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Marihuana-Legalisierung : Der süße Duft verbreitet sich in Amerika

Im amerikanischen Bundesstaat Colorado ist der legale Anbau und freie Verkauf ein großer Erfolg Bild: dpa

Jeder fünfte Amerikaner hat künftig die Möglichkeit, legal Marihuana zu kaufen - dafür haben die Wähler in mehreren Bundesstaaten gesorgt. Für alle anderen gilt weiterhin ein Drogenverbot auf nationaler Ebene. Wird Trump daran rütteln?

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          Für die Marihuana-Lobby war die Wahlnacht fast ein Erfolg auf ganzer Linie. Der bevölkerungsreichste amerikanische Bundesstaat Kalifornien hat in einem Bürgerentscheid die Legalisierung der Substanz als reines Genussmittel beschlossen. Auch in Massachusetts, Nevada und Maine stimmten die Wähler für eine Freigabe der Droge. In drei weiteren Bundesstaaten, darunter Florida, wurde der Einsatz von Marihuana für medizinische Zwecke gebilligt. Nur in Arizona scheiterte ein Bürgerentscheid zur Legalisierung der Substanz.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Ausgang der Wahlen bringt Marihuana dem gesellschaftlichen Mainstream in Amerika ein großes Stück näher. Die Substanz wird nun zum puren Genuss in Bundesstaaten legal, die für mehr als 20 Prozent der Bevölkerung stehen. An der gesamten amerikanischen Westküste wird die Substanz nun erlaubt sein, und fast 30 Bundesstaaten werden sie als Therapiemittel anerkennen. „Dies ist ein monumentaler Erfolg der Reformbewegung für Marihuana“, sagte Ethan Nadelmann, der Geschäftsführer der Drug Policy Alliance, einer Vereinigung, die für eine Entkriminalisierung der Droge kämpft.

          Colorado war der erste Bundesstaat

          Kaliforniern, die mindestens 21 Jahre alt sind, wird es nun erlaubt sein, kleinere Mengen der Substanz zu besitzen und selbst bis zu sechs Pflanzen anzubauen. Der Bundesstaat an der Westküste war einst ein Pionier in der amerikanischen Legalisierungsbewegung und erlaubte Marihuana für medizinische Zwecke schon 1996. Mit der Freigabe als Genussmittel hat es seither also 20 Jahre gedauert, obwohl es auch in der Zwischenzeit schon recht leicht war, die notwendige ärztliche Genehmigung zu bekommen. Colorado war 2014 der erste Bundesstaat, der Marihuana offiziell als Genussmittel erlaubte. Danach folgten die Bundesstaaten Washington, Oregon und Alaska sowie die Hauptstadt Washington.

          Anbauer Anthony Nguyen verkauft Marihuana zu medizinischen Zwecken in einer Markthalle in Los Angeles.

          Befürworter der Legalisierung verweisen oft auf das Erfolgsmodell Colorado. Dort ist die Zahl der Drogendelikte seit 2014 erheblich gesunken, außerdem kann sich die öffentliche Hand über zusätzliche Steuereinnahmen freuen. Im vergangenen Jahr brachte das Geschäft Colorado nach Angaben der auf die Branche spezialisierten Analyse- und Investmentgruppe Arcview 135 Millionen Dollar an Steuern. In Kalifornien stehen ungleich größere Summen in der Diskussion, hier könnten Schätzungen zufolge eine Milliarde Dollar Steuern im Jahr zusammenkommen. Es gibt freilich noch immer Kritiker, die gegen eine Freigabe sind. Zu ihren Argumenten gehört es, dass etwaige negative gesundheitliche Auswirkungen von Marihuana noch nicht hinreichend untersucht seien und dass die Droge eine zusätzliche Gefahr für den Straßenverkehr bedeute.

          Mit dem Erfolg der Marihuana-Lobby bei den Wahlen wird nun umso deutlicher, wie widersprüchlich die Regeln auf regionaler und auf Bundesebene sind. Denn obwohl die Substanz nun in immer mehr Gegenden der Vereinigten Staaten erlaubt ist, bleibt sie auf Bundesebene bis heute verboten und steht sogar auf einer Stufe mit Heroin. Die Legalisierungsbefürworter erhoffen sich aber, dass ihr Vormarsch auf regionaler Ebene auch die Bundesregierung unter Handlungsdruck setzen wird. „Unter der Führung von Kalifornien wird sich die Marihuana-Prohibition auf nationaler und sogar auf internationaler Ebene sehr schnell dem Ende nähern“, sagte Ethan Nadelmann von der Drug Policy Alliance.

          Der Kongressabgeordnete Earl Blumenauer von der Demokratischen Partei sagte, die neue amerikanische Regierung solle „diesen toxischen und unproduktiven Krieg gegen Drogen“ nicht fortführen. Selbst der scheidende Präsident Barack Obama hat schon gesagt, die Position der Bundesregierung werde womöglich unhaltbar, je mehr Bundesstaaten ihre Verbote fallenließen. Sein designierter Nachfolger Donald Trump hat sich im Wahlkampf für die Genehmigung von Marihuana als Therapiemittel ausgesprochen, ansonsten aber gesagt, dies solle eine Angelegenheit der Bundesstaaten sein.

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