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Unabhängigkeits-Referendum : Was passiert, wenn die Schotten „Yes“ sagen?

Andererseits hängt viel von der Tonlage ab. Auch Analysten und Investoren werden sehr genau hinhören: Klingen Cameron und Salmond nach dem langen und erbittert geführten Wahlkampf hart oder eher versöhnlich? Es wird eine politische  Herkulesaufgabe, sich darauf zu einigen, wie das Vereinigte Königreich aufgeteilt wird – und gehen beide Seiten auf Konfrontationskurs, wird sie noch viel schwerer. Die Liste der Verhandlungspunkte ist sehr lang: Was wird aus der Währung, Banken und Nordseeöl? Wie wird mit den in Schottland stationierten britischen Atomwaffen verfahren und wie werden das Gesundheitssystem und die staatliche IT-Infrastruktur getrennt?

Trotz der vielen Fragezeichen, gibt es am Londoner Aktienmarkt an diesem Morgen wahrscheinlich nicht nur Verlierer: Exportstarke britische Unternehmen könnten vom zu erwartenden Schwächeanfall des Pfunds durchaus profitieren. Die beiden schottischen Bankriesen RBS und Lloyds zählen allerdings zu den großen Verlierern der Unabhängigkeit: Die Institute werden voraussichtlich bekräftigen, dass sie ihren Hauptsitz von Schottland nach England verlagern, um dauerhaft den Schutz der britischen Notenbank zu genießen und ihre Währungsrisiken zu begrenzen. Beide haben ebenso wie andere schottische Finanzdienstleister den Umzug bereits angekündigt. Die Aktionäre werden gespannt darauf warten, ob die Unternehmern nun bereits mehr zu sagen haben: Wie lange wird die juristisch komplexe Umsiedlung dauern? Wie teuer wird sie werden? Wie stark wird das Geschäft leiden?

Gebannt verfolgen die Anleger in der City am Freitag auch die Entwicklung im Regierungsviertel Westminster: Ist die politische Karriere von David Cameron nach der historischen Wahlschlappe beendet? Zeichnet sich in der Konservativen Fraktion im Unterhaus ein Putsch gegen den Premierminister ab oder scharen sich genügend Abgeordnete um den angeschlagenen Regierungschef? Für Großbritannien, aber auch für den Finanzmarkt ist das sehr wichtig: Das Land braucht eine stabile und handlungsfähige Führung, die sofort das Krisenmanagement anpackt. Manche Beobachter halten es deshalb für denkbar, dass in London im nationalen Interesse vorübergehend eine große Koalition gebildet wird, der auch die Labour Party als größte Oppositionspartei angehört.

Aber die Auswirkungen des Referendums reichen weit über Großbritannien hinaus. Aus politischer und ökonomischer Sicht wird am Freitag eine der wichtigsten Reaktionen die aus Brüssel sein: Ein unabhängiges Schottland scheidet automatisch aus der Europäischen Union aus und verliert damit auch den freien Zugang zum europäischen Binnenmarkt – ein Albtraum für viele schottische Exportunternehmen. Natürlich will die schottische Regierung zurück in die EU, aber dem Aufnahmeantrag müssten alle bisherigen Mitglieder zustimmen. Die Spanier, die selbst mit einer Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien zu tun haben, aber möglicherweise auch andere, könnten sich querstellen. Wie also klingt die Erklärung der EU zur schottischen Unabhängigkeit: Frostig, wohlwollend oder nichtssagend? Das Ende des Vereinigten Königreichs in seiner bisherigen Form ist nicht nur für die Briten, sondern auch für Europa Neuland.

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