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Umstrittene Gasförderung : Wo sich Fracking in Deutschland lohnen könnte

Bild: F.A.Z.

In Amerika hat Schiefergas für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg gesorgt. In Deutschland wäre das - selbst wenn wir wollten – so nicht möglich. Doch an einigen Stellen könnte sich Fracking lohnen.

          Fracking ist für viele das neue Atom. Umweltschützer halten die ungewöhnliche Art Erdgas aus bisher kaum nutzbarem Gestein zu gewinnen für viel zu gefährlich, als dass man sich darauf einlassen sollte. Doch Industrie und Bundesregierung wollen die Methode zumindest erproben.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Beim Fracking wird eine Flüssigkeit mit chemischen Zusätzen ins Gestein gepumpt, um kleine Risse zu erzeugen, durch die das im Mutterstein verbliebene Gas leichter herauskommen kann. Die Bohrung und die Tatsache, dass Chemikalien in den Boden gepresst werden, macht vielen Menschen Angst.

          Um Ängste vor einer Verunreinigung des Grundwassers durch Frack-Flüssigkeit zu zerstreuen, tranken Mitarbeiter von Exxon Mobil, dem größter Gasförderer in Deutschland, jüngst für einen Fernsehbeitrag sogar einen Becher Frack-Flüssigkeit. Damit wollten sie zeigen, dass die Flüssigkeit zwar chemische Zusätze, aber keine hochgiftigen Chemikalien enthält und somit letztlich harmlos für das Trinkwasser sei.

          Die Bundesregierung hat Mitte der Woche einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der das Fracking in weniger als 3000 Meter Tiefe verbietet, Probebohrungen sollen auch künftig unter Auflagen möglich sein. Eine Expertenkommission soll die Ergebnisse der Tests auswerten, erst dann soll entschieden werden, ob in vielversprechenden Gebieten auch kommerzielles Fracking erlaubt wird.

          Wo könnte sich Fracking in Deutschland überhaupt lohnen? Was sagen Geologen und Gas-Unternehmen? Die Technik des Fracking ist in Deutschland zwar hoch umstritten, wird aber bereits seit Jahrzehnten eingesetzt, wie Exxon Mobil gerne betont: „ohne einen einzigen Unfall“.

          Das bisherige Fracking konzentrierte sich auf sogenannte „konventionelle“ Lagerstätten, also auf solche Stellen, an denen es recht einfach ist. In Niedersachsen wurden seit 1961 in Tiefen von mehr als 3000 Meter mehr als 300 Fracking-Maßnahmen durchgeführt, die meisten in den 90er Jahren, die letzte im Sommer 2011 (Eine genaue Auflistung mit Karte finden Sie hier).  Bestehende Bohrlöcher sind von der geplanten Regelung nicht betroffen. Neue Bohrlöcher sollen aber künftig nur noch in Ausnahmefällen möglich sein.

          Ins Blickfeld rücken nun ohnehin die sogenannten „unkonventionellen“ Lagerstätten – insbesondere Schiefergas. Der Unterschied liegt im Gestein: Konventionelles Fracking wird überwiegend bei Erdgasvorkommen in Sandstein eingesetzt. Unkonventionelles Fracking wird in viel härterem Gestein angewandt. Um das Erdgas aus den Poren solcher Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflöze zu pressen, ist ein sehr viel größerer Eingriff in die Natur notwendig - also mehr Bohrungen und mehr Frack-Flüssigkeit, um die künstlichen Risse im Gestein zu erzeugen. Ein erster solcher Fracking-Test in einem Tongestein von der Firma ExxonMobil nahe der Ortschaft Damme in Niedersachsen sorgte für so viel Kritik, dass das Unternehmen die Arbeiten wieder eingestellt hat.

          In welchen Regionen sich Fracking künftig lohnen könnte, lässt sich heute noch nicht sicher sagen. Die oben dargestellte Karte zeigt, wo es eventuell unkonventionelle Erdgaslagerstätten geben könnte. Ockerfarben sind die Regionen gekennzeichnet, die grundsätzlich die geologischen Voraussetzungen zur Bildung von Schiefergas aufweisen können.  Das sind solche Gebiete, die einst im Meer lagen. Denn Schiefergas entsteht grundsätzlich wie Erdöl und Erdgas, also in ruhigen Gewässern wie Meeren oder Seen, wenn  Tier- und Pflanzenreste auf den Meeresboden sinken, sich daraus Faulschlamm bildet,  der von anderen Sedimenten überdeckt wird. Unter Druck und Hitze kann sich der Schlamm dann in Millionen von Jahren chemisch umwandeln. Damit sich das Bohren lohnt, müssen die Gesteinsschichten auch mächtig genug sein - mindestens 20 Meter dick. Laut Geologen kommen in Deutschland dafür drei Gesteinsformationen in Frage: Tongesteine im Unterkarbon, im Posidonienschiefer und im Wealden der Unterkreide.

          Das größte Potential sehen Geologen bislang im niedersächsischen Becken westlich und östlich von Hannover, im Oberrheingraben und im Bereich der Inseln Hiddensee, Rügen und Usedom. Auch im süddeutschen Molassebecken könnte es solche Erdgaslagerstätten geben.

          Es wurden auch schon mehrere Erlaubnisse für die Erkundung vergeben. Die gelben Flächen in der Karte zeigen Bergbau-Berechtigungen für die Suche von nicht-konventionellen Lagerstätten von Erdöl und Erdgas, unter anderem in Schiefergestein. Das sind allerdings nur generelle erste Erlaubnisse; für einzelne Bohrungen müssen die Unternehmen noch gesondert  die Erlaubnis der jeweils zuständigen Bergbehörde einholen.

          Bevor Unternehmen viel Geld für Test-Bohrungen ausgeben - von 30 Millionen Euro ist die Rede - wird das Gestein zunächst mittels Seismik erkundet. Dafür werden mit kleinen Sprengungen in 10 bis 15 Metern Tiefe künstlich Schallwellen erzeugt. Mit hochempfindlichen Sensoren werden dann die reflektierten Schallwellen auf Hinweise ausgewertet. Ein Vergleich mit älteren Karten zeigt, dass es vor einigen Jahren noch mehr Lizenzen gab. Im vergangenen Herbst gab beispielsweise ein britisches Unternehmen eine Erkundungslizenz für zwei Regionen nördlich des Bodensees zurück - ohne den Schritt genauer zu begründen.

          So funktioniert Fracking

          Die Bundesanstalt für  Geowissenschaften und Rohstoffe forscht derzeit noch, wo genau sich Fracking künftig lohnen könnte. Der abschließende Bericht soll noch in diesem Jahr vorliegen. Einen Fracking-Boom wie in Amerika wird es in Deutschland aber nicht geben, weil die vermuteten Reserven viel kleiner sind. Da sind sich die Geologen weitgehend einig - selbst wenn sich die Deutschen mit der umstrittenen Technik anfreunden würden. Doch danach sieht es nicht aus.

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