https://www.faz.net/-gqe-7j0t0

Umstrittene Pestizide-Kampagne : Der BUND muss mit Strafanzeigen rechnen

  • -Aktualisiert am

Mit Bildern von Babys und Gift: Kampagnen-Website mit dem Video des BUND, über das heftig gestritten wird. Bild: F.A.Z.

Auf die scharfe Kritik an der Kampagne gegen Pestizide reagiert der BUND öffentlich gelassen. Nach Informationen der F.A.Z. wollen aber mehrere Personen Strafanzeige wegen Beleidigung und Volksverhetzung stellen.

          Der Umweltverein BUND hat öffentlich gelassen auf die Empörung von Wirtschafts- und Agrarverbänden reagiert, seine Kampagne gegen Pestizide sei „Hetze“, „falsche Propaganda“ und ein „Kreuzzug“ gegen die konventionelle Landwirtschaft. Agrarverbände meinten, das Video rücke Bauern in die Nähe von Kindermördern, wie die F.A.Z. am Freitag berichtet hatte. Nach Information der F.A.Z. wollen mehrere Personen Strafanzeige gegen die für das Video verantwortliche Person stellen wegen Beleidigung und Volksverhetzung. Der BUND teilte am Freitag mit, er halte die Reaktionen für „völlig überzogen“. Die Kritik zeigte, „dass der BUND den Finger in eine Wunde gelegt hat.“ Der Film mache auf „Risiken des übermäßigen Einsatzes“ aufmerksam.

          Das im Internet veröffentlichte Video zeigt, wie in einer düster anmutenden Landschaft auf einem Acker nicht Pflanzen, sondern menschliche Babys wachsen. Dann nähert sich im Tiefflug ein Flugzeug und spritzt eine Chemikalie auf die Kinder. Darüber steht eine Schrift: „Pestizide. Hergestellt um zu töten.“

          Mit einem Spendenaufruf versehen, heißt es auf der Website weiter: „Jetzt aktiv werden. Für eine Zukunft ohne Gift.“ Industrievertreter zeigten sich erschrocken über den Stil der Kampagne. Traditionsreiche Umweltverbände seien nur noch bemüht, „Krach zu machen“, sagte der Deutschland-Geschäftsführer des Agrarchemiekonzerns Bayer Crop Science, Helmut Schramm. „Es scheint so, als fehle dem BUND eine moralische Instanz, die hingeht und sagt: so geht das nicht, auf dieses Niveau begeben wir uns nicht“, sagte Schramm. Die Vorwürfe seien unhaltbar.

          Lebensmittelwirtschaft und Bauernverband haben sich über die BUND-Kampagne gegen das Pestizid Glyphosat empört. Das verbreitete Mittel ist seit rund 40 Jahren im Einsatz und gilt Fachbehörden wie der Weltgesundheitsorganisation und dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit Verweis auf Langzeitstudien als „unbedenklich“. Gleichwohl gibt es in einer Minderzahl der Studien Hinweise auf Gefährungen von Embyronen. Andererseits senkt Glyphosat den Dieselverbrauch, weil es den Pflug erspart.

          Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied sagte der F.A.Z. vor dem Hintergrund des Neu-Zulassungsprozesses für Glyphosat der EU: „Ich kann massiv davor warnen, immer mehr sichere und zugelassene Betriebsmittel für die Landwirtschaft zu verbieten.“ Ein Verbot von Glyphosat, das auch mehrere meist von Grünen mitregierte Bundesländer fordern, oder das beschlossene Verbot der Neonikotinoide würden zu sinkenden Erträgen führen. Somit müsste mehr Getreide importiert werden.

          Der BUND konzentriert sich auf landwirtschaftliche Themen, seit der Atomausstieg beschlossen ist, für den er Jahrzehnte kämpfte. Im Sommer brachte er Glyphosat, das von Konzernen wie Syngenta, Dow Agro, Bayer oder BASF verkauft wird, auf die mediale Agenda. Der BUND hatte zehn Urin-Stichproben von Deutschen entnommen und meldete, „jeder Siebte“ trage Glyphosat in sich.

          Der Stil des neuen Videos erinnert auch an die Kampagnen kleiner Organisationen wie Peta, die fordern, Tieren wie Menschen ein Recht auf körperliche Unversehrtheit zu geben. Grundlage ist ein Weltbild, das Menschen, Tiere und manchmal Pflanzen als prinzipiell gleichwertig sieht (Speziesismus). Dass sich der BUND, mit knapp einer halben Million Mitglieder größter deutscher Umweltverein, derartiger Bildsprache bedient, ist neu. Eine Sprecherin widersprach aber dem Eindruck, der BUND setzt Menschen mit Pflanzen gleich. Bauernverband und BUND sind im Dauerstreit. Landwirte werfen dem Verein vor, ein „Geschäft mit der Angst“ zu treiben. Der Verein verdient gut. Seine Einnahmen stiegen 2012 auf 41 Millionen Euro. Zuletzt mehrten sich Medienberichte, wonach der BUND gegen hohe Spenden Klagen gegen Projekte wie Windkraftanlagen fallen ließe. Der BUND wurde 1975 von Männern der konservativen Heimatschutzbewegung wie Hubert Weiger und Bernhard Grzimek gegründet, der den Begriff „KZ-Hühner“ prägte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.