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Umstrittener Biokraftstoff : Autofahrer gewöhnen sich an E10

  • -Aktualisiert am

Der Biokraftstoff E10 wird langsam beliebter Bild: dpa

Ein Jahr nach der Einführung des umstrittenen Biokraftstoffs freunden sich Autofahrer in Deutschland nach und nach mit E10 an. Der Anteil am Gesamtumsatz steigt zwar langsam, aber er steigt. Zudem scheint die große Angst vor Motorschäden übertrieben gewesen zu sein.

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          Knapp ein Jahr nachdem der umstrittene Biokraftstoff E10 in Deutschland eingeführt wurde, gewöhnen sich Autofahrer langsam an E10. Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) betrug der E10-Anteil am Benzinabsatz in Deutschland im November aber nur 11 Prozent. Bei den beiden größten deutschen Tankstellenketten Shell und Aral liegt der Absatz allerdings inzwischen bei bis zu 20 Prozent. „Jeden Tag haben wir 100000 Kunden für das Produkt“, sagte ein Shell-Sprecher. Marktführer Aral liegt nach Brancheninformationen bei 15 bis 20 Prozent. Ein Unternehmenssprecher wollte den Wert nicht bestätigen, räumte aber ein: „Der Anteil steigt langsam an.“

          Anfang dieses Jahres war E10 eingeführt worden - auf Druck der Politik, die den Anteil von Biokraftstoffen erhöhen wollte. Anfangs war E10 nur an wenigen Tankstellen verfügbar. Im Verglich zum Superbenzin mit bis zu 5 Prozent Bioethanol wird bei E10 bis zu 10 Prozent Bioethanol beigemischt. Der gesteigerte Anteil soll den Ausstoß an Kohlendioxid senken und zudem den Ölverbrauch reduzieren. Allerdings ist der Spritverbrauch bei E10 auch etwas höher. Dass Bioethanol aus Getreide wie Weizen und Roggen oder Zuckerrüben hergestellt wird, hat zudem eine Debatte über eine erhöhte Nutzung von Agrarrohstoffen zur Herstellung von Kraftstoffen ausgelöst.

          Flächendeckend verfügbar

          Etwa 90 Prozent der Fahrzeuge, die zuvor das klassische Superbenzin getankt haben, können auch mit E10 angetrieben werden. Hinzu kommt, dass der Biokraftstoff „inzwischen flächendeckend in Deutschland verfügbar ist“, wie MWV-Hauptgeschäftsführer Klaus Picard sagt.

          Obwohl E10 in der Regel einige Cent billiger ist als das herkömmliche Superbenzin, hielten sich viele Autofahrer beim Kauf zurück, weil sie Schäden am Motor befürchten. Dabei scheint das Argument gegen E10 wegen möglicher Motorschäden mittlerweile ausgeräumt zu sein: Nach Angaben des Automobilclubs ADAC sind keine Fälle bekannt, in denen bei einem Fahrzeug durch die Nutzung Probleme entstanden sind.

          Einmaliger Fehler nicht problematisch

          „Die Verbraucherverwirrung wegen E10 ist nicht berechtigt, denn wir haben keine Anhaltspunkte, dass die Fahrzeuge, die E10 vertragen, Schaden nehmen“, sagt ein ADAC-Sprecher. Selbst bei vielen Fahrzeugen, die nicht E10 vertragen, sei die einmalige Fehlbetankung nicht problematisch. In einem Test hatte der ADAC untersucht, wie ein Wagen reagiert, der nicht für E10 zugelassen ist. Dieses Fahrzeug hatte erst nach 30000 Kilometern und ständiger Fehlbetankung einen Defekt an der Benzinpumpe. Auch der MWV-Chef sagt, dass es für E10-zugelassene Autos „keine Schäden gegeben hat“. Picard rechnet damit, dass der E10-Anteil am Benzinabsatz im kommenden Jahr zunehmen wird.

          Derweil werden Autofahrer an der Tankstelle dieses Jahr nach Berechnungen des ADAC so viel zahlen müssen wie noch nie. In dieser Woche haben die Preise weiter angezogen: Ein Liter Super E10 kostet in Deutschland im Schnitt 1,507 Euro und ist damit 4,4 Cent teurer als in der Vorwoche. Auch der Dieselpreis hat erheblich zugelegt. Der Anstieg beträgt 4,6 Cent auf 1,423 Euro je Liter.

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