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Umstrittene Sportförderung : Die Zeitarbeit will keine Medaillen sponsern

Diese Beitragsbelastung gefährde Unternehmen in ihrer Existenz und „untergräbt die Autonomie der Selbstverwaltung“, heißt es in einem Brief an das Haus von Bundesarbeitsministerin von der Leyen Bild: dpa

Die Deckelung der Beiträge zur Berufsgenossenschaft für Profisportler sorgt für Ärger: Mehrere Dienstleistungbranchen wehren sich dagegen, neue Kosten für die Sportförderung zu tragen. Diese gefährdeten betroffene Unternehmen in ihrer Existenz.

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          Mehrere Dienstleistungbranchen wehren sich dagegen, neue Kosten für die Sportförderung über das System der Berufsgenossenschaft zu tragen. Anlass sind Pläne der Gesetzlichen Unfallversicherung, des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Bundesarbeitsministeriums, nach denen die Beiträge für Berufssportler außerhalb des Profifußballs eingefroren werden sollen trotz steigender Versicherungskosten.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Eigentlich müsste sich der für die Berechnung entscheidende Gefahrtarif bis zum Jahr 2016 verdoppeln. Die zusätzlichen Kosten müssten dann die anderen Mitglieder der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) tragen. Die Dienstleister rechnen mit einem Zusatzvolumen von 180 Millionen Euro im Jahr, von dem die Verleihbranche ein Drittel tragen müsste.

          Sport erfülle eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

          Diese Beitragsbelastung gefährde Unternehmen der betroffenen Branchen in ihrer Existenz und „untergräbt die Autonomie der Selbstverwaltung“, heißt es in einem Brief an das Bundesarbeitsministeriums, der der F.A.Z. vorliegt. Verfasser sind Zeitarbeitgeberverbände BAP und IGZ sowie der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft. Der Sport erfülle eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Es kann deshalb nicht sein, dass die Sportförderung ausgewählten Branchen aufgebürdet wird“, sagt IGZ-Vorstandsmitglied Martin Gehrke dieser Zeitung. Sportorganisationen warnen hingegen, dass ohne eine Begrenzung des Beitragsanstiegs viele Vereine die Lasten nicht mehr schultern können.

          In Deutschland gibt es neun Berufsgenossenschaften, die Berufstätige gegen die Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten absichern. Die größte ist die VBG, die nach eigenen Angaben mehr als 34 Millionen Versicherte zählt. Zu den 18 Mitgliedsbranchen gehören unter anderem Callcenter, Zeitarbeit, Softwareentwicklung.

          Versicherungsbeiträge richten sich nach dem Gefahrtarif

          Dazu kommen so genannte besondere Unternehmen, zu denen neben Zoos, Künstlern und Detektivbüros auch Sportvereine zählen. Letztere sind in drei Kategorien unterteilt: Neben den Profis aus den ersten drei Fußballligen (Klasse 1) gibt es „sonstige bezahlte Sportler“ aus unteren Fußballligen und anderen Sportarten (2) sowie für Amateure (3).

          Die Versicherungsbeiträge richten sich nach dem Gefahrtarif, der sich vereinfacht gesagt aus dem Verhältnis von Lohnsumme zu Unfallkosten errechnet. Für einen Ingenieur ergibt sich daraus ein Wert von 0,8, für Sicherheitsunternehmen 3,94 und für Zeitarbeiter in Dienstleistungen 0,77 sowie in gewerblichen Bereichen 7,97. Amateursportler kosten derzeit 2,42. Deutlich höher liegen die Beiträge für die Fußballprofis der ersten Kategorie mit 57,81.

          Noch liegen die „sonstigen bezahlten Sportler“ mit 45,04 darunter. Doch weil häufig - etwa in den Fußball-Regionalligen - die Lohnsummen relativ gering sind, die Unfallkosten jedoch hoch, wurde 2010 eine stufenweise Anhebung der Beiträge bis 2016 auf 90,08 beschlossen. Allerdings ist die erste Stufe der Anhebung durch eine nachträgliche Änderung des Gefahrtarifs schon ausgesetzt worden, um den Profisport zu entlasten.

          Die Verbände bitten das Haus von Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) um ein weiteres Gespräch noch vor dem 5. September. Dann soll auf der VBG-Vertreterversammlung in Mainz die nachträgliche Deckelung der Sportlerbeiträge auf dem jetzigen Niveau beschlossen werden. „Die aktuellen Pläne sind ein Vertrag zu Lasten Dritter“, klagt Zeitarbeitsvertreter Gehrke. Zudem habe das Bundesarbeitsministerium angekündigt, notfalls eine eigene Regelung zur Entlastung des Sports zu verabschieden. Gehrke fordert, entweder alle Berufsgenossenschaften ins Boot zu holen, oder die Politik müsse diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe anders organisieren. Sollte die Vertreterversammlung die Sportsubventionierung beschließen, will die Sicherheitswirtschaft klagen.

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