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Umfrage : Die gut gelaunte Mittelschicht

Die Mittelschicht zeigt Optimismus Bild: Rüchel, Dieter

Lange war von den Abstiegsängsten der Mittelschicht die Rede. Eine neue Umfrage zeigt, dass sie eigentlich sehr zufrieden ist. Und ihr Idol heißt Helmut Schmidt.

          Die Mehrheit der Mittelschicht ist mit ihrer gegenwärtigen Lebenssituation sehr zufrieden. Und auch die Zukunft schätzt sie sehr optimistisch ein: Gefragt nach der persönlichen Zukunft, antworten 85 Prozent mit „eher optimistisch“, lediglich 13 Prozent sind „eher pessimistisch“.  Bei den unter 30-Jährigen sind sogar 96 Prozent Optimisten. Zu diesem Ergebnis kommt die zweite Mittelschichtstudie der Gothaer Versicherung, die dafür im September 1000 Personen vom Meinungsforschungsinstitut Forsa telefonisch befragen lassen hat.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jahrelang haben die Abstiegsängste der Mittelschicht für Schlagzeilen gesorgt. Jeder Vierte mache sich Sorgen, dass er seinen Status verlieren könne, warnte noch im vergangenen Jahr eine Bertelsmann-Studie, in einer älteren DIW-Studie war sogar von „Statuspanik“ die Rede. Doch in der jüngsten Mittelschichtstudie der Gothaer Versicherung ist davon wenig zu sehen: Trotz Krise schätzt die Mehrheit der Befragten ihre eigene finanzielle Situation ähnlich ein im Vergleich zu vor zwei Jahren. Und wenn sich die finanzielle Lage verändert hat, dann ist sie eher besser (29 Prozent) als schlechter (13 Prozent) geworden.

          Der großen Mehrheit geht es nach eigener Einschätzung besser als ihrer Elterngeneration. Und das wird als etwas Außergewöhnliches geschätzt: Die Mehrheit glaubt nicht, dass sich der Wohlstand immer weiter mehrt. Zwar wird die eigene Zukunft positiv eingeschätzt, aber ganz allgemein gefragt, glaubt die Mehrheit dennoch, dass es der nachwachsenden, jüngeren Generation in 30 Jahren nicht mehr so gut gehen wird.

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          Und freilich blickt auch die Mittelschicht nicht ganz sorgenfrei in die Zukunft, aber die größte Sorge ist keine ökonomische: Befragt nach ihren Ängsten, geben 59 Prozent an, sie hätten (sehr) große Angst im Alter auf regelmäßige Pflege durch andere angewiesen zu sein. Auf Platz zwei folgt die Angst, dass sich der Zustand der Umwelt verschlechtere. Etwas gestiegen ist auch die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten, die Unsicherheit über die Ersparnisse und die Angst, dass im Alter die Rente nicht reichen könnte. Letzteres befürchten aktuell 54 Prozent der Befragten.

          Bei der privaten Altersvorsorge sind Immobilienanlagen von Platz zwei auf Platz eins gerückt, gefolgt von Riester-Renten, die bei der letzten Befragung noch an erster Stelle standen. 43 Prozent der Befragten geben an, Geld in Immobilien angelegt zu haben, 42 Prozent nennen eine Riester-Versicherung. Danach folgen fast gleichauf Sparbücher und Banksparpläne (41 Prozent)  sowie die Kapital-Lebensversicherung (40 Prozent). Weit abgeschlagen dagegen ist die direkte Anlage in Aktien (18 Prozent), schon eher wird mit Fonds (28 Prozent) fürs Alter gespart.

          Den Politkern wird wieder etwas mehr zugetraut

          Dennoch zeigt sich, dass nach der Eurokrise wieder etwas Vertrauen zurückkehrt: Dass Deutschlands Staatsschulden ins Unermessliche steigen werden, glauben zwar noch 53 Prozent, vor zwei Jahren waren es aber noch 66 Prozent.

          Die Befragten vertrauen auch den Politikern wieder etwas mehr. Zwar glauben noch immer 55 Prozent, dass unsere Politiker mit den Problemen überfordert seien, aber vor 2 Jahren waren es noch deutlich mehr - nämlich 64 Prozent.

          Familie wichtiger als Beruf

          Und was ist der Mittelschicht wichtig im Leben? Ganz oben steht der Wunsch, viel Zeit mit dem Partner oder der Familie zu verbringen. Das war für 97 Prozent wichtig oder sehr wichtig. Der Wert ist in der Rangliste im Vergleich zur Umfrage vor zwei Jahren sogar noch um 2 Prozentpunkte gestiegen. Es folgt der Wunsch, das Leben zu genießen (95 Prozent) und sich gesund zu ernähren (90 Prozent). Merklich an Bedeutung verloren hat dagegen der Wunsch „beruflich erfolgreich zu sein“. Das ist nur noch 73 Prozent wichtig oder sehr wichtig, 5 Prozentpunkte weniger als zwei Jahre zuvor.

          Wie wichtig die Familie ist, zeigt auch der ausgeprägte Kinderwunsch. Von den Befragten unter 40 Jahren, die keine Kinder haben, wünschen sich 87 Prozent Nachwuchs. Das sind deutlich mehr als noch 2011, damals wünschten sich das lediglich 78 Prozent.

          Gefragt nach ihren Vorbildern, antworten zwei Drittel, sie hätten keine. Wer aber Vorbilder benennt, sieht oft die eigenen Eltern als Wegweiser. Und dabei hat die Mutter leichten Vorsprung vor dem Vater. Bei den klassischen Idolen aber liegen die Männer vorne. Ganz oben auf der Favoritenliste der Mittelschicht steht Helmut Schmidt. Noch vor Jesus, Ghandi und Einstein.

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