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Umstieg auf erneuerbare Energien : Milliarden für Ausbau regionaler Stromnetze

Regionale Verteilnetze müssen ertüchtigt werden, um das wachsende Solarstromangebot verkraften zu können Bild: Reuters

Im Falle eines schnelleren Atom-Ausstiegs setzt Wirtschaftsminister Rainer Brüderle auf den Ausbau regionaler Stromnetze. Die EU brauche einen europäischen Binnenmarkt für die Energieversorgung, so Brüderle.

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          Allein mit dem Ausbau von „Stromautobahnen“ kann die von der Bundesregierung geplante beschleunigte Energiewende nicht gelingen. Dazu müssten auch die regionalen Verteilnetze ertüchtigt werden, um das wachsende Solar- und Windstromangebot verkraften zu können, sagte die Chefin des Branchenverbands BDEW, Hildegard Müller, der F.A.Z. Schon aus dem „Leitszenario“, das das Bundesumweltministerium an die EU gemeldet hat, errechneten sich für das Verteilnetz „bis 2020 notwendige Investitionen von bis zu 27 Milliarden Euro“. Knapp die Hälfte werde mit 13 Milliarden Euro fällig, würde man lediglich die Vorgaben des Energiekonzeptes der Bundesregierung umsetzen, das 2020 eine Photovoltaikleistung von 33,3 Gigawatt vorsehe statt 51,8 Gigawatt wie der Umweltminister.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          An diesem Dienstag will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum zweiten Mal binnen einer Woche die Ministerpräsidenten treffen, in deren Bundesländern Kernkraftwerke stehen. Thema sind Kriterien für die angekündigten Sicherheitsüberprüfungen, die Merkel mit dem dreimonatigen Moratorium der Laufzeitverlängerung angekündigt hatte.

          Europäische Kommission hieß Brüderles Vorstoß gut

          Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) präsentierte am Montag in Brüssel Pläne für einen raschen Ausbau der Stromnetze als Voraussetzung für den Umstieg auf erneuerbare Energien. Er forderte die übrigen EU-Staaten am Rande eines Sondertreffens der Energieminister zu den Ereignissen in Japan dazu auf, den Ausbau des europäischen Energienetzes zu beschleunigen. Die Verfahren, mit denen neue Leitungen genehmigt werden, müssten beschleunigt werden, damit endlich grenzüberschreitende Verbindungen gebaut werden könnten.

          Die EU brauche einen europäischen Binnenmarkt für die Energieversorgung. Deutschland werde beim Ausbau der Netze voranschreiten. Das sei im Falle eines schnelleren Ausstiegs aus der Atomenergie nötiger denn je. Brüderle schlug ein Netzausbaubeschleunigungsgesetz vor. Unter anderem soll die Bundesnetzagentur in Abstimmung mit den Ländern einen Bundesnetzplan erstellen, in dem die notwendigen Trassenkorridore für Hochspannungsleitungen ausgewiesen werden. Windparks auf offener See sollen gemeinsam ans Netz angebunden werden. Außerdem will Brüderle Genehmigungsverfahren vereinfachen. Gemeinden sollen einen Finanzausgleich für Beeinträchtigungen beim Netzausbau erhalten, die Bürger früher in die Planung einbezogen werden. Die Europäische Kommission hieß den Vorstoß gut.

          Die Ökostrombranche bekräftigte, man könne Strom aus Kernkraftwerken vor 2020 ganz durch erneuerbare Energien ersetzen. Allerdings dringt auch sie auf einen schnellen Netzausbau. Der Bundesverband Erneuerbare Energien legte dazu einen Zehn-Punkte-Plan vor, wonach zum Beispiel höhere Windräder erlaubt und neue Hochspannungsleitungen als Kabel unter der Erde verlegt werden sollen. Die Grünen halten den Atomausstieg sogar bis 2017 für machbar.

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