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Wahl in Amerika : Trumps Mannschaft für die Wirtschaft

  • -Aktualisiert am

Donald Trump in Wisconsin Bild: Reuters

Sein Beraterteam für Wirtschaftsfragen besteht aus 13 alten, weißen Männern. Allein das ist schon eine Provokation von Donald Trump. Für was stehen sie inhaltlich?

          Hedgefondsmanager, Unternehmer aus den Branchen Energiewirtschaft, Immobilien und Zigaretten und ein Wirtschaftsprofessor einer weniger bekannten Hochschule in Kalifornien bilden Donald Trumps Beraterteam für Wirtschaftsfragen. Einige von ihnen sind Milliardäre und bilden mit ihren Lebenswegen einen scharfen Kontrast zu den Karrieren der weißen Arbeiterklasse, die Trump so heftig zu umwerben trachtet.

          Einige könnten mit ihren Verbindungen zur Wall Street Trumps Versuche unterminieren, seine demokratische Widersacherin Hillary Clinton als Marionette der Wall Street zu karikieren. Der modernen Anforderung, dem Wahlpublikum stets gemischte Expertenteams zu präsentieren, widerstand Donald Trump einmal mehr:

          Es handelt sich bei ihm um 13 weiße Männer im gesetzten Alter. Auffällig ist schließlich, wer nicht dabei ist, aber das passt zu Trumps anti-elitärer Taktik, die herrschende akademische und bürgerliche Intelligenz zu attackieren.

          Keiner der alten Republikaner-Köpfe dabei

          Von den Ökonomen, die republikanische Präsidenten beraten haben, gehört kein einziger zu Riege. Greg Mankiw, Chefökonom des Weißen Hauses unter dem Präsidenten George W. Bush und renommierter Harvard-Professor wäre die natürliche Wahl für den Beraterjob eines republikanischen Kandidaten.

          Doch er verbreitete jüngst öffentlich: „Er (Trump) wird meine Stimme nicht bekommen.“ Mankiw fuhr fort, er sei zwar kein Fan der linken Politikagenda aus hohen Steuern und Expansion der Staatstätigkeit. Aber Trumps feindselige Haltung zum freien Handel disqualifizierte ihn. Dazu kämen Trumps psychische Probleme, sagte der Republikaner Mankiw.

          Der zweite interessante Namen, der auf der Liste fehlt, ist der von Arthur Laffer, der in den letzten Jahren als Berater von republikanischen Gouverneuren eine kleine Renaissance erlebte. Laffer hatte den Steuersenkungsprogrammen republikanischer Präsidenten einschließlich Ronald Reagan eine Blaupause geliefert mit seiner Laffer-Kurve, derzufolge Steuersenkungen das Steueraufkommen sogar erhöhen, weil sie wirtschaftliche Aktivität entfesseln.

          Bloß ein Professor

          Die Realität hat ihn aber nicht im gewünschten maß bestätigt. Aktuell arbeitete er Berichten zufolge an dem Steuersenkungsprogramm von Donald Trump mit, welches selbst von unparteiischen Institutionen als verhängnisvoll für den amerikanischen Staatshaushalt bewertet wurde.

          Der einzige Professor im Trump-Team: Peter Navarro

          Der einzige als Professor praktizierende Ökonom ist ein Mann namens Peter Navarro, der an der renommierten Universität von Irvine in Kalifornien lehrt. Navarro ist nicht sonderlich bekannt, zugleich aber außergewöhnlich aktiv. Wenn die Einschätzung seines Kollegen Tyler Cowen stimmt, dann gehört Navarro zu den politisch einflussreichsten Ökonomen der letzten Jahre.

          Einfluss hat er offenbar vor allem auf die Gedankenwelt der Republikanischen Partei genommen, die sich nach und nach von der Idee des Freihandels wegbewegt. Cowen bezeichnet Navarro als Neo-Merkantilisten. Merkantilisten sehen Importe als schädlich und Exporte als Bereicherung eines Landes an. Navarro arbeitet sich zuletzt in polemischen Büchern und einem polemischen Dokumentarfilm an China ab.

          Hetzreden gegen China

          Sie enthielten Cowen zufolge Hetzreden gegen Chinas Regierung wegen notorischer Betrügereien und Sklavenarbeit, fanden aber kein gutes Wort für den Erfolg des Landes, Hunderte Millionen Menschen aus der Armut zu holen. Navarros Haltung passt bestens zu Trumps Welt, Ökonomen von rechts bis links teilen sie dagegen nicht nur nicht. Sie finden sie grundfalsch.

          Investmentmanager Tom Barrack

          Die Tatsache, dass sich die großen Ökonomen nicht wieder finden in Trumps Team, bedeutet nicht, dass sich darin nur Leichtgewichte tummelten. Da wäre zum Beispiel John Paulson, Gründer und Chef des Hedgefonds Paulson & Co, der berühmt und reich damit wurde, als er 2007 gegen Amerikas faule Immobilien-Kredite wettete.

          Rund 15 Milliarden Dollar strich sein Fonds in jenem Jahr ein, er selbst ging Berichten zufolge mit vier Milliarden Dollar nach Hause in jenem Jahr. Später hatte er mit Wetten auf Gold weniger Glück.

          Erklärter Gegner von Obamas Klimapolitik

          Der an der Harvard Business School ausgebildete Paulson gilt als brillanter Kopf, zugleich könnte sein Werdegang dem politischen Gegner Munition geben, weil er an der für viele Amerikaner ruinösen Immobilienkrise reich geworden ist.

          Harold Hamm während einer Rede in Cleveland

          Ein weiterer interessanter Kopf in Trumps Riege ist der Energieunternehmer Harold Hamm, der einer der großen Wegbereiter des Frackings in den Vereinigten Staaten ist. Hamm hat als Kind armer Leute in Oklahoma aus dem Nichts den Milliarden umsetzenden Energiekonzern Continental Resources geschaffen und durch die vergangenen schwierigen Jahre gesteuert.

          Hamm ist eine erklärter Gegner Barack Obamas und dessen klimapolitischer Agenda, die in seinen Augen die Energiewirtschaft Amerikas stranguliert. Er gehörte konsequenterweise zu den ersten bedeutenden Unterstützern von Donald Trump.

          Mann aus der Zigarettenindustrie

          Die anderen Mitglieder des Beraterteams sind ebenfalls eher Schwergewichte der Wirtschaftswelt: Der Investor Thomas Barrack, dem unter anderem Michael Jackson Neverland gehört, ist dabei, der Finanzinvestor Steve Feinberg (Cerberus), der ehemalige Investmentbanker und Hedgefonds-Chef Steven Munchin, die Banker Stephen Calk und Andy Beal.

          Der New Yorker Immobilieninvestor Steve Roth ergänzt die Riege ebenso wie Howard Lorber, der als Immobilienunternehmer erfolgreich ist und zugleich wirtschaftliche Interessen in der Zigarettenindustrie verfolgt.

          Steven Moore ist eine Steuerexperte und David Malpass ist ein republikanischer Politiker, der eine Beratungsfirma für ökonomische Analysen betreibt. Dan DiMicco schließlich war einmal Vorstandschef des amerikanischen Stahlkonzerns Nucor und agitiert seit Jahren gegen die chinesische Konkurrenz. Das passt natürlich bestens.

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