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Hohe Feinstaubbelastung : Paris sperrt alte Abgasschleudern aus

Problem Feinstaub: An manchen Tagen wirkt der Smog der französischen Hauptstadt undurchdringlich. Bild: AFP

Bald dürfen betagte Autos, Lastwagen und Busse nicht mehr in die Pariser Innenstadt fahren. Stattdessen bekommen Autobesitzer 400 Euro für ein Fahrrad oder ein Jahresticket für die Métro.

          Die Stadt Paris macht mit der Abgasbekämpfung Ernst: Der Stadtrat hat am Montag einen Plan der sozialistischen Bürgermeisterin Anne Hidalgo verabschiedet, nach dem schon von diesem Juli an ältere Lastwagen und Busse nicht mehr in die Innenstadt fahren dürfen. Ohne Abstimmung setzte Hidalgo ein umfassendes Programm durch, das aus Verboten und finanziellen Hilfen zur Umstellung auf abgasarme Transportmittel besteht. Danach dürfen vom 1. Juli 2015 an zwischen 8 und 20 Uhr an allen Wochentagen keine Lastwagen und Busse fahren, die älter als 14 Jahre sind.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Ein Jahr später sollen dann werktags Personenwagen, die vor 1997 zugelassen wurden, verboten werden. Bis 2020 sollen die Anforderungen steigen, so dass in fünf Jahren nur noch ab 2011 zugelassene Diesel- und Benzinfahrzeuge mit den Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 erlaubt sind. Von den Fahrverboten betroffen ist das Stadtzentrum von Paris, das innerhalb des Autobahnrings „Périphérique“ liegt. Auch die Zweiräder werden nach dem Willen der Bürgermeisterin den schrittweise ausgeweiteten Verboten nicht entgehen. Im kommenden Jahr sollen nur noch jene Modelle Zugang haben, die jünger als sechzehn Jahre sind.

          Paris ist seit langem Opfer von hohem Schadstoffaufkommen, vor allem von Feinstaub. Bei größeren Teilchen (weniger als 10 Mikrometer nach dem PM-Standard) wurde zwar zwischen 2002 und 2012 ein Rückgang von 35 Prozent gemessen, doch bei kleineren Teilchen ist die Belastung fast unvermindert hoch. Die Stadtverwaltung will deshalb auch weitgehend autofreie Zonen einrichten sowie Fahrspuren, die nur abgasarmen Autos vorbehalten sind.

          Regierung unterstützt Fahrradkauf

          Wer sein altes Auto künftig nicht mehr benutzen darf, soll finanzielle Hilfen für andere Transportmittel erhalten. Für die Trennung von einem mindestens 14 Jahre alten Auto darf der Pariser beispielsweise mit einem Zuschuss von 400 Euro für den Kauf eines Fahrrads rechnen. Alternativ könnte er ein Jahr kostenlos mit den öffentlichen Transportmitteln sowie mit Mieträdern der Stadt fahren. Bei den städtischen Mietautos winkt ein Rabatt von 50 Prozent.

          Die Lobby der Autofahrer hat Proteste gegen die Maßnahmen angekündigt. Die konservative Opposition im Stadtrat warf der Bürgermeisterin vor, dass künftig die Randkommunen um Paris herum stärker belastet würden. Bei Lastwagen und Bussen hätte Hidalgo zudem weiter gehen sollen, findet die Oppositionsführerin Nathalie Kosciusko-Morizet. In London seien heute schon die Fahrzeuge des Schwerverkehrs verboten, die vor Oktober 2006 zugelassen wurden.

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