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Umweltschutz : Obama will sparsamere Autos

  • -Aktualisiert am

Schön, aber durstig: ein Pontiac GTO aus dem Jahr 1964 Bild: Reuters

Vom Jahr 2016 an - vier Jahre früher als bisher geplant - sollen in Amerika neue Autos mit einer Gallone Benzin mindestens 39 Meilen fahren können. Das entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von ungefähr 6 Litern auf 100 Kilometern.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama setzt seine Umwelt- und Klimapolitik mit einer Verschärfung der Abgasvorschriften für Autos fort. Vom Jahr 2012 an sollen erstmals landesweit einheitliche Regeln für den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase von Autos gelten. Vom Jahr 2016 an, vier Jahre früher als bisher geplant, sollen neue Personenkraftwagen mit einer Gallone Benzin oder Diesel (3,8 Liter) mindestens 39 Meilen fahren können. Das entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von ungefähr 6 Litern auf 100 Kilometern. Derzeit sind es 8,63 Liter. Leichte Lastwagen, zu denen auch die lange Zeit beliebten Geländewagen zählen, müssen dann mit einer Gallone 30 Meilen fahren können, 7 Meilen weiter als bisher.

          Fachleute der amerikanischen Regierung sagten, die schärferen Vorschriften führten dazu, dass über die Lebensdauer der neuen Autos hinweg insgesamt in Amerika 1,8 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Öl weniger verbraucht und rund 900 Millionen Tonnen klimaschädliche Treibhausgase weniger ausgestoßen werden. Das sei das Gleiche, wie wenn 177 Millionen der derzeit fahrenden Autos von der Straße genommen oder 194 Kohlekraftwerke geschlossen würden. Obama strebt damit eine beschleunigte Umsetzung der Vorgaben jenes Energiegesetzes an, das der damalige Präsident George Bush im Dezember 2007 unterzeichnet hat. Es ist die erste Verschärfung der Verbrauchsvorschriften für Personenwagen in Amerika seit mehr als zwei Jahrzehnten. Die Umweltschutzbehörde, die Environmental Protection Agency (EPA), und das Verkehrsministerium sollen auf Geheiß Obamas in den kommenden Wochen einen formellen Plan zu den vorgesehenen Maßnahmen aufstellen.

          Vorbild Kalifornien

          Obama richtet sich an den Abgas- und Verbrauchsvorschriften aus, die der Bundesstaat Kalifornien seit geraumer Zeit in Kraft setzen wollte. Die EPA der Regierung Bush hat Kalifornien dies aber untersagt mit dem Argument, es dürfe keinen Flickenteppich bundesstaatlicher Vorschriften geben, sondern es müsse eine nationale Lösung gefunden werden. Kalifornien und auch einer Reihe anderer Bundesstaaten war der bisherige Zeitplan der Regierung zur Umsetzung der schärferen Verbrauchsvorschriften aber nicht ehrgeizig genug. Berichten zufolge haben sich die Automobilhersteller bereit erklärt, Klagen gegen die Rechtmäßigkeit bundesstaatlicher Vorgaben für den Kraftstoffverbrauch und den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen klimaschädlichen Treibhausgasen zurückzuziehen.

          Ungewiss ist derzeit noch, welche staatlichen Hilfen den ohnehin angeschlagenen Automobilunternehmen angeboten werden, damit sie die Entwicklung sparsamerer Autos schneller vorantreiben können. In der Vergangenheit haben sie zu diesem Zweck zinsgünstige Darlehen in Milliardenhöhe aus Washington erhalten. Im vergangenen Jahr hatte das Verkehrsministerium geschätzt, dass ein Verbrauchsstandard von 31,6 Meilen je Gallone (rund 7,5 Liter je 100 Kilometer) zum Jahr 2015 die Autoindustrie rund 46,7 Milliarden Dollar zusätzlich kosten würde. Nach Berechnungen der Regierung Obama könnten die neuen Vorschriften die Herstellungskosten eines Wagens um 1300 Dollar in die Höhe treiben. Die Vorgaben müssen nicht von jedem einzelnen Modell der Palette eines Herstellers erfüllt werden; sie gelten für den Durchschnitt der gesamten Flotte.

          Obama hat deutlich gemacht, dass er keine Erhöhung der nationalen Kraftstoffsteuer anstrebt in der Absicht, auf diese Weise die Nachfrage der Verbraucher zu sparsameren Autos zu verschieben. Derzeit beträgt die Steuer 18,4 Cent für eine Gallone Benzin und 24,4 Cent für eine Gallone Diesel.

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