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Umweltverschmutzung : Brandrodung sorgt für dicke Luft in Südostasien

Eine Umweltsünde wird zum Politikum Bild: REUTERS

Rauch verhüllt Singapur, Malaysia, Thailand und Indonesien. Die Luftverschmutzung durch gelegte Wald- und Buschbrände nimmt immer größere Ausmaße an. Auch die Wirtschaft wird bedroht. Mit Bilderstrecke.

          Erst war der Rauch nur eine Umweltsünde. Dann wurde er zur Gesundheitsgefährdung und damit zum Politikum. Und nun steigt die Sorge, er werde die Volkswirtschaften in Südostasien in Mitleidenschaft ziehen. Riesige Aschewolken bedecken den Himmel über weiten Teilen Indonesiens, Südthailands, Malaysias und der südostasiatischen Wirtschaftsmetropole Singapur. Sie entstehen, weil Bauern und Plantagenbesitzer vor allem auf der indonesischen Insel Sumatra und im indonesischen Teil der Insel Borneo Feuer legen, um Waldflächen und Buschland zu roden.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Indonesien muß mit dem Problem effektiv und schnell fertig werden, damit das Vertrauen der Investoren nicht beeinträchtigt wird, Indonesiens internationales Ansehen nicht beschädigt wird und die südostasiatische Staatengemeinschaft Asean ihre Glaubwürdigkeit nicht verliert“, schrieb Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong seinem indonesischen Amtskollegen Susilo Bambang Yudhoyono. Bei einer Sonderkonferenz Ende vergangener Woche erzielten die Umweltminister keine greifbaren Ergebnisse. Der letzte große „Haze“, wie der Rauch in Südostasien genannt wird, soll die betroffenen Volkswirtschaften 1997 mehr als 4,5 Milliarden Dollar gekostet haben.

          Gesundheitsgefährdendes Niveau

          Die Tropensonne ist in Singapur seit Tagen nur als milchig-orangefarbener Ball zu sehen, der Himmel wirkt bleigrau wie im deutschen November. Die Augen röten sich, der Brandgeruch sticht in der Lunge, Kinder und Alte sollen sich nicht an der Luft aufhalten, an Joggen ist nicht zu denken. Am Montag riet Singapurs Regierung den Bürgern, möglichst zu Hause zu bleiben, weil die Luftverschmutzung ein gesundheitsgefährdendes Niveau erreicht hat.

          Joggen geht längst nicht mehr bei der Luftverschmutzung über Singapur

          Satellitenbilder, die die Nasa Singapur zur Verfügung stellt, zeigen fast 700 Feuer im indonesischen Teil Borneos, fast 400 auf Sumatra. Mitte Juli waren es dort noch 270 gewesen. Fachleute schätzen, daß die Indonesier zur Zeit mehr als 180.000 Hektar Land angesteckt haben. Auf billige Weise gewinnen sie so Plantagenland. Darauf bauen sie vor allem Ölpalmen an, die derzeit die besten Erträge bringen. Ein Märchen freilich ist es, daß nur arme Eingeborene zum Mittel der Brandrodung greifen.

          Sicht beträgt keine 200 Meter

          1997, beim letzten großen Haze in Südostasien, wurden mehr als zwei Drittel der Feuer auf den Plantagen multinationaler Konzerne gelegt, die ihren Sitz außerhalb Indonesiens haben. Das Pikante daran: Nicht wenige von ihnen dürften in Singapur beheimatet sein, zumal über dessen Hafen auch ein großer Teil der auf den indonesischen Plantagen gewonnenen Rohstoffe verschifft wird.

          Längst ist der klebrig-schwarze Rauch ein alljährlich wiederkehrendes Ärgernis - allen Beteuerungen Indonesiens zum Trotz, das Problem in Angriff zu nehmen. Die Sicht im Brandgebiet selber beträgt seit Wochen keine 200 Meter mehr. Indonesien aber hat weder das Geld noch die Ausstattung, großflächige Brände zu löschen. Fraglich ist, ob einzelne Provinzregierungen und Stadtverwaltungen überhaupt willens sind, die Bauern zu bremsen. Die langfristigen Kosten, etwa für gesundheitliche Schäden, werden vernachlässigt.

          Straße von Malakka ist verdunkelt

          Prominente Leidtragende der Lage war Benita Ferrero-Waldner: Die Außenkommissarin der Europäischen Union besuchte in der vergangenen Woche die malaysische Hauptstadt Kuala Lumpur, danach den benachbarten Stadtstaat Singapur, um engere Verbindungen aufzunehmen. „Wir bekommen den Haze in beiden Städten zu spüren. Das zeigt, wie wichtig es ist, auch beim Thema Umweltschutz über Grenzen hinweg zu handeln“, sagte Ferrero-Waldner anschließend. Andere werden noch deutlicher. „Die aus dem Ausland Entsandten werden hier nicht lange bleiben, wenn das mit dem Haze so weitergeht. Der Standort Singapur kann sich solche Zustände nicht leisten. Es wird wohl gezwungen sein, Indonesien auch finanziell unter die Arme zu greifen“, sagt Joachim Ihrcke, der stellvertretende Vorsitzende der Europäischen Handelskammer in Singapur.

          Der Rauch gefährdet nicht nur die Gesundheit. Die Schiffe in der engen Straße von Malakka zwischen Indonesien und Malaysia sind extrem in ihrer Sicht beeinträchtigt. Ihr Hupen, sonst nur nachts in der Hafenstadt zu hören, erklingt nun auch den ganzen Tag über. Die Sicht ist inzwischen von normalerweise 19 Kilometer bei Tageslicht auf nur noch 1,6 Kilometer gesunken. Die Straße von Malakka ist der wichtigste Schiffahrtsweg der Erde: Mehr als 50.000 Frachter verkehren hier im Jahr, transportieren 40 Prozent der Handelsgüter der Erde und 80 Prozent des Energienachschubs für die zweit- und die viertgrößte Volkswirtschaft der Erde, Japan und China.

          Erste Schiff- und Flugzeugunglücke

          Auf dem indonesischen Batanghari-Fluß stießen im rauchigen Nebel schon zwei Schiffe zusammen, ein Passagier wird noch vermißt. Die Hafenbehörde von Singapur, dem wichtigsten Containerhafen der Welt, hält seit Anfang Oktober eine Warnung aufrecht. „Wir senden inzwischen stündlich Lageberichte an alle Schiffe in unserem Verkehrsraum“, heißt es dort.

          Ein erstes Flugzeugunglück in Ostkalimantan auf Borneo wurde der geringen Sicht im dicken Haze schon zugeschrieben. Der Flughafen im indonesischen Riau mußte am Sonntag aufgrund der geringen Sicht geschlossen bleiben. In Kalimantan auf Borneo wurden wegen der Gesundheitsbelastung die ersten Schulen geschlossen.

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