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Nun auf Versöhnung? : Trump: „Ich bin komplett für die EU“

  • Aktualisiert am

Donald Trump hinter seinem Schreibtisch im Oval Office. Bild: Reuters

Bislang hat der neue amerikanische Präsident öffentlich eher schlecht über die Europäische Union geredet. Nun äußert er sich ganz anders - auch anders als einer seiner wichtigsten Mitarbeiter.

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          Im Weißen Haus unter Präsident Donald Trump gibt es zu manchem Thema verschiedene Sichtweisen. Die Europäer interessiert dabei naturgemäß vornehmlich, welche Sicht die neue Regierung auf den „alten Kontinent“ pflegt, auf dem sich die meisten Länder längst zur Europäischen Union zusammengeschlossen haben und in der Folge viele Aufgaben gemeinsam in Brüssel erledigen. Zum Beispiel in der für wirtschaftlichen Erfolg so wichtigen Handelspolitik treten sie als ein Block auf - der dann Abkommen mit Kanada (Ceta) und den Vereinigten Staaten (TTIP) verhandelt.

          Der Wahlsieg Trumps hat deshalb erst einmal verunsichert. Positiv hat der Immobilienmilliardär nicht über die EU gesprochen und sogar die Brexit-Entscheidung der Briten gelobt. Dann ließ er seinen in Handelsfragen wichtigen Berater Peter Navarro über die angelsächsische Presse ausrichten, dass die EU und der Euro ja nur Vehikel seien, mit denen Deutschland letztendlich die anderen Länder „ausbeute“. Sein Chefstratege Steve Bannon soll dann kurz vor einem Besuch des Vizepräsidenten Mike Pence in Deutschland und Brüssel dem deutschen Botschafter in Washington noch einmal persönlich gesagt haben, dass er lieber bilateral mit einzelnen Ländern und nicht mit der EU verhandeln und Verträge abschließen würde. Beides kam auf dieser Seite des Atlantiks nicht sonderlich gut an.

          „Wundervoll, wenn sie glücklich sind“

          Ganz anders dann der Auftritt des Vizepräsidenten selbst. Der reiste nach Brüssel, traf den EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker und den Ratspräsidenten Donald Tusk. Und sagte beiden vor laufenden Kameras: „Es ist mir eine Ehre, heute im Auftrag von Präsident Trump zu erklären, dass die Vereinigten Staaten sich der weiteren Zusammenarbeit und Partnerschaft mit der EU verpflichtet fühlen.“

          Pence ist der (vom Volk gewählte) zweite Mann im Weißen Haus, kein angestellter Berater. Gleichwohl blieben manche Zweifel, gilt doch gerade Chefstratege Bannon als äußerst einflussreich und starke Figur in der Trump-Führung.

          Nun allerdings hat sich der Präsident selbst zu Wort gemeldet und eher so gesprochen wie sein Stellvertreter Pence. In einem Interview mit der Finanznachrichtenagentur Reuters bezeichnete er den Staatenverbund gar als „wundervoll“, wenn auch mit einer kleinen Einschränkung: „Die EU - ich bin komplett dafür. Ich denke, sie ist wundervoll, wenn sie (die Europäer, a.d.R.) glücklich sind. Wenn sie glücklich sind, bin ich dafür.“

          Auch zur Entscheidung der Briten, die EU verlassen zu wollen, äußerte er sich etwas weniger zustimmend als zu anderen Gelegenheiten, als er das Vereinigte Königreich noch als „clever“ bezeichnet hatte. Er sagte nun, er habe „sehr gute Beziehungen zur EU, aber ich dachte, die Briten würden austreten, und ich hatte Recht“. Bekanntlich sagte Trump auch schon einmal voraus, dass weitere Länder dem britischen Beispiel folgen würden.

          Nach all den Äußerungen bleibt abzuwarten, wie die amerikanische Politik konkret ausgestaltet sein wird gegenüber Europa und im Rahmen anderer internationaler Gremien. Am 17. und 18. März treffen sich beispielsweise die Finanzminister und Notenbank-Gouverneure der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer zum G20-Gipfel in Baden-Baden. Erstmals dabei sein wird dann auch der neue amerikanische Kassenwart Steven Mnuchin. Donald Trump selbst hat auch schon zugesagt, im Mai zum Treffen der Regierungschef nach Deutschland zu reisen. An diesem Freitag will er eine Rede halten vor einer wichtigen Vereinigung amerikanischer Konservativer.

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