          Anderen Parteien laufen die Mitglieder weg. Aber die Grünen, die gerade in Bielefeld auf ihrem Bundesparteitag zusammenkommen, können sich vor Aufnahmeanträgen kaum retten. Das schafft Probleme.
          Flugzeug von Korean Air in Frankfurt (Archivbild)

          Korean Air : Flugzeug-Kollision auf dem Frankfurter Flughafen

          Eine Boeing 777 der Korean Air ist in Frankfurt mit einem Flugzeug aus Namibia zusammengestoßen. Beide Maschinen wurden beschädigt. Den Unfall untersucht die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.