https://www.faz.net/-gqe-8n3ma

Was wäre wenn : Das Leben mit einem Präsidenten Trump

Auf den Finanzmärkten bricht nach den Ankündigungen Panik aus. Die Aktienkurse fallen auf breiter Front, an der Spitze die Papiere von Walmart, Amazon und Apple. Die Sorge der Akteure ist, dass ein Handelskrieg mit China die Umsätze der amerikanischen Großkonzerne gefährdet, weil diese sich durch Importzölle zu Preissteigerungen gezwungen sehen. Dramatische Einbrüche verzeichnen auch chinesische Aktien. Erste Experten malen das Gespenst einer neuen globalen Finanzkrise an die Wand.

Trump macht sich schon bald daran, sein wichtigstes Wahlversprechen einzulösen: die Reform der amerikanische Immigrationspolitik. Das Vorhaben hat die zwei bekannten Elemente: Eine etwa 1600 Kilometer lange Mauer auf der Grenze zu Mexiko, die vom südlichen Nachbarn zu bezahlen ist, und eine Deportation von elf Millionen illegalen Immigranten.

Resonanz aus dem linken Lager

Das Projekt stößt auf große Probleme. Das Verhältnis zu Mexiko hat sich wegen der Nafta-Krise frostig entwickelt. Diplomatische Vorstöße, die mexikanische Seite davon zu überzeugen, im gemeinsamen Interesse an dem Bau einer Grenzmauer finanziell mitzuwirken, werden kühl zurückgewiesen. Selbst die besten Unterhändler, die Trump für sein Regierungsteam von Industrie- und Immobilienkonzernen rekrutiert hat, kommen mit leeren Händen aus Mexico-City zurück. Doch Trump kann auch anders. Er lässt nun entsprechend seiner Ankündigungen prüfen, ob seine Regierung die grenzüberschreitenden Überweisungen, die illegale Immigranten ihren Familien in Mexiko schicken, konfiszieren kann. Das stößt auf rechtliche und technische Probleme. Bisher waren zwar Konten von Schwerkriminellen und Terroristen beschlagnahmt worden, aber nicht von illegalen Arbeitern. Aber Trump verschärft diese Praxis. Dennoch fließen die Einnahmen spärlich. Die Leute suchen sich alternative Geldtransfersysteme.

Trump findet einen Weg, der Öffentlichkeit die Grenzmauer als größtes Beschäftigungsprogramm seit dem New Deal zu verkaufen. Zugleich bewahrt der Wall den amerikanischen Arbeiter vor unfairer Konkurrenz und schneidet den mexikanischen Drogenhändlern den Weg nach Norden ab. Angesichts der wirtschaftlichen Verwerfungen, unter denen die Vereinigten Staaten inzwischen leiden, stoßen diese protektionistischen Maßnahmen auch im linken Lager auf Resonanz. Einige Demokraten stimmen für die Mauer und sichern damit ihre Finanzierung. Die hat sich gewaschen. Erste Kalkulationen des Präsidenten, die Mauer würde zehn Milliarden Dollar kosten, verdunsten schnell in der sengenden Hitze New Mexicos. Bald kommt man auf Investitionssummen von 25 Milliarden Dollar, dazu jährliche Unterhaltungskosten in Milliardenhöhe.

Die Bauarbeiter werden knapp

Ärgerlich ist für Trump, der mit Termintreue zu prahlen pflegt, die lange Bauzeit. Sie wird von Ranchern verzögert, die ihr Land nicht hergeben wollen. Indianer ketten sich an Baumaschinen, weil die Mauer heilige Gebiete zu durchqueren droht. Und Umweltschützer nutzen jedes Rechtsmittel, um die Zerteilung von Siedlungsgebieten geschützter Tiere zu verhindern.

Weitere Themen

Topmeldungen

Spuren der Verwüstung: Ein Mann steht in einem zerstörten Mehrfamilienhaus in Tartar, Aserbaidschan.

Rohstoffförderer Aserbaidschan : Der Krieg einer Öl-Macht

Aserbaidschan liefert wichtige Rohstoffe nach Europa. Ein militärischer Konflikt mit Armenien könnte die Handelsbeziehungen nun gefährden. Die Türkei will das verhindern – aus eigenem Interesse.
Zyprischer Präsident Nikos Anastasiadis (r.) mit EU-Ratspräsident Charles Michel

Gasstreit im Mittelmeer : Alle schauen auf Zypern

Die EU-Staaten suchen bei ihrem Sonderrat in Brüssel eine Haltung zur Türkei. Emmanuel Macron und Angela Merkel setzten vor dem Gipfel unterschiedliche Akzente.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.