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Die Briten stimmen ab : Maurice Saatchi träumt von Eutopia

Er will die Lösung für Großbritannien gefunden haben: Unternehmer Maurice Saatchi. Bild: interTOPICS /Jason Alden

Der erfolgreiche britische Unternehmer Maurice Saatchi macht vor der Abstimmung über die EU einen Vorschlag: Weg vom Europa à la Merkel - hin zur Vorherrschaft der Briten. Den Grund nennt er auch.

          Die Leidenschaft für provokante Ideen hat sich Maurice Saatchi auch im Fast-Ruhestand erhalten. Diese Woche skizzierte der ehemalige Werber seine ganz persönliche Stimmungslage zum Brexit in einem Gastbeitrag im britischen „Telegraph“.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Beide Wahlmöglichkeiten im anstehenden Referendum sind demnach absolut inakzeptabel. In der Europäischen Union zu bleiben sei zu frustrierend. Auszutreten wiederum sei zu riskant. Kein Wunder, dass das Land so gespalten sei, konstatiert Saatchi. Doch er glaubt einen Ausweg zu wissen: „Eutopia“ nennt er ihn – ein Europa ganz so, wie Großbritannien es sich vorstellt.

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          Das bedeutet zuvorderst: keine Gängeleien mehr aus Brüssel, aber dafür alle Freiheiten des Handels. Warum sein Eutopia Wirklichkeit werden solle, schreibt Saatchi dann auch noch: Es sei schließlich nur noch eine Frage der Zeit, bis Großbritannien mehr Einwohner habe als Deutschland. Höchste Zeit also für einen Wechsel weg vom Europa à la Merkel hin zur Vorherrschaft der Briten. Die soll der Premierminister nach dem Willen von Saatchi sogleich am 24. Juni einleiten – gestützt durch ein „Remain“-Votum und jede Menge Statistiken zur demographischen Entwicklung.

          Saatchi hat den Beitrag in seiner Rolle als Vorsitzender des „Centre for Policy Studies“ geschrieben, einer auf der Insel angesehenen Denkfabrik. Es ist seine Form von Ruhestand, seit er sich mit seinem einstigen Metier, der Werbebranche, überworfen hat.

          Im Jahr 1970 gründete Saatchi, damals noch ein unbekannter Anzeigenverkäufer, gemeinsam mit seinem Bruder die Agentur Saatchi & Saatchi in London. Binnen weniger Jahre wurde sie zu einer der führenden Adressen der Branche. Schon damals mischte Saatchi im Politikgeschäft mit, gestaltete Ende der siebziger Jahre die Plakate für Margaret Thatcher, was der Agentur den Spitznamen „Thaatchi & Thaatchi“ einbrachte.

          Doch die Brüder erweiterten das Geschäftsmodell der Agentur immer weiter, bündelten mehr als 100 Tochtergesellschaften aller Art unter ihrem Dach. Selbst für zwei britische Banken gaben sie Kaufangebote ab – allerdings erfolglos. Spätestens das werteten Spötter als Zeichen von Größenwahn, und tatsächlich ging es danach steil bergab. Nach mehreren verlustreichen Jahren verabschiedete sich Charles Saatchi 1993 aus der Geschäftsführung, Bruder Maurice wurde 1995 von den inzwischen zahlreichen Anteilseignern aus seinem Unternehmen gedrängt. Er gründete daraufhin die Agentur „New Saatchi“, die jedoch nicht an die alten glanzvollen Zeiten anknüpfen konnte.

          Charles Saatchi macht heute vor allem mit seiner Kunstsammlung und der Londoner Saatchi Gallery von sich reden, während Maurice sich politisch engagiert. Zwischen 2003 und 2005 war er Vizechef der Konservativen, jetzt ist er ihr Eutopia-Beauftragter. Am Dienstag, zwei Tage vor dem Referendum, wird Maurice Saatchi 70 Jahre alt.

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