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Was wäre wenn : Das Leben mit einem Präsidenten Trump

Noch etwas anderes trägt zur erheblichen Verstimmung des Präsidenten bei. Aus einem als sarkastisch empfundenen Bericht des „Wall Street Journals“ geht hervor, dass der mexikanischen Konzern Cemex der größte Nutznießer des Mauerbaus ist, ausgerechnet ein Mexikaner. Amerikas Talkmaster fallen brüllend vor Lachen über Donald Trump her und erinnern daran, dass die Aktienanalysten von Bernstein genau diesen Ausgang im Juli prophezeit hatten.

Ein weiterer Bericht aber erzürnt den Präsidenten regelrecht. Demzufolge sind die Baukosten in den amerikanischen Südstaaten deutlich gestiegen, was die Bautätigkeit zum Erliegen bringt und die wirtschaftliche Krise noch verschärft. Die Bauarbeiter werden knapp. Entweder werkeln sie an der Grenze oder sie verstecken sich vor der Polizei, die Jagd auf Illegale macht. Denn Trump hat ein logistisches Großprojekt begonnen: die Deportation der rund elf Millionen Illegalen in den Vereinigten Staaten. Zwei Jahre hat sich Trump für dieses Vorhaben gegeben. Das Vorhaben geht schwer ins Geld. Denn die Regierung muss die Zahl der Polizeikräfte, die für das Aufgreifen und Abschieben von Ausländern zuständig ist, mehr als verzehnfachen, auf etwa 90 000 Beamte. Auch die Kapazität der Abschiebelager und Abschiebegerichte muss sich verzehnfachen. Dazu kommen gewaltige Transportkosten für das Chartern von Bussen, Flugzeugen und Schiffen zum Abtransport. Und weil Arbeit und Konsum der Abgeschobenen fehlen, sinkt die Wertschöpfung der amerikanischen Volkswirtschaft um eine Billion Dollar. Bis zu 300 Milliarden Dollar kommen auf den amerikanischen Haushalt zu. Ein Nebeneffekt ist, dass viele Mütter und einige Väter ihre Jobs aufgeben, um ihre Kinder betreuen zu können. Die Nanny wurde abgeschoben.

Trump verhandelt Staatsschulden neu

Die fiskalische Krise ist nun nicht mehr zu verheimlichen, was den Präsidenten in eine besonders missliche Position bringt, weil er den Kongress davon überzeugen konnte, Obamacare außer Kraft zu setzen. 20 Millionen Versicherte sind bedroht. Doch für Trumpcare fehlt die Gegenfinanzierung. Zumal die unter den Republikanern durchgepeitschte Steuerreform weitere große Einnahmeverluste für den Fiskus mit sich bringt. Defizit und Schulden explodieren.

Trump belebt seinen alten Gedanken, ganz in Immobilienunternehmer-Manier die Konditionen der Staatsschulden nachzuverhandeln, um den Fiskus zu entlasten. Doch seine Berater legen diesmal ein Veto ein. Sie warnen vor einer nicht wieder gut zu machenden Beschädigung der Bonität der Vereinigten Staaten. Sie wollen weiteren internationalen Reputationsschaden von den Vereinigten Staaten abwenden. Der ist schon groß genug, seit Trump vor jubelnden Bergleuten in Kentucky die Aufkündigung des Klimaschutzabkommens erklärt hat und sämtliche Klimaauflagen für Kraftwerke außer Kraft gesetzt hat.

Auf Trumps Gemüt schlägt vor allem, dass die strafrechtliche Verfolgung von Hillary Clinton nicht richtig vorankommt. Auch die juristischen Schritte gegen den Harvard-Professor und ehemalige Finanzminister Larry Summers haben nichts gebracht. Summers hatte 2016 vor der Wahl gesagt: „Ich glaube, ein Präsident Donald Trump wäre die größte Bedrohung für unseren Wohlstand, unsere Sicherheit und unsere Freiheit, seit ich erwachsen bin.“

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