https://www.faz.net/-gqe-x5xh

Umfrage des DIHK : „Der Ausbildungsbonus ist Geldverschwendung“

  • -Aktualisiert am

Mehr Lehrstellen, mehr Wettbewerb um qualifizierte Bewerber Bild: ddp

Die Regierung will Betrieben einen Bonus zahlen, wenn sie so genannten „Altbewerbern“ zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten. Doch eine neue Umfrage des DIHK, die der F.A.Z. vorliegt, zeigt: Viele Betriebe wollen das Geld einstreichen, aber letztlich keine neuen Lehrstellen schaffen.

          2 Min.

          Der Bonus von bis zu 6000 Euro, den die Regierung Betrieben für zusätzliche Lehrstellen an Altbewerber zahlen will, wird die Wirtschaft kaum zu größerer Ausbildungsaktivität ermuntern. Für die Unternehmen wäre es viel wichtiger, die schulische Vorbildung der Bewerber zu verbessern. Das ergab eine Umfrage des Industrie- und Handelskammertages (DIHK), die der F.A.Z. vorliegt.

          In der Umfrage sagten 85 Prozent der 12.000 online befragten Unternehmen, der Bonus werde ihr Ausbildungsplatz-Angebot 2008 nicht beeinflussen. Zehn Prozent der Betriebe wollen den Bonus prüfen und fünf Prozent wegen der Subvention eine zusätzliche Stelle schaffen, wobei die größte Bereitschaft dazu im Gastgewerbe und im Handel besteht, in Branchen also, die für qualifizierte Bewerber nicht so attraktiv sind und in denen Lehrlinge schnell eingearbeitet werden können. In diesen Branchen sind zugleich die Übernahmequoten nach einer abgeschlossenen Lehre unterdurchschnittlich, so dass die Ausgebildeten erst einmal nach einem Arbeitsplatz suchen müssen.

          100.000 zusätzliche Lehrstellen sollen geschaffen werden

          „Der Ausbildungsbonus ist Geldverschwendung“, sagt DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun. „Viele Unternehmen planen ohnehin, ihr Ausbildungsangebot zu vergrößern. Diese nehmen dann den Bonus mit. Zusätzliche Ausbildungsplätze entstehen so aber nicht.“ Wichtiger als solche kostspieligen Finanzspritzen, so fügte Braun hinzu, wäre eine gezielte Unterstützung in der Ausbildung, etwa durch eine sozialpädagogische Betreuung.

          Der Ausbildungsbonus gehört zur 2007 verabschiedeten Qualifizierungsinitiative der Regierung, die dem Mangel an Fachkräften vorbeugen und vor allem die Integration schlecht qualifizierter Jugendlicher in das duale System fördern soll. Darunter sind viele Hauptschüler. Der Zuschuss für Betriebe wird demnächst vom Parlament beschlossen und soll möglichst noch im Juli 2008 in Kraft treten. Die Kosten des Programms wurden auf etwa 450 Millionen Euro beziffert; das Geld wird Überschüssen der Bundesanstalt für Arbeit entnommen. Mit Hilfe des Bonus sollen bis 2010 etwa 100.000 zusätzliche Lehrstellen geschaffen werden.

          Mangel an qualifizierten Bewerbern

          Die Umfrage zeigt, dass es wegen der guten Konjunktur nicht mehr so sehr an Lehrstellen mangelt, sondern an qualifizierten Bewerbern (siehe dazu auch: Mehr Lehrstellen als Bewerber: Mangel an qualifizierten Auszubildenden befürchtet). 15 Prozent der Unternehmen konnten schon 2007 nicht alle Plätze besetzen. Der wichtigste Grund (57 Prozent) war, dass keine geeigneten Bewerbungen vorlagen. Für zwei Drittel der Unternehmen ist eine bessere Schulbildung der wichtigste Schlüssel zur Schaffung neuer Ausbildungsplätze. Dies hält man für wichtiger als finanzielle oder steuerliche Anreize.

          Auf dem Ausbildungsmarkt macht sich auch langsam die demographische Entwicklung bemerkbar. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen teilten mit, das Angebot reiche noch aus. Doch 16 Prozent spüren bereits einen deutlichen Rückgang. Dies gilt besonders für die neuen Bundesländer. Hier sind es 31 Prozent. Wegen des beginnenden Wettbewerbs um gute Bewerber melden nun mehr Unternehmen als früher ihre Plätze bei der Arbeitsagentur.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.