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Ursula von der Leyen im Interview : „Kinder sind nicht nur eine Privatangelegenheit“

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Hält nichts von einem Markt für Krippen: Ursula von der Leyen Bild: F.A.Z./Christian Thiel

Ursula von der Leyen sagt im Interview, warum bei Kinderkrippen der Markt nicht funktioniert, Kinder nicht nur eine private Angelegenheit sind und Konservative und Sozialdemokraten letztlich das Gleiche wollen.

          Ursula von der Leyen sagt im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, warum bei Kinderkrippen der Markt nicht funktioniert, Kinder nicht nur eine private Angelegenheit sind und Konservative und Sozialdemokraten letztlich das Gleiche wollen.

          Frau von der Leyen, 65 Prozent der Bevölkerung unterstützen Ihre Pläne für mehr Kinderkrippen. Mehr können Sie sich doch gar nicht wünschen?
          Es geht nicht darum, was ich mir wünsche. Es geht darum, jungen Menschen heute in ihren konkreten Lebenssituationen zu ermöglichen, auch die Kinder zu haben, die sie sich wünschen. In einer Atmosphäre, in der Kindererziehung in einen Gegensatz zu ihrer Berufstätigkeit gestellt wird, fällt es jungen Frauen schwer, sich für das eine oder andere zu entscheiden.

          Ist die Entscheidung für ein Kind nicht immer eine private Frage?
          Das ist sie. Das wird sie auch immer bleiben. Junge Menschen wollen Eltern sein. Wenn das aber schwer zu verwirklichen ist, weil es für junge Frauen bedeutet, den Beruf aufzugeben, zögern sie oder verzichten auf Kinder. Vater und Mutter haben in allen Gesellschaften gearbeitet, damit die Kleinen und die Alten gut versorgt waren. Und die Großfamilie hat sich mit den Eltern darum gekümmert, dass die Kinder durchs Leben geleitet werden. Die Großfamilie gibt es heute nicht mehr. In der modernen Gesellschaft müssen wir deswegen andere Räume schaffen, die es ermöglichen, dass Eltern berufstätig sein können und Zeit für ihre Kinder haben.

          Und Sie glauben, diese Aufgabe kann nur der Staat übernehmen?
          Nicht allein. Aber schauen Sie sich die Wartelisten in den Kindertagesstätten an. Wenn sich auf einen Platz 120 Eltern gleichzeitig bewerben, dann sehen wir, dass hier von selbst wenig passiert ist. Wir finanzieren auch Straßen, Busse und Bahnen gemeinsam, damit Menschen zur Arbeit fahren können. Und wir sagen auch nicht, die Arbeitnehmer können das ja allein bauen und finanzieren, wenn sie sich den Luxus leisten wollen zu arbeiten. Wir sind schon viel zu lange den Weg gegangen, dass Kinder ausschließlich eine Privatangelegenheit sind . . .

          „Wir haben die Aufgabe, die Qualität der Kinderbetreuung zu sichern”

          . . . das bestreiten Sie?
          Es wäre sehr bequem für einen Staat, Kinder ausschließlich als Privatangelegenheit zu betrachten. Dann brauchte er nichts zu tun. Ich wünsche mir ein Land, in dem Kinder ein gemeinsames Anliegen von allen sind und in dem junge Menschen sich darin unterstützt fühlen, dass sie aus eigener Kraft ihren Lebensunterhalt verdienen können.

          Warum setzt eine konservative Ministerin nicht lieber auf den Markt?
          Das deutlichste Argument gegen den reinen Markt sind seit Jahren die Wartelisten. Würde der Markt funktionieren, dürfte es die eigentlich nicht geben. Es dürfte nicht sein, dass wir in Westdeutschland nur für acht Prozent der Kleinkinder Betreuungsangebote haben, obwohl die Nachfrage deutlich höher ist.

          Und deshalb wollen Sie die Kinderbetreuung jetzt verstaatlichen?
          Ich empfinde es fast schon als zynisch, bei einem angestrebten Angebot von Tagesmüttern und Krippenplätzen für ein Drittel der Eltern von Verstaatlichung der Kinderbetreuung zu sprechen. Mit unserer Förderung von Tagesmüttern und betrieblicher Kinderbetreuung bringen wir außerdem privatwirtschaftliche Elemente mit in die Kinderbetreuung hinein.

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