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Umfrage : Zweifel am Generationenvertrag

Zwei Drittel der Befragten halten den Generationenvertrag heute grundsätzlich für gerecht Bild: AP

Die demographische Entwicklung stellt den Generationenvertrag in der Sozialversicherung auf eine harte Probe. Heute steht noch die Mehrheit der Deutschen hinter dem Prinzip, nach dem die Jungen für die Alten zahlen. Aber eine Umfrage der Gesellschaft Forsa zeigt: Der Zuspruch sinkt.

          Die demographische Entwicklung stellt den Generationenvertrag in der Sozialversicherung auf eine harte Probe. Heute steht noch die Mehrheit der Deutschen hinter dem Prinzip, nach dem die Jungen für die Alten zahlen, aber der Zuspruch sinkt. Dies hat eine Umfrage der Gesellschaft Forsa für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und das Freiburger Forschungszentrums für Generationenverträge (FZG) ergeben, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Die Initiative hebt den Stellenwert der Generationengerechtigkeit für künftige Reformen in der Sozial- und Fiskalpolitik hervor. Schließlich müssten die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung auf Dauer finanzierbar und die Lasten künftiger Generationen begrenzt bleiben. 87 Prozent der Bürger halten es nach der Umfrage für sinnvoll, alle Gesetze vor ihrer Verabschiedung daraufhin zu überprüfen, welche Folgen sie für künftige Generationen haben.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Nach der Umfrage unter knapp 1000 Bürgern halten zwei Drittel den Generationenvertrag heute grundsätzlich für „gerecht“. Er sei „ungerecht“, sagen 28 Prozent, der Rest machte keine Angaben. In der Einschätzung liegen zwischen Ost und West sowie zwischen Männern und Frauen kaum Abweichungen, wohl aber in der Differenzierung nach Alter, Bildung und politischer Orientierung: Überraschenderweise ist unter den Befragten im Alter zwischen 14 und 29 Jahren mit einem Anteil von 79 Prozent der Zuspruch für den Generationenvertrag besonders hoch. Dagegen finden nur 59 Prozent der Sechzigjährigen das Prinzip noch gerecht. Unter den Arbeitern sagen dies 72 Prozent, unter den Angestellten nur 66 und bei den Selbständigen nur 63 Prozent. Hauptschulabsolventen sind gleichwohl skeptischer (58 Prozent) als Abiturienten (73 Prozent). Drei Viertel der SPD-Anhänger verteidigen den Generationenvertrag, 62 Prozent der FDP-Abhänger, aber nur 48 Prozent der Linkspartei.

          Zuspruch sinkt

          Allerdings sinkt der Zuspruch angesichts der demographischen Entwicklung. 2030 werden statt drei nur noch zwei Erwerbstätige auf einen Rentner kommen. Von den Befragten meinen nur 41 Prozent, dass das Prinzip auch unter veränderten Vorzeichen noch gerecht sei, 49 Prozent sind der gegenteiligen Ansicht. Eine Mehrheit für die Einschätzung als „künftig gerecht“ findet sich nur noch unter den Männern (46 Prozent), Beamten (49 Prozent), Abiturienten (47 Prozent) und FDP-Anhängern (57 Prozent). Zur Demographiefestigkeit der Rentenversicherung soll die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre beitragen. Doch nur 27 Prozent der Bürger sind der Meinung, dass dies helfen wird, die Belastung der Jüngeren zu verringern; 69 Prozent glauben das nicht, die Belastung der Jüngeren zu verringern, 69 Prozent glauben das nicht. Die relativ meisten Hoffnungen knüpfen daran die Männer (32 Prozent), die Beamten (38 Prozent), die Abiturienten und - im starken Gegensatz zu den Anhängern anderer Parteien - die Anhänger der FDP.

          Ein Kernpunkt in der Debatte um Generationengerechtigkeit ist die Frage der Verschuldung der öffentlichen Haushalte, da die langfristigen Folgen von den nachwachsenden Generationen getragen werden müssen. So sind 85 Prozent der befragten Bürger der Ansicht, dass der Schuldenabbau vorangetrieben werden sollte, um Lasten nicht auf künftige Generationen zu verschieben, während 12 Prozent den Kurs für übertrieben halten. Am geringsten fällt die Unterstützung für den Schuldenabbau bei den Anhängern der Linkspartei aus, aber auch hier sind immerhin noch 75 Prozent dafür.

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