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Uli Hoeneß : „Ich habe richtig gezockt“

  • Aktualisiert am

Uli Hoeneß Bild: dpa

Lange hat er geschwiegen. Nun äußert sich Uli Hoeneß erstmals in einem Interview zum Vorwurf der Steuerhinterziehung. Er habe einen „Riesenfehler“ gemacht, den er korrigieren wolle, sagt er. Bundespräsident Joachim Gauck nennt Steuerhinterzieher wie Hoeneß „asozial“.

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          Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat in einem Interview erklärt, woher sein unversteuertes Geld stammt. Im Jahr 2001 habe er begonnen, exzessiv an der Börse zu spekulieren und dafür Kredit von Adidas-Chef Robert-Louis Dreyfus bekommen. „In den Jahren 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt, ich habe teilweise Tag und Nacht gehandelt, das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind, diese Beträge waren schon teilweise extrem. Das war der Kick, das pure Adrenalin“, sagte Hoeneß der „Zeit“.

          Spekuliert habe er aber schon viel früher, sagte Hoeneß. „Mal 50.000 Dollar, das war es. Das wurde heftiger, als alle an der Börse spielten, zur Zeit der großen Internetblase.“ Als die Blase platzte, habe er große Verluste gemacht. „Das war der Moment, als Dreyfus mir anbot, lass uns was zusammen machen, er würde es finanzieren. So kamen die Millionen auf das Konto, es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes.“

          „Ich habe Riesenmist gebaut“

          Über seine mutmaßliche Steuerhinterziehung sagte Hoeneß, er habe einen „Riesenfehler“ gemacht, den er korrigieren wolle. „Ich würde mir wünschen, dass ich irgendwann die Gelegenheit bekäme, der Bundeskanzlerin in einem persönlichen Gespräch zu erklären, wie es so weit kommen konnte, der ganze Mist.“ Dass die Selbstanzeige öffentlich geworden ist, habe ihn vollkommen überrascht. „Es gab bislang Tausende von Selbstanzeigen, ich hatte noch von keiner gehört, die öffentlich wurde.“

          Hoeneß ließ seine Zukunft als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München offen. „In so einer Situation ist man natürlich leicht geneigt, emotional zu reagieren. Wenn ich das Gefühl habe, dass meine Person dem Verein schadet, werde ich Konsequenzen ziehen. Andererseits steht der Verein sportlich und wirtschaftlich so gut da wie nie zuvor - und daran habe ich auch einen großen Anteil. Auf keinen Fall werde ich vor dem Finale der Champions League zurücktreten“, erklärte der 61-jährige Klubchef.

          Hoeneß rechnet nicht damit, dass er auf der für Montag anberaumten Aufsichtsratssitzung gedrängt werden könnte, seine Ämter niederzulegen oder ruhen zu lassen. „Aus heutiger Sicht nein, aber ich kann die Entwicklung der nächsten Tage nicht voraussehen“, betonte er.

          Mit Blick auf Hoeneß' Steuerhinterziehung hat Bundespräsident Joachim Gauck scharfe Worte gewählt. „Wer Steuern hinterzieht, verhält sich verantwortungslos oder gar asozial“, sagte er dem Magazin „Stern“. „In unserem Land darf es in rechtlichen und moralischen Fragen nicht zweierlei Standards geben, einen für die Starken und einen für die Schwachen. Niemand darf selbst entscheiden, ob er Steuern zahlt oder nicht.“

          Hoeneß sagte, dass er jetzt zum Buhmann werde, sei schwer für ihn. „Das ist für mich ein ganz großes Problem. Ich fühlte mich in diesen Tagen auf die andere Seite der Gesellschaft katapultiert, ich gehöre nicht mehr dazu. Ich mache mir natürlich riesige Vorwürfe. Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch.“

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